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Julia Meerheim von der Sozialstation der Caritas betreut Patienten auch an Weihnachten

Christkind mit roter Mütze

Rödermark - „Voriges Jahr um diese Zeit hat er noch jeden Zentimeter Schnee weggeschippt“, denkt die Frau aus dem Ober-Röder Komponistenviertel traurig an die weiße Weihnacht 2010. Von Michael Löw

© Löw

Nicht nur der Weihnachtsmann hat eine rote Mütze: Die Zeit ist knapp für Caritas-Schwester Julia Meerheim, doch gerade in diesen Tagen lässt sie lieber die Mütze auf und die Jacke an und kümmert sich noch ein bisschen intensiver um ihre Patienten. Ein paar freundliche Worte sind oft die beste Medizin.

Jetzt liegt ihr Mann hilflos im Krankenbett und blickt auf den Bürgersteig, den er einst akkurat gekehrt hat. Ob er ihn sieht? Das weiß keiner, ein Schlaganfall hat ihn fast all seiner Ausdrucksmöglichkeiten beraubt.

Für Krankenschwester Julia Meerheim von der Caritas-Sozialstation, ist der 83-Jährige einer von zehn Patienten, nach denen sie auch gestern, am zweiten Weihnachtsfeiertag, sah. Ein entspannter Dienst sei"s gewesen, meint Julia Meerheim, nachdem sie am Mittag ihren Pflege-Smart abgestellt hat. Es mag kitschig klingen, doch so etwas wie den Geist von Weihnachten hat sie dieser Tage in etlichen Krankenzimmern gespürt: „Viele meiner Patienten haben sich auf den Besuch der Familie oder ein gemeinsames Essen gefreut.“

Die Dokumentation ist ebenso wichtig wie aufwändig. Doch der lückenlose Nachweis aller Pflegetätigkeit nutzt den Kranken und ihren Familien und den Schwestern der Sozialstation.

Andere fallen gerade an Weihnachten in depressive Stimmung. Wenn man allein zuhause ist, kriecht die Zeit nur so dahin. Viele Kranke haben keine Angehörigen in der Gegend oder werden von ihnen links liegen gelassen. Auch das erfährt Julia Meerheim ein paar Mal bei jeder Tour. Diesen Menschen schenkt sie dann ein wenig mehr ihrer knappen Zeit, die sie zwischen Waschen, Medikamenten verabreichen und Pflegedokumentation irgendwo abknappst. Notfalls behält die 24-Jährige auch in überheizten Senioren-Wohnzimmern Mütze und Jacke an, wenn für die Patienten ein paar Momente Zuneigung mehr herausspringen.

„Schwester Julia macht das super“, lobt die Frau des Ober-Röder Schlaganfallpatienten. Das Lob gibt Julia Meerheim aber auch umgehend an die Familie zurück. Denn außer der Frau stehen bei jedem ihrer Besuche auch die Tochter und eine Enkelin am Krankenbett und packen mit an.

Zwischen 155 und 175 Patienten betreut die Caritas-Sozialstation in Rödermark, erläutert Leiterin Beate Winnige. An Weihnachten reduziert sich ihre Zahl um knapp 30 Prozent - leichtere Fälle, die keine große medizinische Versorgung brauchen. Aber den viel größeren Rest haben Julia Meerheim und sieben Kolleginnen auch über die Feiertage besucht. Beate Winnige: „Wir können nicht einfach weglaufen und ein langes Wochenende machen!“

Manchmal kann sie den Schwestern auch einen oder mehrere so genannter Zeitgutscheine mit auf den Weg geben. Die werden aus Spenden der Rödermärker Kirchengemeinden oder Geburtstagskindern, die auf Geschenke verzichten, bezahlt und gelten jeweils 15 Minuten. Die Caritas-Schwestern sind für viele Patienten längst zur wichtigsten Vertrauensperson geworden, die dann auch mal mit zum Schuhekaufen fahren kann.

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