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Ausstellung „Ausgerechnet Deutschland!“ zeigt die Einwanderung russischer Juden

Gelungenes Beispiel für Integration

115.03.10|Reportage|Reportage|
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Artikel: Gelungenes Beispiel für Integration

Frankfurt ‐ Mit dem Bus waren sie oft tagelang unterwegs. Und mitgenommen wurde nur das Nötigste. Seit dem Fall der Mauer sind fast eine viertel Million Juden aus der früheren Sowjetunion nach Deutschland eingewandert. Von Thomas Maier (dpa)

© dpa

Seit dem Fall der Mauer sind fast eine viertel Million Juden aus der früheren Sowjetunion nach Deutschland eingewandert.

Erstmals wird nun in einer Ausstellung in Frankfurt Bilanz gezogen. Das Jüdische Museum beschreibt unter dem Titel „Ausgerechnet Deutschland!“ den Weg der Einwanderer und die Folgen für die jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik. „60 Jahre nach dem Holocaust ist jüdisches Leben in Deutschland wieder möglich“, sagte zur Eröffnung der Ausstellung der Kurator Dmitrij Belkin. Der Historiker ist selbst 1993 aus der Ukraine gekommen.

Die Ausstellung am Untermainkai ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet; mittwochs von 10 bis 20 Uhr; Eintritt für Erwachsene vier Euro, ermäßigt zwei Euro.

Es waren die Repräsentanten der DDR, die sich nach der Wende plötzlich mit rund 2000 jüdischen Neuankömmlingen aus dem Osten konfrontiert sahen. Die letzten Regierungen des zerfallenden Staates unter Hans Modrow und Lothar de Maizière bekannten sich aber erstmals zur deutschen Vergangenheit und zur Schuld für die Vernichtung der Juden. Die Juden durften bleiben. Von 1991 an galten die russischen Juden als „Kontingentflüchtlinge“ - darauf einigten sich die Innenminister der Länder in Absprache mit dem Zentralrat der Juden.

80 Prozent ihrer Kinder schaffen Abitur

Erste Station für die Einwanderer war dann meist ein eingezäuntes deutsches Übergangswohnheim. „Das war für mich ein Schock“, zitiert die Ausstellung Jana Ostrowskaja. Die russische Jüdin wollte sofort wieder umkehren. Hinzu kamen die Probleme mit der deutschen Sozialbürokratie - vom „gelobten Land“ war nicht viel zu spüren.

© dpaMatroschkas mit typisch jüdischen Merkmalen (von links): ein Rabbiner, ein Jude an Jom Kippur und ein frommer Jude.

Inzwischen gelten die jüdischen Einwanderer aus den GUS-Staaten aber als gelungenes Beispiel für Integration. Rund 80 Prozent ihrer Kinder schaffen das Abitur. Und es gibt zahlreiche berufliche Erfolgsgeschichten. Bekannt wurde der Schriftsteller und Moderator Wladimir Kaminer („Russendisko“), der seit 1990 in Berlin lebt.
Den Schwerpunkt aber widmet die anschauliche Ausstellung, die mit räumlichen Installationen arbeitet, den Folgen der Emigration für die jüdischen Gemeinden in Deutschland. Inzwischen stellen die russischen Einwanderer knapp 80 Prozent der derzeit etwa 120.000 Mitglieder in den jüdischen Gemeinden. Ein beträchtlicher Teil der Einwanderer ist gar nicht eingebunden, weil sie zum Beispiel keine jüdische Mutter haben. Damit gelten sie nach dem jüdischen Religionsgesetz nicht als jüdisch.

Die russischen Juden sind in Deutschland heimisch geworden, wie die Ausstellung dokumentiert, die bis 25. Juli zu sehen ist. Das Bild vom „Kofferjuden“, ständig unterwegs oder auf der Flucht, hat ausgedient. Kurator Belkin glaubt, dass es nach der Vernichtung der Juden in Nazi-Deutschland wieder ein „Judentum zwei“ gibt.

© dpaReisekoffer und ein überdimensionaler russischer Pass - Blick auf eine der Installationen der Ausstellung.

Doch die These vom „neuen deutschen Judentum“ ist auch in den jüdischen Gemeinden nicht unumstritten. Überzeugt von dieser Aussage ist Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden. Es werde ganz anders sein als das große deutsche Judentum von früher, schreibt er im Begleitband. Der aus Frankfurt stammende Unternehmer Graumann, 1950 geboren, gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge der scheidenden Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch. Gerade wegen des Einflusses der russischen Juden steht das Gremium vor einer Zäsur.

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