Ober-Roden ‐ Wenn die Schmerzen unerträglich werden und der Atem in der Lunge brennt. Wenn sich die transpirierende Haut krebsrot verfärbt und der Kopf nur noch Leere trägt. Dann stehen die Beine von ganz alleine auf und wollen nur noch raus. Von Astrid Spina

© Spina
Nur noch raus aus dem Höllenfeuer! Irgendwann setzen sich die Beine von ganz alleine in Bewegung.
Raus aus dem glühenden Inferno ins eiskalte Wasser. Und wenn der Kopf dann realisiert, dass er bis als Letzter von allen Mitstreitern ausharren konnte, dann wird der ganze Körper von diesem gewissen „Kick“ überflutet, den auch ein Marathonläufer auf der Zielgeraden verspürt, ein „Ich habe es geschafft!“ Den ersten „Sauna World Cup“ trugen die „Saunaritter“ am Freitag und Samstag in ihrer Festung, der „Saunaburg“ in der Kapellenstraße, aus. 28 Teilnehmer aus Finnland, Belgien, Polen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen kämpften in mehreren Runden darum, wer der bestialischen Hitze in der Sauna-„Folterkammer“ am besten trotzen konnte.
Ein überdimensionierter Saunaofen mit 30 Kilowatt feuerte die Temperaturen in der Kabine auf 120 Grad hoch, also etwa 40 Grad mehr als beim „normalen“ Saunagang. Noch höllischer wirkte die Hitze nach den gefürchteten Aufgüssen von Profi-Aufgießer „Henker“ Michael Fath. Er vollstreckte Aufgüsse mit Namen „Pendel des Todes“, „Master of Peace“ oder „Gießkannenaufguss“.
Sämtlichen Hitzebezwingern stand die Anstrengung ins Gesicht und auf ihre kochtopfgleich dampfenden, gegarten Körper geschrieben. Manche hatten leichte Verbrennungen an den Ohren, der Nase oder Hautirritationen an Rücken, Schultern oder Oberarmen. „Das ist weniger schlimm als ein Sonnenbrand“, taten dies die einen ab, „das tut höllisch weh“, meinte eine andere Teilnehmerin.
Wer bei diesem Wettkampf mitmachte, war in jedem Fall ein ganz Hartgesottener, auf keinen Fall ein „normaler“ Saunagänger. „Hier sind nur erfahrene Leute dabei“, bestätigte der Vorsitzende der Saunaritter, Bernhard Strohmeier. Passiert sei bei solchen Wettkämpfen noch nie etwas. „Der Körper besitzt einen Fluchtreflex. Da kann der Ehrgeiz noch so groß sein. Irgendwann ist Schluss.“ Irgendwann laufen die Beine von alleine raus.
Es ist eben alles eine Frage der Vorbereitung. Auf die richtige Atmung kommt es bei den heißen Sitzungen an, flach, auf keinen Fall tief, nach den Aufgüssen atmet man am besten erst einmal überhaupt nicht. Dann ist einfach nur Abschalten angesagt, locker bleiben, um die Begegnung mit der Hitze einigermaßen ertragen zu können. So beschreibt es Silvia Pfuhl. Sie ist eine von acht weiblichen Mitstreiterinnen und belegte unter anderem bei den Weltmeisterschaften im letzten Jahr in Heinola (Finnland) den dritten Platz.
Doch allem sportlichen Ehrgeiz und Wettkampfcharakter zum Trotz: Was an den beiden Tagen überaus deutlich spürbar war, war ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, war der Spaß und die Genugtuung, diese Strapazen gemeinsam zu meistern. Hitze schweißt zusammen.
Im August findet übrigens die Sauna-Weltmeisterschaft im Ursprungsland Finnland statt, im Juni die Deutschen Meisterschaften in Stralsund. Die Saunaritter sind natürlich mit von der Partie.
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