321.02.11|Politik|Politik|6
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Berlin - Während in Afghanistan Deutsche sterben, diskutiert die Heimat Plagiatsvorwürfe und Bundeswehr-Affären. Der Einsatz am Hindukusch rückt dabei völlig in den Hintergrund. Die Soldaten finden das empörend - und stellen sich hinter ihren Minister.

© dpa
Bundeswehrsoldaten tragen am Montag in Masar-i-Scharif einen Sarg in ein bereitstehendes Flugzeug. Nach dem Angriff eines afghanischen Soldaten haben die deutschen Truppen Abschied von ihren drei getöteten Kameraden genommen.
Im privaten Gespräch machen manche Soldaten ihrem Frust mit drastischeren Worten Luft. Die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Affären um die “Gorch Fock“, um geöffnete Feldpost und um die Informationspolitik zum Unfalltod eines deutschen Soldaten vor Weihnachten - all das finde mehr Aufmerksamkeit als der Tod ihrer Kameraden, beklagen sie. “Über die Feldpost gab es größere Aufregung als über drei Gefallene“, sagt ein Offizier, der anonym bleiben will. “Das ist schlimm.“
Hauptmann Daniel T. beklagt ebenfalls mangelndes Interesse der Deutschen am Einsatz. Es sei “hart“, die Gefallenen zu verabschieden, sagt er beim Ehrenspalier. Die Opfer hätten in den kommenden Tagen ihren Afghanistan-Einsatz beendet gehabt, nun werden sie in Särgen in die Heimat gebracht. Einer der Toten hinterlässt eine Frau und ein vier Monate altes Baby. “Ich muss jedes Mal aufpassen, dass ich nicht anfange zu weinen“, sagt der Hauptmann. Und er beklagt: “Wir sind hier, weil das Parlament und damit das deutsche Volk uns hierhin geschickt haben. Da ist das geringe Interesse wirklich enttäuschend.“
Besonders irritieren die Soldaten die Vorwürfe gegen ihren Minister, dessen Beliebtheit bei der Truppe am Hindukusch keinen Schaden genommen zu haben scheint - kritische Stimmen sind jedenfalls nicht zu hören. “Wir wissen, was wir an unserem Minister haben“, sagt der ranghöchste deutsche General in Afghanistan und Kommandeur der internationalen Streitkräfte im Norden des Landes, Hans-Werner Fritz. “Die Truppe steht hinter ihm.“ Fritz nennt es problematisch, dass durch die Debatten in der Heimat die erzielten Erfolge der Truppe in Afghanistan überdeckt würden.
Offiziere im Einsatz warnen auch, dass die Bundeswehr mitten im Umbruch stecke. Für die anstehenden tiefgreifenden Reformen brauche die Truppe einen Chef wie Guttenberg - zu ihm sei keine Alternative in Sicht. Selbst wenn der Minister abgeschrieben haben sollte, so sagen sie, könnte ein Rücktritt katastrophale Folgen haben.
Die Soldaten in Afghanistan sehen Guttenberg nicht als Luftnummer, als die er nun wegen seiner Doktorarbeit von Kritikern in der Heimat verspottet wird - im Gegenteil. “Er ist hier nicht der Ankündigungsminister, sondern der Umsetzungsminister“, sagt ein Offizier. Unter Guttenberg habe sich die Ausrüstung deutlich verbessert, für die Truppe am Hindukusch seien dringend benötigte gepanzerte Fahrzeuge beschafft worden. “Die Autos sind jetzt halt da, die Leute können rausfahren. Das ist, was hier ankommt.“
Von Can Merey

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