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Tödlicher Unfall bei Schnuppertauchkurs auf Fehmarn: Prozessauftakt am Jugendschöffengericht Oldenburg

Tauchunglück auf Fehmarn: Prozessauftakt

Fehmarn/Oldenburg - Ihr Schnuppertauchkurs auf Fehmarn endete für zwei Kinder (10 und 16) tödlich. Jetzt müssen sich der Inhaber der Tauchschule und sein 21-jähriger Sohn am Jugendschöffengericht Oldenburg verantworten.

Der Vorsitzende Richter Thore Böttger eröffnet vor dem Jugendschöffengericht Oldenburg den Prozess um einen Tauchunfall, bei dem im Juli 2010 zwei Kinder aus Hessen starben. Vorne stehen die Angeklagten Christian H. (r) und Dennis H. (3.v.r.) neben ihren Verteidigern.

© dpa

Der Vorsitzende Richter Thore Böttger eröffnet vor dem Jugendschöffengericht Oldenburg den Prozess um einen Tauchunfall, bei dem im Juli 2010 zwei Kinder aus Hessen starben. Vorne stehen die Angeklagten Christian H. (r) und Dennis H. (3.v.r.) neben ihren Verteidigern.

Es sollte ein fröhlicher Abschluss der Ferien werden. Doch für zwei Kinder aus Hessen endete der Schnuppertauchkurs auf der Ostseeinsel Fehmarn wegen Fahrlässigkeit der Tauchschule tödlich. Ein zehnjähriger Junge aus Guxhagen und ein 16-jähriges Mädchen aus Marburg ertranken. Der Inhaber der Tauchschule und sein 21-jähriger Sohn, der den Kurs trotz fehlender Qualifikation leitete, stehen seit Dienstag als Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht in Oldenburg (Kreis Ostholstein).

Er übernehme die moralische und die strafrechtliche Verantwortung für das Geschehen, ließ der Inhaber der Tauchschule “Calypso“ durch seinen Verteidiger erklären. Am 16. Juli 2010 hatte der 46-Jährige seinen Sohn beauftragt, den Schnupperkurs zu übernehmen, der an den beiden vorangegangenen Tagen wegen schlechter Sicht unter Wasser abgesagt worden war. “Die angemeldeten Kursteilnehmer haben gedrängt, die Ferien gingen zu Ende“, sagte der Besitzer der inzwischen geschlossenen Schule. Weil er selbst an dem Tag keine Zeit gehabt habe, habe er seinen Sohn gebeten, den Kurs zu übernehmen.

“Meine Tochter hatte sich so auf den Kurs gefreut, er sollte eine Belohnung für gute Schulleistungen sein“, sagte die Mutter der 16-Jährigen. “Sie war so stolz, wie sie da in ihrem Tauchanzug stand“, erinnerte sich die 46-Jährige unter Tränen. Sie hatte ihre Tochter noch zum Strand begleitet. Als sie das Mädchen das nächste Mal sah, lag es leblos am Strand, von Helfern aus dem Wasser gezogen, nachdem sie den Kontakt zur Tauchgruppe verloren hatte und vermutlich in Panik geraten war. Sie wurde zunächst wiederbelebt, starb aber nach elf Tagen im Krankenhaus. Der Zehnjährige dagegen wurde erst nach mehr als zwanzig Minuten aus dem Wasser geborgen. “Für mich ist nichts mehr wie es mal war“, sagte seine Mutter im Zeugenstand.

Der junge Tauchlehrer hatte zunächst gar nicht bemerkt, dass auch der Junge den Kontakt zur Gruppe verloren hatte. “Als ich bemerkte, dass das Mädchen nicht da war, geriet ich in Panik“, sagte er am Dienstag. Die viel zu große Gruppe ist nur eines der Versäumnisse, die die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vorwirft. Darüber hinaus hätte der Sohn des Schulinhabers aufgrund seiner Qualifikation gar keinen Tauchkurs leiten dürfen.

Außerdem trugen die beiden Kinder nach Aussage eines Sachverständigen im Verhältnis zum Auftrieb ihrer Tarierwesten zu viel Bleigewicht am Körper. “Dadurch dauerte das Auftauchen sehr lange, wodurch die Anfänger möglicherweise in Panik gerieten“, sagte der Physiker, der nach eigenen Angaben selbst mehr als 40 Jahre Taucherfahrung hat.

Den beiden Angeklagten ging die Sache erkennbar nahe. “Es fällt mit schwer, mit der Verantwortung zu leben“, sagte der ältere der beide Männer. Sein Sohn sagte: “Nach dem tragischen Vorfall habe ich das Tauchen aufgegeben.“ Auf eine formelle Entschuldigung oder Worte des Mitgefühls warteten die als Nebenkläger auftretenden Eltern der Opfer allerdings vergeblich. “Ich würde mich gerne entschuldigen, aber ich habe auch Angst davor“, sagte er mit gesenktem Blick. Der Prozess wird fortgesetzt.

dpa

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