Gage für ein paar asoziale Sprüche

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Das ist Assi-Toni heute.

Er ist im deutschsprachigen Raum bei den Jüngeren bekannter als die Kickers oder Mark Medlock, er hat Offenbach berühmt-berüchtigt gemacht und der Stadt zu zweifelhaftem Ruhm verholfen: ein 32-Jähriger, den alle nur unter dem Namen Vollassi-Toni kennen. Von Niels Britsch

Doch im Gegensatz zu anderen Offenbacher Berühmtheiten hat er nie beim OFC gekickt und auch nicht bei Bohlens Talentshow mitgemacht – den Prominentenstatus verdankt Toni allein einem Video, das auf diversen Internetportalen schätzungsweise zwischen 15 und 20 Millionen Mal angeklickt wurde. In dem knapp zehnminütigen Clip räkelt sich der Offenbacher mit nacktem Oberkörper auf einem Sofa und schwadroniert vulgär über Frauen im Allgemeinen, den Liebesakt an sich und das Sexualverhalten des weiblichen Geschlechts. „Ich kann nicht behaupten, dass ich einen Hass auf Frauen habe, aber die sind so billig – da muss man drüber reden“, sagt der Deutsch-Italiener in feinstem Offenbacher Hessisch – einer der wenigen noch druckfähigen Sätze aus dem Video.

Der Ausdruck „Bambabam“ ist zum Schlagwort für eine ganze (Internet-)Generation geworden. In kürzester Zeit sahen sich Hunderttausende den Clip auf Youtube an, und Vollassi-Toni – wie er sich selbstironisch nennt – wurde berühmt. In ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz kennt und zitiert man den ordinären Verbalerguss des Offenbachers. Das ist zwar bereits fünf Jahre her, doch Toni ist inzwischen Kult. „Es hört net uff“, sagt er über das öffentliche Interesse an seiner Person.

„Inbegriff des Prolls"

Erst vor zwei Monaten zahlten ihm die Veranstalter des Clubs „Moulin Rouge“ in Wien eine kleine Gage für einen Kurzauftritt. „Der Laden war proppevoll, und ich sollte ein bisschen rumsitzen und mich mit den Leuten unterhalten.“ Der Wirt fragte ihn dann noch, ob er „irgendwas Asoziales“ ins Mikrofon sagen könne – und das war dann auch schon die ganze Vorstellung. Auf dem Hinflug habe ihn der Flugkapitän ins Cockpit gerufen, „er wollte mir unbedingt die Hand geben“, berichtet Toni kopfschüttelnd.

Und auch eine Polizeistreife hielt schon einmal an, um ihm anerkennend ein „Mach weiter so“ hinterher zu rufen. In Restaurants werde er oft angesprochen, „auch von so Schlipsträgern“. „Du redest uns aus der Seele“, bekomme er dann zu hören. Auf der Straße habe man ihn auch schon mit „Herr Assitoni“ angesprochen, berichtet er lachend. Vor einem halben Jahr widmete die Arte-Sendung „Yourope “ dem Offenbacher einen Beitrag und machte ihn zum „Inbegriff des Prolls“. „Da habe ich nichts dagegen“, sagt er zu dieser „Auszeichnung“. Auch RTL II habe angefragt und eine Sendung mit ihm, einem Berliner Rapper und einem weiteren Sprücheklopfer drehen wollen. „Aber ich nehm’ nicht alles an – ich möchte mich nicht unter einen Hut mit diesen Leuten stecken lassen.“

„Es ist die Wahrheit"

Denn berühmt habe er mit seinem Clip nie werden wollen, erzählt Toni, der in einem Wettbüro arbeitet. „Ich hätte nie gedacht, dass das so einschlägt und solch einen Hype gibt.“ 2006 habe ein Kumpel ihn spontan gefilmt und den Clip anschließend ins Netz gestellt. „Nach ein paar Tagen habe ich gemerkt, dass die Leute mich erkennen, tuscheln und mich auf das Video ansprechen.“ Inhaltlich steht er zu dem Clip: „Ich habe viel erlebt, und das sind eigene Erfahrungen – ein bisschen vulgärer dargestellt, aber es ist die Wahrheit.“ In der Arte-Sendung stimmt ihm eine befragte junge Dame zu: „Er sagt es plump, aber er sagt viele Sachen, die wahr sind.“ Negative Reaktionen habe er bisher nicht erlebt, berichtet Toni: „Klar, es ist schon vorgekommen, dass eine Frau sagt, sie würde mir gern einmal eine runterhauen. Aber dann frage ich nur, ob sie sich angesprochen fühlt.“

Auf die Frage, ob sein Text frauenfeindlich sei, muss er ungläubig lachen: „Ich habe Respekt vor dem weiblichen Geschlecht. Frauen können ja auch so über Männer reden.“ Seit vier Jahren hat der Macho eine Freundin. „Sie kannte mich zwar vom Video, aber sie hat dann auch gemerkt, dass ich nur ein Mensch bin“, sagt er schmunzelnd. Viel Geld hat er trotz seiner gelegentlichen Auftritte nicht mit seiner Bekanntheit verdient. „Ich wollte aber nie damit reich werden und will auch ein ganz normaler Offenbacher bleiben“, sagt er, um in seiner charmanten hessisch-großmäuligen Art anzufügen: „Da lass‘ ich Gott ‘n gude Mensch sein.“ Vielleicht werde er einmal ein Buch schreiben, kündigt er an. Einen Titel hat er schon: „Die Definition der Wahrheit.“ Und während Assi-Toni erzählt, dass er in seiner Freizeit gern angelt, pokert und in die Sauna geht, folgt sein Blick einer jungen Frau mit Kinderwagen: „Stabil, stabil“, murmelt er anerkennend.

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