Rödermark - Es ist ihm egal. Es interessiert sich nicht dafür. Das Pferd rührt sich nicht vom Fleck. Gutes Zureden nützt da nichts, ebenso wenig, wie dem sturen Gaul sanft auf den Hintern zu tätscheln. „Jetzt müssen Sie energischer werden, zeigen, wer der Chef ist“, ruft mir Armin Probst zu. Energischer? Von Jens Dörr

© Dörr
Georg Schwarz beim Training. Er hat die Wirkung der ungeschminkten Reaktion eines Pferdes auf sein Auftreten vor einem Jahr am eigenen Leib erfahren: Nur wer mit Leib und Seele bei der Sache ist, kann Vierbeiner und Menschen beeinflussen, bewegen und motivieren.
Und ich soll der Chef von diesem mächtigen Tier hier sein, das viele hundert Kilo mehr wiegt als ich?
Noch einmal die Rückblende eine Stunde in die Vergangenheit: Auch Jürgen Brückner, Steuerberater und Wirtschaftsmediator, der in seinem Hanauer Büro ein Dutzend Mitarbeiter führt, ist an diesem sonnigen Vormittag in den Rödermärker Stadtteil Messenhausen und dort auf den Hof Akita gekommen. Der 49-Jährige erklärt, dass das Seminar für ihn die Premiere darstellt: „Ich bin mal gespannt, was heute auf mich zukommt.“ 45 Minuten später sieht er vier Pferde um sich herumlaufen. Die imposanten Tiere lassen sich von ihm in aller Seelenruhe Ringe über den Hals streifen. Vertrautheit im Eiltempo aufgebaut.
Soll heißen: Wenn ich authentisch bin, also wirklich zu dem stehe, was ich möchte oder verlange, dann spürt mein Gegenüber das unmittelbar. Dazu müsse man nicht reden. Genau das sei das Tolle, sagt jetzt auch wieder Consultant Schwarz, dass man die Rückmeldung von den Tieren unmittelbar bekomme, sofort erfahre, wenn man zum Beispiel geistesabwesend sei. Und Probst fügt hinzu: „Die Tiere können Sie nicht anlügen, zudem sind sie unbestechlich. Die merken immer, wenn Sie nicht bei der Sache sind oder Ihr äußeres Auftreten nicht mit dem inneren Willen zusammenpasst.“ Das Spannende sei jetzt: „Die Erkenntnisse sind auf den Menschen übertragbar.“
Genau das macht sich Probst bei seinen Pferde-Seminaren zunutze. Insbesondere Führungskräfte möchte er ansprechen, sich bei ihm auszuprobieren. Mit den Seminaren hat sich der 44-Jährige aus dem Münsterer Ortsteil Altheim im vergangenen Jahr selbstständig gemacht, bietet unter dem Unternehmensnamen „interHRim“ aber auch Personalmanagement für Übergangszeiten oder eine externe Personalabteilung für kleine und mittlere Betriebe an. Probst kommt vom Fach, war lange Zeit Personaldirektor bei einem bekannten Konzern. „Dort habe ich sehr gut verdient, hatte aber irgendwann die Nase voll vom dortigen Stil“, sagt Probst. Die Kultur im Unternehmen habe gegen seine Wertvorstellungen verstoßen, es sei viel aufgesetztes statt authentisches Verhalten und selten langfristiges Handeln zu finden gewesen.
Das ist auch etwas, das den Teilnehmern seiner Seminare bewusst werden soll. „Die Pferde halten einem das Spiegelbild vor, wie man wirklich ist“, sagt Probst. „Erkennen muss man es dann alleine, wir geben da nur Hilfestellungen.“ Unterstützt wird Probst, der Trainings über einen oder mehrere Tage anbietet, unter anderem von Uschi Weidenbusch-Baist, die für die praktische Arbeit mit den Pferden zuständig ist. Sie hilft Probst, damit Leute, die manchmal mit Angst in die Seminare hinein gehen, stets ohne Angst herauskommen. Beide haben sich dieselbe Zertifizierung ihrer Seminare erarbeitet.
Ein Clou für die Manager-Seminare ist überdies das Konzept „Falconarius“, mit dem Probst kooperiert: Wenn gewünscht, kommen bei den Trainings auch Greifvögel zum Einsatz, die dann Marion Witte mitbringt, mit der er zusammenarbeitet. Auch in ihrem Ansatz geht es um das „Führen und Managen, um Unternehmensethik und Charisma“. Vor allem aber um die Frage, wie man ein Wesen dazu bringt, etwas zu tun, was gegen seine Natur geht, und anschließend die Parallelen zum Führen im Firmen-Alltag aufzuzeigen.
Ach ja, „mein“ Pferd rennt unterdessen nach wie vor um mich herum. Super, freue ich mich, das ist jetzt ein echter „Selbstläufer“. Langsam schweifen meine Gedanken wieder ab. Es geht um anstehende Hausarbeit. „Ein Salat als Beilage zum heutigen Abendessen wäre nicht schlecht“, denke ich.
In diesem Moment bleibt das Pferd stehen.
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