Einhardschüler diskutierten mit Bundestagskandidaten

Konkret oft nur auf Nachfrage

212.09.0912.09.09|SeligenstadtFacebook
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Seligenstadt - (th) Schule macht Politik: Zu einer Podiumsdiskussion hatte der 13. Jahrgang der Einhardschule die Bewerber um das Direktmandat des hiesigen Wahlkreises eingeladen.

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90 Minuten lang stellten sich Politiker den Fragen der Einharschüler.

Patricia Lips (CDU), Detlev Blitz (SPD), Dr. Thomas Rehahn (Grüne), Sabine Leidig (Linke) und Daniell Bastian (stellvertretend für den FDP-Kandidaten) waren erschienen und stellten sich den rund 150 Erstwählern.

Die Idee zur Diskussion, die im Stile einer Fernseh-Talkrunde aufgezogen war, kam von der Schülervertretung der Einhardschule und der Fachschaft Politik und Wirtschaft. Ammar Bustami von der Schülervertretung: „Das ist ein Projekt zur Förderung der politischen Bildung, und wir hoffen, dass es bei Erfolg auch so weitergeführt wird.“

Es wurde ein Erfolg. Dafür sorgten auch Jan Bohlen und Janika Kemmerer, die die Moderation der Veranstaltung übernommen hatten. Die beiden Schüler unterbrachen die Polit-Profis, wenn die Statements zu lange dauerten, hakten nach, wenn es statt konkreter Aussagen nur windelweiche Formulierungen zu hören gab – sehr zur Freude der 150 Zuhörer, die reichlich Szenenapplaus gaben.

Die verschiedenen Politik-Ansätze der Parteienvertreter wurden bereits in den fünfminütigen Eingangsstatements zum gewählten Thema „Wirtschaft und Soziales“ deutlich. Während sich FDP-Mann Bastian weniger Staat und mehr Eigeneinsatz wünscht und klar für Steuersenkung steht, plädierte die Linke Sabine Leidig für einen höheren Spitzensteuersatz für große Einkommen sowie die Besteuerung von Kapitalerträgen. Bekanntes auch von CDU und SPD: Die Bundestagsabgeordnete Patricia Lips plädierte gegen den flächendeckenden Mindestlohn und lobte die Erfolge der großen Koalition; ihr Gegenkandidat von den Sozialdemokraten, Detlev Blitz, sprach sich unter anderem für eine sinnvolle Kontrolle des Marktes aus und forderte, die Verantwortlichen der Finanzkrise zu benennen. Dr. Thomas Rehahn (Grüne) setzte einen Schwerpunkt auf den ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft und forderte Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit.

Viele Fragen, die nach Antworten verlangen

Welche Themen den Schülern, alle zwischen 17 und 20 Jahre alt, unter den Nägeln brennen, wurde bei einer Fragerunde deutlich. Wie sollen bei einem Rekordschulden-Haushalt der Bundesrepublik soziale Ziele finanziert werden? Soll die junge Generation bis an ihr Lebensende arbeiten, um Renten zu finanzieren und Schulden abzubauen? Wie halten es die Politiker der verschiedenen Parteien mit dem Mindestlohn? Wie sollen Arbeitsplätze geschaffen werden? Auch das Thema Schule spielte eine Rolle.

So ging es beispielsweise um den Ausbau von Förderstufen. Die Antworten der Politiker offenbarten indes nicht viel Neues zu diesen Themen, konkrete Aussagen kamen zumeist nur nach hartnäckigem nachfragen der beiden Schul-Moderatoren zustande.

Keine Sensation auch bei der abschließenden Frage, welche Koalition nach der Wahl gewünscht werde. Dass die CDU schwarz-gelb favorisiert ist ebenso bekannt wie der Wunsch nach rot-grün mit der Option die Liberalen ins Boot zu holen bei der SPD. Die FDP steht klar auf Kurs mit der CDU, die Linken sehen eine Perspektive für rot-rot-grün.

Nach knapp eineinhalb Stunden verabschiedete höflicher Applaus die Bundestagskandidaten, die sich sichtlich wohl gefühlt hatten. Erkenntnis der meisten Schüler dürfte wohl gewesen sein, dass Politik Mitarbeit und Engagement verlangt. Und: Eine konkrete Frage bedeutet noch lange nicht eine konkrete Antwort. Gewinner der Veranstaltung war die politische Kultur, die Diskussion braucht.

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