Stadt möchte die Langzeitprojekte angehen

Aussichtshügel und Zarenlinde: 2018 endlich am Ziel?

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Heinz Meier-Ebert (rechts) erläuterte den Gästen die Geschichte des Türkischen Pavillons, der durch Vandalen immer wieder beschädigt wird.

Rumpenheim - Bewährtes stand auf dem Programm des diesjährigen Tages des offenen Denkmals. Neben dem Alten Friedhof, der Französisch-reformierten und der Marienkirche fand der Schlosspark reges Besucherinteresse. Von Claus Wolfschlag 

Der Schlosspark entstand ab dem 18. Jahrhundert als englischer Landschaftsgarten. Die Landgrafen von Hessen-Kassel kamen in den Besitz Rumpenheims als südmainischen Zipfel, erwarben den dortigen Sitz der Herren von Edelsheim und bauten ihn zu einem dreiflügeligen Schloss im klassizistischen Stil um. Der Park wurde erweitert, mit Blickachsen und zahlreichen Staffagen versehen. Die geschwungene Wegeführung und die ausgedehnten Rasenflächen sind typisch für den naturnahen englischen Gartenstil. Erst als die landgräfliche Familie das Schloss 1902 als Wohnsitz aufgab, setzte ein langsamer Verfall ein. Sachkundig führten Heinz Meier-Ebert und Bruno Persichilli von der lokalen Bürgerinitiative durch den Park. Sie wiesen auf allerlei Kleinode des Areals hin, darunter den oft durch Vandalismus in Mitleidenschaft gezogenen türkischen Pavillon und den Tempel „Im Tannenwald“ auf dem Weg nach Mühlheim, der einst in einer Sichtachse zum Monopteros stand.

Meier-Ebert und Persichilli erläuterten auch die aktuellen Probleme des Parks. „Jedes Jahr werden 20 alte Bäume gestutzt oder gar gefällt, wenn die Schädigung durch Pilze zu stark geworden ist. Daraus ergibt sich ein Totholzproblem“, betonte Meier-Ebert. Während Naturschützer Totholz gerne als ökologische Nische für Insekten stehen oder liegen lassen, stößt sich das mit dem denkmalpflegerischen Ansinnen der BIR. „Doch die Zeiten haben sich geändert. Wir wollen weg vom Konflikt mit der Stadt und sind auf einem guten Weg zur Kooperation“, erklärten Meier-Ebert und Persichilli.

So habe man sich mit der Stadt geeinigt, dass Totholz nicht näher als acht Meter von den Wegesrändern liegen darf, um die Optik des Parks nicht zu stark zu beeinflussen. Dennoch bestehe das Problem fort. Auch wuchernde Eiben und Brombeer-Hecken verdecken Sichtachsen und hindern junge Bäume daran, nachzuwachsen. Die Bürgerinitiative hatte in Kooperation mit der Stadt mehrere Stellwände vor dem Monopteros platziert, auf denen künftige Planungen anschaulich erläutert wurden. Zwei Umbauprojekte rücken dabei für die nähere Zukunft in den Vordergrund. Zum einen soll der Aussichtshügel zwischen Mausoleum und Monopteros wieder begehbar gemacht werden. Zwischen der Stadt und der BIR wird aber noch der genaue Wegeverlauf diskutiert. Die BIR möchte möglichst die historisch überlieferte Wegeverbindung zum erhaltenen Sockel der einstigen Vogelvoliere wieder herstellen.

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Zum anderen ist geplant, die so genannte Zarenlinde zu erschließen. Der von der Krim stammende Baum wurde einst vom russischen Zar Nikolaus zur Geburt seines Enkels geschenkt. Seine Tochter war nämlich mit dem hessischen Landgrafen verheiratet. Doch Tochter und Kind starben tragischerweise kurz nach der Geburt. Heute ist der Baum umwuchert und schwer zugänglich. Nur Leute, die ihre Notdurft verrichten, suchen ihn gelegentlich auf, was an herumliegenden Taschentüchern erkennbar ist. Geplant ist, die Zarenlinde wieder an einen Weg anzubinden und die in der Nähe gelegene Freifläche zu einer Naturwiese umzugestalten, die nur zweimal im Jahr gemäht wird. Der neue Weg soll zum Monopteros führen, die Zarenlinde von einer Rundbank eingefasst werden. „Möglichst aus Sandstein, nicht aus Beton“, wie Meier-Ebert äußerte. Als dritte, kleinere Maßnahme ist zudem die Anlage eines Hohlwegs in das Dickicht nahe des türkischen Pavillons geplant.

Für die Stadtplanung erläuterte Annette Glowania: „Im Frühjahr werden wir einen Planer mit den neuen Vorhaben beauftragen, im Herbst wird ein offizieller politischer Beschluss folgen. 2018 ist dann die Umsetzung der Projekte Aussichtshügel und Zarenlinde geplant. Vorbereitende Maßnahmen wird vielleicht die Bürgerinitiative erledigen.“

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Das klingt erfreulich für die BIR. Skeptischer zeigten sich deren Vertreter indes hinsichtlich einer künftigen Rekonstruktion des Löwenwappens in den Dreiecksgiebeln des Schlosses. „Die Bewohner des Schlosses fluktuieren nicht unbeträchtlich. Das Interesse an der Geschichte des Hauses ist eher gering. Wir wollten schon mehrfach eine Initiative für eine Wappen-Rekonstruktion anzustoßen, aber die Resonanz war gering“, sagte ein BIR-Mitglied.

Weitere Infos: bi-rumpenheim.org

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