Ausverkauft, vier Bands, super Stimmung

50 Jahre Stadthalle: Grandioses Geburtstagsfest

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Offenbach - Das Geburtstagskind war ausverkauft. Wer am Samstagabend mitfeierte, dürfte das Eintrittsgeld kaum bereut haben: Vier Bands ließen es gut fünf Stunden lang anständig krachen – besser hätte der Stadthalle und der ebenfalls 50 Jahre alten Veranstaltungsreihe „Beat, Beat, Beat“ kaum gratuliert werden können. Von Thomas Kirstein 

The Manfreds setzten mit modern interpretierten Klassikern das musikalische Glanzlicht des Abends – mit viel Swing und Blues und einem fantastischen Sänger Paul Jones, der zudem mit seinen Mundharmonika-Riffs und Soli eindrucksvoll belegte, warum er auf diesem Instrument auch noch mit 74 Jahren zu den Besten gehört.

Im neuen Foyer unterstreicht eine eindrucksvolle Ausstellung, warum der Kulturtempel am Nassen Dreieck seit fünf Jahrzehnten eine zentrale Rolle für die populäre Musik in der Region spielt. Plakate und Texte vermitteln, welche Größen sich dort ihren Fans präsentierten. Was manche dazu benötigten, verdeutlicht eine Stellwand mit originalen Backstage-Anweisungen. „15 Uhr in der Künstlergarderobe: 6 Liter Orangensaft, 2 Kisten Carlsberg Special Brew, 2 Fl. Smirnoff-Wodka, 1 Fl. Southern Comfort, 1 Fl. Jack Daniels, 2 Fl. Remy Martin, 2 Kisten Pils.“ Heavy-Metal-Fans ahnen, wen das 1982 ernährte: Den seligen Lemmy Kilmister und seine Band Motörhead. Die an diesem Abend auftretenden sind über das Alter für solche Erfrischungen hinaus. Werner Reinke, Kultstimme des Hessischen Rundfunks, stellt sie vor, erheitert mit Anekdoten aus alten Radiozeiten und gibt sogar überzeugend den Bluessänger Muddy Waters. 1200 passen in eine halbbestuhlte Stadthalle, 1200 sind gekommen, zahlend oder als Geburtstagsehrengäste geladen – die Offenbacher Kommunalpolitik glänzt übrigens weitgehend durch Abwesenheit, den Magistrat sucht Winfried Männche, Chef der Hausherrin GBO, vergebens.

Der Ex-SPD-Stadtverordnete Lutz Plaueln aber ist da, auch aus familiären Gründen: Sohn Rolf hilft aus beim Opener des Abends, ersetzt den verhinderten Kollegen Rolf Bussalb bei den Glitter Twins an der Gitarre. Die Lokalmatadoren um den Bruchköbler Mick Jagger Fips Schmidt und den Bieberer Achim Schnall bestätigen ihren Ruf als beste Rolling-Stones-Cover-Band und legen die Stimmungsmesslatte schonmal sehr hoch. Die aktuelle Huldigung an einen anderen Großen ist Pflicht: Bob Dylans „Like a Rolling Stone“ muss an diesem Abend sein.

Sorgten mit Stones-Covern gleich am Anfang für die notwendige Betriebstemperatur in der Stadthalle: die aus der Region Offenbach-Hanau stammenden Lokalmatadoren Glitter Twins.

Deutlich mehr Jahre auf dem Buckel haben The Lords. Die einstigen „Berliner Beatles“ versuchen’s auch mit neueren, deutlich hardrockigeren und durch die Röhre von Bassist Bernd Zamulo geprägten Stücken im bevorzugten Takt. Die Herren mit Wallemähne und weißem Minipli bringen ihr Publikum aber erwartungsgemäß erst mit ihren 60er-Jahre-Erfolgen in Schunkelbewegung. The Manfreds sind im Wesentlichen die ursprüngliche Manfred Mann Band ohne Manfred Mann. Die sieben exzellenten Musiker setzen das unbezweifelte musikalische Glanzlicht des Abends. Die Sänger Mike d’Abo und Paul Jones (später The Blues Band), die einst einander ablösten, Gitarrist Tom McGuinness, Drummer Rob Townsend (beide auch Blues Band), Keyboarder Mike Hugg, Bassist Marcus Cliffe, Saxophonist und Flötist Simon Currie wärmen keine früheren Chartstitel auf. Sie interpretieren ohnehin großartige Songs neu, veredeln sie mit viel Swing und Blues.

Stadthalle feiert 50. Geburtstag: XXL-Galerie

Es begeistern frische Versionen von Manfred Manns „Petty Flamingo“, „Fox on the Run“ oder „Do wah diddy diddy“, aber auch Herbie Hancocks „Watermelon Man“, „When I’m Dead and Gone“ von McGuinness Flint und Howling Wolfs „Smokestack Lightning“. Dieses bringt Paul Jones ganz besonders heraus als großartigen Sänger und Bluesharper: Was der inzwischen 74-Jährige aus der Mundharmonika herausholt macht die Offenbacher Stadthalle im positiven Sinne erstmal sprachlos. Und die doppelte Nobel-Verneigung ist seit jeher im Manfreds-Repertoire: „The Mighty Quinn“, „Just Like a Woman“.

Nach einer virtuosen Leistung einer zu Recht frenetisch gefeierten Band ist zu ahnen, dass es der Rausschmeißer nicht einfach haben könnte. Tatsächlich kommt Ray Dorset alias Mungo Jerry deutlich geerdeter daher. Jedoch nicht nur mit den eher fröhlich-einfach gestrickten Nummern aus den 70ern wie dem Superhit „In the Summertime“ oder „Lady Rose“ und „Hello Nadine“. Der Mann kann auch Rock und Blues und ist ein fähiger Gitarrist. Das macht, auch weil’s teils schön brachial und unbeschwert ist, einen grandiosen Abend in der 50 Jahre jungen Stadthalle richtig rund.

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