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Saxophonfestival: Inspirierende Workshops, ausverkaufte Konzerte und Orchestrales auf dem Marktplatz

„Unfassbar dynamischer Bogen“

Seligenstadt - (mho) Saxophonklänge aller Stil- und Leistungsebenen ertönten vier Tage lang bei bestem Wetter rund um den Seligenstädter Freihofplatz.

© Hampe

Nach dem Abschlusskonzert der Workshopteilnehmer im Rathaussaal beendeten rund 70 Teilnehmer und Dozenten das Festival musikalisch auf dem Marktplatz.

Zum 40-jährigen Bestehen der Musikschule verwandelten mehr als 60 Workshopteilnehmer aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Ausland, elf Dozenten aus Deutschland, Amerika und Kanada sowie Saxophonaussteller die Einhardstadt zu einem Mekka für Musikfans.

Die zahlreichen Dozenten und ihre stilistischen Fachgebiete (Klassik, Jazz, Rock/Pop und Weltmusik) sowie die parallel stattfindenden Workshops mit ambitionierten Amateuren und den Teilnehmern der Meisterklassen ließen beim 1. Seligenstädter Saxophonfestival „ein derart inspirierendes und von Abwechslung geprägtes Kursklima aufkommen, dass sich selbst die erfahrenen Musiker und Aussteller zu wahren Begeisterungsstürmen über die Besonderheit dieses Festivals hinreißen ließen“, freute sich Stefan Weilmünster von der Musikschule. Dazu trugen natürlich auch das außergewöhnliche Ambiente der Einhardstadt und das des historischen Musikschulgebäudes bei.

300 Jahre Musikgeschichte

Im Kreuzgang der Klosteranlage eröffnete das Vierfarben-Saxophonquartett mit Festivalorganisator Stefan Weilmünster am Sopransaxophon mit für diese Besetzung ungewöhnlichen Klängen das Festival. Mit erheiternden Moderationen über Werke und die Geschichte des Saxophons spannten die vier Musiker einen musikalischen Bogen über 300 Jahre Musikgeschichte. So erklang die Kleine Nachtmusik von Mozart in ungewöhnlicher Klangfülle. Gefolgt vom impressionistischen Adagio und Scherzo von Eugene Bozza spielte sich das Quartett mit Werken des Briten Paule Reade und des Spaniers Pedro Iturralde ins 20. Jahrhundert hinein, bis sie mit Auszügen aus „Ein Amerikaner in Paris“ von George Gershwin und einer durch sämtliche Tonarten modulierenden Version des Jazzstandards „Oh When The Saints“ bei der Stilistik ankamen, die man allgemein mit dem Saxophon verbindet.

Die zweite Konzerthälfte bestritten die aus Köln stammenden Tetraphonics. Dieses ausschließlich auf historischen Instrumenten spielen Quartett bestach gleich mit den ersten von Johann Sebastian Bach stammenden Bearbeitungen durch seinen ausgewogenen, fast streicherartigen Klang. Nach dem eher unbekannten Quartett von Glaser schwenkte auch dieses Ensemble stilistisch hin zum Jazz. Als Besonderheit riss das aus beiden Ensembles zusammengelegte Oktett mit einer Vivaldi-Bearbeitung das Publikum zu Ovationen hin.

Am zweiten Abend gelang es den beiden Jazzvertretern des Festivals, dem Jazzpreisträger Peter Materna und dem Reiner-Witzel-Trio, den Jakobsaal mit Jazzclub-Atmosphäre zu füllen. Materna gelang es gänzlich unverstärkt einen schier unfassbaren dynamischen Bogen zu spannen. Nahezu übergangslos drängten seine Eigenkompositionen vom fast unhörbaren Pianissimo bis in ein groovebetontes Fortissimo am Ende des ersten Sets, was dem Publikum den Atem stocken ließ. Mit einer obertonreicheren Klanglichkeit und der Besonderheit des Jazztrios ohne Harmonieinstrument gelang es Witzel mit virtuos vorgetragenen Kompositionen wie etwa dem Blues for Belfast die musikalische Energie der ersten Hälfte weiterzuführen.

Samstagabend im Zeichen der Klassik

Am Samstagabend stand klassische Kammermusik auf dem Programm. Der Ulmer Saxophonist Simon Hanrath und sein Kollege Roman Rofalski nahmen sich der Herausforderung an, Transkriptionen klassischer Streicher- und Hornliteratur auf das in der Klassik eher unübliche Tenorsaxophon zu übertragen. Konzerthöhepunkt war das Solostück des australischen Komponisten Barry Cockroft Beat Me, bei dem Hanrath mehrere Minuten ohne Zwischenatmung zirkulierend sein Saxophon zeitweise wie ein Didgeridoo erklingen ließ.

Auch das Abschlusskonzert war, wie die Konzerte davor, restlos ausverkauft. In der ersten Hälfte zeigten die Studenten, was sie erarbeitet hatten. Die zweite Hälfte gehörte den Amateuren mit ihren Ensembles, bevor alle Teilnehmer und Dozenten mit einem 70 Mann starken Orchester auf dem Marktplatz das Festival beendeten. Viele Besucher und Teilnehmer sprachen sich für eine Wiederholung in einem der kommenden Jahre aus.

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