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Frankfurter Architekt fährt Sportwagen mit Elektromotor

„Lustgewinn mit Vernunft vereinen“

Frankfurt ‐ Bei diesem Namen muss es einfach ein Sportwagen sein, auch wenn Michael Schumacher dieser Anspielung mittlerweile überdrüssig sein dürfte. Wohl auch, weil der Vergleich doppelt hinkt.  Von Jens Dörr

© Dörr

Schicker und umweltfreundlicher Schlitten: Der Tesla Roadster des Architekten Michael Schumacher.

Zum Einen fuhr Schumacher bis Herbst vergangenen Jahres einen Smart. Zum Anderen ist sein Fahrzeug kein Spritfresser wie die Boliden des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters und Namensvetters. Denn das kann man einem Tesla Roadster nun wahrlich nicht vorwerfen. „Die Effizienz spielt die entscheidende Rolle“, sagt derjenige Michael Schumacher, der sein Geld nicht mit Autorennen verdient, sondern als Partner der 80-köpfigen Frankfurter Schneider + Schumacher Architekturgesellschaft mbH.

Der 52-Jährige ist eine Koryphäe in seinem Metier, lehrt an der Uni Hannover etwa die „Ästhetik der Konstruktion“. Sein Team und er haben die Erweiterung des Frankfurter Städels geplant, sind ebenso in die Bebauung des ehemaligen Westhafens involviert. Das Büro entwarf den Westhafen-Tower, der 109 Meter hoch ist und seit 2004 die meisten Dächer „Mainhattans“ überragt. „Der Turm ist – relativ und für ein gläsernes Objekt gesehen - ökologisch sehr sinnvoll“, sagt Schumacher. „Das sollte auch beim Thema Mobilität eine entscheidende Rolle spielen.“

Ökologisch sinnvoll ist das Fahren des Tesla Roadsters in jedem Fall: Der 1 200 Kilogramm schwere Zweisitzer, der auf dem Lotus Elise basiert, beschleunigt in vier Sekunden von Null auf Hundert, erreicht in der Spitze mehr als 200 Stundenkilometer. Im dauerhaften Kontakt mit der Zapfsäule steht der Sportwagen dennoch nicht: Ein Elektromotor im Heck mit 252 PS treibt den US-Flitzer an. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal ein amerikanisches Auto kaufe“, sagt Schumacher. Doch das forsche Vorgehen von Tesla habe er in der deutschen Automobilindustrie bislang vergeblich gesucht.

Tanken an der Steckdose

„Die Kunst ist es, die Akkus bei Laune zu halten“, beschreibt der Architekt die größte Herausforderung beim Antrieb von Elektrofahrzeugen. Ansonsten biete der Tesla Roadster all das Fahrvergnügen und den Komfort, den auch ein Porsche bereithält. Nur das Fahrverhalten unterscheide sich etwas – in positiver Hinsicht: „Man erzielt einen beachtlichen Energiegewinn, wenn man vom Gas geht“, erklärt Schumacher. „Man bremst weniger.“

© DörrBlick in den Innenraum des Tesla Roadster.

Das Auto gleite regelrecht durch die Straße, verursache dabei wenig Geräusch. „Doch das Argument, Elektroautos seien zu leise und daher gefährlich für den Straßenverkehr, ist irrelevant“, meint der 52-Jährige. „Man muss sich einfach mal etwas umstellen und aufmerksam bleiben.“ Er selbst habe noch keine gefährlichen Situationen überstehen müssen. Stattdessen käme es manchmal zu „freundlichen Begegnungen“, in denen Leute Schumacher für seinen Griff zum Elektro-Sportwagen lobten.

Einer von 1 000 Tesla-Exoten weltweit ist der Frankfurter damit, der einen in der Basisausstattung etwa 80 000 Euro teuren Tesla Roadster fährt. „Das Auto vereint das, was ich beruflich auch in der Architektur erreichen möchte: Lustgewinn mit Vernunft vereinen“, skizziert Schumacher, weshalb er seit 2009 zur kleinen Gruppe deutscher Tesla-Fahrer gehört. Denn rein wirtschaftlich betrachtet hätte es bei anderen Wagen ein besseres Preis-Leistungsverhältnis gegeben. Dafür tankt Schumacher jetzt an der Steckdose.

Fernziel: Flächendeckendes Netz mit Ladesäulen

Potenzial für ein Neugeschäft haben dementsprechend auch die Energieversorger gewittert. RWE bietet in Frankfurt bereits 36 Ladepunkte an. Mainova hat angekündigt, 2010 zehn Elektrotankstellen in der Stadt zu eröffnen, bis Ende 2011 sollen es 25 sein. Ein flächendeckendes Netz mit Ladesäulen lautet das Fernziel – in ganz Europa, was erste Projekte beispielsweise von RWE in Polen unterstreichen. Auch die Stadt Frankfurt, die sich Oberbürgermeisterin Petra Roth als „Grüne Kapitale“ wünscht, mischt zusammen mit Mainova mit: Im Parkhaus Börse kann man schon heute Strom aus städtischer Hand tanken.

© DörrEine Woche lang testete die Dieburger Firma Elektro Kolb - auf dem Foto Chef Hans-Friedrich Busch (links) mit Bürgermeister Werner Thomas - im Frühjahr 2009 das Elektrofahrzeug im betrieblichen Alltag.

Das dauert unterdessen noch deutlicher länger als das Füttern der Verbrennungsmotoren an der Zapfsäule: Drei bis acht Stunden sind für eine Akku-Beladung – je nach Autotyp und Art der Steckdose - einzukalkulieren. Greift Michael Schumacher bei seinem Tesla Roadster auf eine Kraftstrom-Steckdose zurück, dauert einmal Vollladen dreieinhalb Stunden. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von 350 Kilometern. 250 ist Schumacher schon gefahren, „da war der Akku aber noch nicht zu Ende“.
Für die allermeisten Strecken genüge die Reichweite also vollauf. Nur wenige Euro Stromkosten bedeutet eine Ladung des Akkus. Natürlich müsse auch der Strom erzeugt werden – kalkuliere man aber die bei der Gewinnung dafür notwendigen Energieträger, ergebe sich umgerechnet ein Spritverbrauch von gerade zwei Litern auf hundert Kilometern, sagt Schumacher.

„Elektromobilität muss raus aus der Nische“

Forciert werden die immer noch in der Nische wartenden Elektrofahrzeuge auch von der Bundesregierung. Seit 2009 bildete Frankfurt gemeinsam mit Offenbach, Wiesbaden und Kassel eine von bundesweit acht „Modellregionen Elektromobilität“. 115 Millionen Euro stellt das Verkehrsministerium bereit, damit Fahrzeuge umgerüstet und die zugehörige Infrastruktur geschaffen werden können. Die Elektromobilität soll flächendeckend Einzug in den Verkehrsalltag halten. „Erfahrung sammeln“, möchte Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski mit dem Projekt. „Elektromobilität muss raus aus der Nische und rein in den Massenmarkt“, formuliert es Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

© DörrAn die Steckdose. Ladevorgang beim Tesla.

Schon im Frühjahr des vergangenen Jahres testeten hessische Städte und Gemeinden Elektromobile auf ihre Alltagstauglichkeit. Die Stadt Dieburg lieh einen Citroen Berlingo Electrique an Unternehmen vor Ort aus. „Sehr leise und daher gewöhnungsbedürftig“, urteilte etwa Hans-Friedrich Busch von der Firma Elektro Kolb. Gut seien die möglichen 500 Kilogramm Zuladegewicht. Bis auf Weiteres wird also getestet. Und die Elektromobilität forciert, hat man mittlerweile den Eindruck. Obwohl das Thema ganz und gar nicht neu ist, wie ein Blick in Kurt Mösers Buch „Geschichte des Autos“ verrät: Im Jahr 1901 fuhren in New York zu 50 Prozent Elektroautos. Für Tesla-Fahrer Michael Schumacher ist die Sache ohnehin klar: „Die Zukunft ist aus meiner Sicht bereits entschieden – zugunsten des Elektromotors.“

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