Tradition und Integration

Adem Husic: Vom Praktikant zum Geschäftsführer

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Adem Husic ist seit nahezu einem Jahr Inhaber des Traditionsgeschäfts Schuh-Trost im Kleinen Biergrund.

Offenbach - Es ist eine Geschichte, in der sich der Erhalt eines Offenbacher Traditionsgeschäfts und gelungene Integration vereint haben: Adem Husic hat Schuh-Trost im Kleinen Biergrund übernommen. Von Peter Klein 

Er hat 2015 nicht viel Aufhebens davon gemacht: Am 1. Oktober führt Adem Husic das Traditionsgeschäft Schuh-Trost genau ein Jahr. Der Familie Trost ist er seit Jahrzehnten verbunden. Die Geschichte die er dabei erzählt, erinnert frappierend an die derzeitige Diskussion um Flüchtlinge: Als 13-Jähriger kam Husic 1992 mit seinem Vater als Bürgerkriegsflüchtling aus Bosnien nach Offenbach. Nach einem Jahr in einer Intensivklasse auf der Anne-Frank-Schule, wo er Deutsch lernte, wechselte er in die 9. Klasse der Ernst-Reuter-Schule und machte 1994 seinen Hauptschulabschluss.

Damit er in Deutschland bleiben konnte, brauchte er eine Ausbildungsstelle. Da aber seine Aufenthaltsgenehmigung auf ein halbes Jahr, beschränkt war, liefen seine Bewerbungen ins Leere. „Wir investieren jetzt Geld in Dich, und später haben wir nichts davon, weil Du ausreisen musst“, bekam er allerorten zu hören. „Ich bin schließlich von Geschäft zu Geschäft gegangen und habe persönlich gefragt, ob die nicht einen Lehrling brauchen“, so Husic. Helfried Trost schlug vor, dass er neben der Schule erst einmal zwei Wochen Praktikum macht, um zu sehen, ob ihm der Beruf überhaupt liegt und ob man miteinander klar kommt.

Man kam miteinander klar und die Trosts halfen auch familiär weiter. Zunächst boten sie Adem Husic und seinem Vater eine Dachwohnung in ihrem Haus an, später bezog er mit seiner Frau eine andere Wohnung, ebenfalls im Haus der Trosts. Da das Geschäft für seine gute Beratung bekannt war und dafür gute Deutschkenntnisse notwendig sind, bezahlte Helfried Trost, ein Jahr lang Deutschkurse bei der Vhs. Zweimal die Woche abends ging es nach der Arbeit ans Deutschlernen. „Man muss halt auch wollen“, sagt Adem rückblickend.

Auch nach Ausbildung und Meisterprüfung arbeitete Husic weiter im Kleinen Biergrund, bis sich ihm 2011 die Gelegenheit bot, ein eigenes Geschäft in Bad Vilbel zu übernehmen. Als sich die wirtschaftliche Schieflage des Traditionsgeschäftes abzuzeichnen begann, sei Margarete Trost auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob er sich vorstellen könne, das Geschäft zu übernehmen. „Für mich war das sofort klar, wir haben uns immer gegenseitig geholfen und bevor da jemand Fremdes reingeht, mache ich es“, so Husic.

Die Firmen-Urgesteine: Jahrzehnte beim selben Arbeitgeber

1949 gegründet, ist Schuh Trost einer der älteren Familienbetriebe in Offenbach. Der mittlerweile verstorbene Helfried Trost, auch bekannt als der „Hans Sachs von Offenbach“, erarbeitete sich den Status einer Institution. Zuletzt führte Tochter Sigrid Trost, ebenfalls Schuhmachermeisterin, das Geschäft und bot auch orthopädische Schuhe und Einlagen an. Am Anfang sei es sehr anstrengend gewesen, zwei Geschäfte gleichzeitig zu führen, berichtet Husic. Während er in Bad Vilbel eine Teilzeitkraft beschäftigt und seine Frau im Verkauf hilft, hat er in Offenbach einen Auszubildenden und Margarete Trost hilft im Verkauf.

Im Gegensatz zu früher bietet Adem Husic keine orthopädischen Artikel mehr an. Der bürokratische Aufwand sei so hoch geworden, dass man nur das Eine oder das Andere machen könne, sagt er. Helfried Trost hat Generationen von Schuhmachern ausgebildet und auch daran will Adem Husic festhalten. Der Auszubildende macht im Januar seine Gesellenprüfung. Vor Kurzem hat ein Flüchtling aus Afghanistan angefragt. Adem Husic hat ihm vorgeschlagen ein Praktikum zu machen. „Wenn er sich das vorstellen kann und wir miteinander klar kommen, wieso nicht“, sagt er schmunzelnd.

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