Mit Größen wie Haftbefehl, Xatar und Celo & Abdi

All-Area-Festival: Erstes Hiphop-Open-Air in der Region

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Heimspiel: Der Offenbacher Rapper Haftbefehl (rechts) tritt morgen mit Kollege Xatar beim All-Area-Festival auf.

Offenbach - Sie sind die harten Jungs des Hiphop: Straßenrapper wie Haftbefehl und Xatar oder die Frankfurter Celo & Abdi. In ihren Texten geht es um das Leben in sozialen Brennpunkten, Gewalt, Drogen. Morgen trifft sich die Szene beim All-Area-Festival in Offenbach. Es ist die erste Open-Air-Veranstaltung mit dem Fokus auf Hiphop in der Rhein-Main-Region. Von Christian Wachter

„Auf leeren Magen geht ne Marlboro / Blockpanorama, siebter Stock vom Balkon“, rappt Haftbefehl in seinem Song „1999 Pt. II“ – Erinnerungen an seine Zeit in Offenbach, wo der Rapper mit kurdischer Abstammung aufwuchs; zwischen Mainpark und Marktplatz, Plattenbau und Kriminalität. Haftbefehl hat es längst bis an die Spitz der Charts geschafft – aktuell mit seinem „Kollabo“-Album, das er mit Kollege Xatar aufgenommen hat. Die beiden Rapper sind auch die Headliner des All- Area-Festivals, das zum ersten Mal auf dem Gelände der Kommune 2010 an der Sprendlinger Landstraße stattfindet. Das Line-Up reicht vom Chartstürmer bis zum Newcomer. 16 Acts treten auf, darunter die 187 Straßenbande aus Hamburg, die inzwischen auch auf den großen Festival-Bühnen auftritt, die Frankfurter Celo & Abdi sowie Vega und Bosca, die Rapfans aus ganz Deutschland bekannt sind.

Dass die Idee für ein solches Festival gerade im Rhein-Main-Gebiet geboren wurde, dürfte dabei mehr als ein Zufall sein: Die Region hat das Subgenre des deutschen Straßenrap schließlich entscheidend mitgeprägt. Ab Mitte der 90er-Jahre waren es Rapper wie die Frankfurter Konkret Finn und Azad oder das Rödelheim Hartreim Projekt, die eine Gangart einschlugen, die man dieser rauen Form ansonsten nur aus den USA kannte.

Es sind harte Sprüche aus einem harten Leben, die die Straßenrapper zum Thema machen. Sprachlich sind die Texte inzwischen viel mehr von arabischen und türkischen als von amerikanischen Einflüssen geprägt. Der unmittelbare Bezug zur eigenen Biographie ist für die Rapper entscheidend. Ohne Migrationsgeschichte, das ist offenkundig, wäre diese Form von Hiphop längst nicht so populär.

Auch für den 1987 in Frankfurt geborenen Abdi, Teil des Kollektivs Celo & Abdi, spielen die Wurzeln eine wichtige Rolle. Seine Eltern kommen aus Marokko – aus Nador, wie so viele andere in der Rhein-Main-Region auch. In „In meinem Land“ rappt er nicht nur über Frankfurt-Sossenheim, sondern auch über die Heimat seiner Eltern: „Manchmal stell ich mir vor, wie wäre mein Leben in Nador / Statt Airmax barfuß / Hunger statt Cartoons“.

Im Vergleich zu den Anfängen sind die musikalischen Einflüsse mittlerweile vielschichtiger geworden, und aus einer kleinen, eingeschworenen Szene sind unzählige Protagonisten gewachsen, die sowohl in Charts, Feuilleton und Boulevard, als auch auf den Schulhöfen eine wichtige Rolle spielen. Ihre Musikvideos werden auf der Internetplattform Youtube millionenfach aufgerufen.

Zum All-Area-Festival werden etwa 2 000 Rapfans kommen, vermutet Veranstalter Michael Lukaschyk – in der Szene Syn genannt. Diejenigen, die befürchten, im Publikum könnte es zugehen wie in einem der Straßenrap-Videos, weiß der Manager und Geschäftsführer eines Musik-Labels zu beruhigen: „Straßenrap wird schichtübergreifend gehört, auch von Studenten und Hipstern. Und richtige Gangster haben eh anderes zu tun, als beim Festival vorbeizuschauen.“

Es sei ihm wichtig gewesen, dass das Festival einen familiären Charakter habe: „Ich habe nur Rapper gebucht, die ich auch persönlich kenne und mit denen ich mich gut verstehe.“ Dabei habe ihm auch etwas daran gelegen, Newcomer zu buchen. So wird am Samstag auch Soufian auf der Bühne stehen, ein junger Offenbacher Rapper, der von Haftbefehl gefördert wird. Neben den Hiphop-Beats wird es aber auch Abwechslung geben: Die Wiese der Kommune 2010 wird vom Frankfurter Soundsystem Dubs till Dawn mit Trap und Dancehall beschallt.

In der letzten, heißen Phase vor Beginn des ersten All Area sei er natürlich aufgeregt, sagt Syn. Die Organisation habe aber Spaß gemacht, ein Grund, weshalb er vorhabe, das Festival regelmäßig zu veranstalten.

All-Area-Festival auf dem Gelände der Kommune 2010, Sprendlinger Landstraße 181 in Offenbach, morgen ab 12 Uhr. Infos zum Line-Up und Karten unter www.allareafestival.de.

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