Rödermark - „Voriges Jahr um diese Zeit hat er noch jeden Zentimeter Schnee weggeschippt“, denkt die Frau aus dem Ober-Röder Komponistenviertel traurig an die weiße Weihnacht 2010. Von Michael Löw

© Löw
Nicht nur der Weihnachtsmann hat eine rote Mütze: Die Zeit ist knapp für Caritas-Schwester Julia Meerheim, doch gerade in diesen Tagen lässt sie lieber die Mütze auf und die Jacke an und kümmert sich noch ein bisschen intensiver um ihre Patienten. Ein paar freundliche Worte sind oft die beste Medizin.
Jetzt liegt ihr Mann hilflos im Krankenbett und blickt auf den Bürgersteig, den er einst akkurat gekehrt hat. Ob er ihn sieht? Das weiß keiner, ein Schlaganfall hat ihn fast all seiner Ausdrucksmöglichkeiten beraubt.
Für Krankenschwester Julia Meerheim von der Caritas-Sozialstation, ist der 83-Jährige einer von zehn Patienten, nach denen sie auch gestern, am zweiten Weihnachtsfeiertag, sah. Ein entspannter Dienst sei"s gewesen, meint Julia Meerheim, nachdem sie am Mittag ihren Pflege-Smart abgestellt hat. Es mag kitschig klingen, doch so etwas wie den Geist von Weihnachten hat sie dieser Tage in etlichen Krankenzimmern gespürt: „Viele meiner Patienten haben sich auf den Besuch der Familie oder ein gemeinsames Essen gefreut.“
Zwischen 155 und 175 Patienten betreut die Caritas-Sozialstation in Rödermark, erläutert Leiterin Beate Winnige. An Weihnachten reduziert sich ihre Zahl um knapp 30 Prozent - leichtere Fälle, die keine große medizinische Versorgung brauchen. Aber den viel größeren Rest haben Julia Meerheim und sieben Kolleginnen auch über die Feiertage besucht. Beate Winnige: „Wir können nicht einfach weglaufen und ein langes Wochenende machen!“
Manchmal kann sie den Schwestern auch einen oder mehrere so genannter Zeitgutscheine mit auf den Weg geben. Die werden aus Spenden der Rödermärker Kirchengemeinden oder Geburtstagskindern, die auf Geschenke verzichten, bezahlt und gelten jeweils 15 Minuten. Die Caritas-Schwestern sind für viele Patienten längst zur wichtigsten Vertrauensperson geworden, die dann auch mal mit zum Schuhekaufen fahren kann.
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