22 landeten in Schrottpresse

1001 Autowracks auf Offenbachs Straßen gemeldet

+
Blockiert zum Leidwesen der Anwohner einen Parkplatz: Lange nicht bewegt, etwas zugewuchert und dreckig, aber offenbar angemeldet, da mit bulgarischem Kennzeichen versehen.

Offenbach - Autowracks am Straßenrand. Ein Dauerärgernis. Auch in Offenbach. Das stört gerade Anlieger, da solche Fahrzeuge rare Parkflächen blockieren. „Die müssen sofort weg“, lautet die Forderung. Schwierig wird’s für die Behörden, wenn die Schrottautos aber noch mit ausländischen Kennzeichen ausgestattet sind. Von Martin Kuhn 

Die Anruferin ist empört, berichtet aus dem Starkenburgring. Dort, im Süden der Stadt mit verdichteter Wohnbebauung der 1920er Jahre und Sana-Klinikum, ist Parkraum ohnehin knapp. „Seit Wochen blockiert ein Wagen einen Parkplatz. Und der wird sicher nicht mehr bewegt, die Reifen sind platt“, weiß sie. Der schwarze Wagen macht zwar einen schmuddeligen Eindruck und die Vegetation drumherum nimmt sich seiner an, aber fahrtüchtig ist er offensichtlich noch. Ausreichend Luft ist jedenfalls in allen vier Pneus. Und: Das Auto ist mit einem Kennzeichen versehen – in diesem Fall Bulgarien. „Das ist zwar ärgerlich; da gibt’s jedoch keine rechtliche Handhabe“, so Frank Weber. Der stellvertretende Ordnungsamtsleiter betont: „In diesem Fall müssen wir davon ausgehen, dass der Wagen vermutlich zugelassen ist.“ Der dürfe zunächst überall stehen, „solange von ihm keine konkrete Gefahr ausgeht“. Die Halterfeststellung ist dann ohnehin ein besonderes Problem. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Behörden besonders nachsichtig in solchen Fällen sind. Im Gegenteil.

Allein im vergangenen Jahr wurden beim Ordnungsamt 1001 Schrottfahrzeuge gemeldet, allerdings nur 726 gefunden. Nach entsprechender Markierung (oranger Zettel) und Beseitigungsaufforderung wurden die meisten entfernt. 37 kamen an den Haken, 22 davon wurden verschrottet. Erfreulich für den klammen Stadtsäckel: Die Kosten in Höhe von 3 143 Euro konnten die Mitarbeiter durch Einnahmen, das sind insbesondere Kostenbescheide an die Halter und Verwertungserlöse, ausgleichen. „Im Hinblick auf die oft schwierigen Halterermittlungen ist das nicht selbstverständlich“, weiß Weber. Als sogenannte Autowracks werden aber nicht allein die Fahrzeuge erfasst, die augenscheinlich auf öffentlichen Straßen entsorgt wurden, sondern alle Fahrzeuge, „die ohne gültiges amtliches Kennzeichen im öffentlichen Raum abgestellt wurden“, heißt es so schön. Häufig handelt es sich hierbei um fahrtüchtige Fahrzeuge älteren Baujahres, die lediglich in Offenbach zwischengelagert und dann durch Händler ins Ausland verfrachtet werden. Um diesem Treiben entgegen zu wirken, wurde bereits Anfang 2007 das Verfahren bei der Autowrackbeseitigung geändert.

„Jedes Fahrzeug ohne amtliches Kennzeichen wird nach vier Tagen geöffnet und nach Halterabfrage ein Ordnungswidrigkeitenverfahren nach dem Hessischen Straßengesetz gegen diesen eingeleitet“, erklärt der stellvertretende Amtsleiter. Bei einer Standzeit von vier Wochen oder länger wird gegen den Halter ein Ordnungswidrigkeitenverfahren nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz eingeleitet, was in der Regel zu einem Bußgeld führt. Die meisten Eigentümer entfernen ihre Fahrzeuge innerhalb von vier Tagen, ohne dass weitere Maßnahmen erforderlich waren. Die Spannbreite bei den Bußgeldern beginnt bei 300 Euro – und reicht schon mal bis 3000 Euro. Verhängt wurden im vergangenen Jahr 51 Bußgelder gegen die Verursacher. Das summierte sich am Ende auf 9 991,50 Euro. Das alles schreckt freilich Leute nicht ab. Durch das „strengere“ Verfahren haben sich die Fallzahlen von Autowracks nicht merklich verringert. Zählte das Offenbacher Ordnungsamt 2007 um die 1 300 Autowracks, sind es jetzt immer noch mehr als 1000 – und das Jahr für Jahr.

Kommentare