Nach 165 Jahren

Metzgerei Spreng: Abschied von Traditionsbetrieb

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Da schien die Welt noch intakt: Anfang des Jahres präsentierte Steffen Spreng stolz seine vom Feinschmecker-Magazin verliehene Auszeichnung als eine der „Besten Metzgereien in Deutschland“.  

Bieber - Bieber wird um ein Traditionsgeschäft ärmer. Zum 30. April schließt die Metzgerei Spreng nach nun 165 Jahren und somit sieben Generationen. Von Veronika Schade

Wegen veränderter Konsum- gewohnheiten und steigender Betriebskosten sieht Metzgermeister Steffen Spreng keine andere Möglichkeit: Denn die Umsätze reichen nicht mehr aus. Steffen Spreng kämpft mit sich. Obwohl die schwere Entscheidung gefallen ist. Zum Monatsende schließt er seine Metzgerei an der Oberhofstraße 10, setzt der Familientradition ein Ende. „Damit stirbt auch ein Stück Lokalgeschichte“, sagt er traurig. Doch die Einnahmen standen in keinem Verhältnis mehr zu den Ausgaben. „Mein Steuerberater hat mir schon vor zwei Jahren ins Gewissen geredet“, sagt der Metzgermeister. „Aber ich habe es weiter versucht, gehofft, dass es noch besser wird.“

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und ihn zum drastischen Schritt zwang, fiel Anfang März. Eine teure Maschine ging kaputt, eine Neuanschaffung wäre notwendig geworden. Zugleich flatterte eine satte Stromnachzahlungs-Forderung ins Haus. „Ich habe in den letzten Jahren immer draufgelegt“, sagt der 48-Jährige. Rücklagen zu bilden sei unmöglich gewesen. Die Gründe sind dieselben, die jüngst zur Schließung der Offenbacher Traditionsmetzgerei Grünewald und anderer Betriebe geführt haben: Einkaufsgewohnheiten und Ansprüche haben sich geändert. Für viele Kunden ist der Preis ausschlaggebend, nicht Qualität und Herkunft des Fleisches, bemängelt Spreng. „Discounter und Supermärkte zwingen uns zum Preiskampf.“ Nicht mal das Alleinstellungsmerkmal, das er etwa mit seinen Wildprodukten hatte, sei geblieben: „Selbst Discounter verkaufen mittlerweile Wild, wenn auch aus Neuseeland importiert. Aber es ist billiger.“

Außerdem sei es für viele Menschen schlicht bequemer, alles an einem Ort einzukaufen und nicht eigens zum Metzger müssen. Die längeren Öffnungszeiten der Supermärkte trügen dazu ihr Übriges bei. Zugleich steigen die Betriebskosten immer mehr, vor allem für Energie. „Es muss alles ständig entweder gekühlt oder warmgehalten werden“, erklärt Spreng seinen hohen Verbrauch. Wegen der EEG-Umlage sei das kaum noch zu bezahlen. „Dieser Beitrag ist besonders für Kleinbetriebe nicht fair.“ Acht Mitarbeiter müssen sich nach einer neuen Arbeit umsehen, der Chef selbst will sich beruflich umorientieren. Was aus den Räumen wird, steht noch nicht fest. Die Erbengemeinschaft sucht einen neuen Pächter für Produktion und Laden. „Falls ein anderer Metzger reinkommt, könnte er den Betrieb unter unserem Namen weiterführen“, stellt Spreng in Aussicht. Ob eine andere Nutzung denkbar wäre als erneut als Metzgerei, darauf will er sich nicht festlegen.

Seinen Arbeitsalltag wird der Metzgermeister vermissen, vor allem den Mittagstisch und den Kontakt mit netten Stammkunden: „Wir haben eine Kundin, die seit 72 Jahren bei uns einkauft, nie woanders hinging. Sie hätte einen Orden verdient.“ Bis zum 30. April sollen die Vorräte leer werden. Deshalb lockt die Metzgerei mit besonderen Abschieds-Angeboten. Weitere Infos: www.mein-metzger-spreng.de

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