Ausstellung zu 250 Jahre Kaiserstraße

Historie mit Zukunft verbinden

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Umringt von einem geschichtsinteressierten Publikum geben Ausstellungsmacher Uwe Kauss und Presseamtsleiter Fabian El Cheikh am Samstagmittag Auskunft und beantworten Fragen.

Offenbach - „250 Jahre Kaiserstraße – 1 Kilometer Offenbacher Geschichte“ ist eine Ausstellung über die älteste in ihrem Ursprung erhaltene Magistrale der Stadt betitelt, die am Wochenende in den ehemaligen UBS-Geschäftsräumen eröffnet wurde. Von Harald H. Richter 

Ihre Historie, Gegenwart und Zukunftsaussicht stellt Lebenszusammenhänge her. „Auf bittliches Ansuchen verschiedener unserer Einwohner zu Offenbach“ sei die Anlegung einer neuen Straße vor dem Frankfurter Tor veranlasst worden, zitiert Uwe Kauss vor mehreren Schautafeln ein Edikt des Fürsten Wolfgang Ernst zu Ysenburg vom 15. Mai 1766 und nimmt eine Gruppe Ausstellungsbesucher mit zu den Anfängen der Kaiserstraße. 250 Jahre besteht diese Verbindung, die auch heute noch einen wichtigen Zugang zum Kern der Innenstadt bildet und eine Erschließungsfunktion für die Anlieger wahrnimmt. Der 52-jährige Autor, Journalist und Lektor ist am Samstagmittag umringt von einem geschichtsinteressierten Publikum, gibt beredt Auskunft und beantwortet Fragen. Mit dem städtischen Presseamt um Leiter Fabian El Cheikh und Stadtplanerin Marion Rüber-Steins hat Kauss die Ausstellung vorbereitet. Unterstützt vom Ehepaar Samel, das in ein rund 300-stündiges Aktenstudium eingetaucht war und etwa 160 Dokumente aus dem Altdeutschen übersetzt hat, ist eine Exposition entstanden, die fast vergessene geschichtliche Zusammenhänge thematisiert. „Wo wir heute stehen, war einst nichts anderes als Wiesen und Schwemmland“, sagt Kauss.

Während der Eröffnung erinnert Oberbürgermeister Horst Schneider sich seiner Grundschulzeit: „Damals habe ich im Unterricht gelernt, dass ein Kilometer exakt die Länge der Kaiserstraße misst und man sie vom Hauptbahnhof bis zum Main in einer Viertelstunde abschreiten kann.“ Als passionierter Radfahrer bewältigt der Verwaltungschef die Distanz freilich in deutlich kürzerer Zeit. Allerdings muss auch er momentan die durch Bautätigkeit verursachten Verkehrsbeschränkungen beachten.

Die künftige Ausrichtung der Kaiserstraße nimmt daher Marion Rüber-Steins in den Blick: Einhergehend mit dem Bedeutungsverlust des Hauptbahnhofs habe der Qualitätsanspruch der links und rechts ansässigen Geschäfte immer weiter abgenommen. Dem wolle die Stadt durch verschiedene Maßnahmen entgegenwirken und setze dabei auch auf eine Belebung des Hauptbahnhofs. Im Gegensatz zum OB, der kaum Bereitschaft zur Investition seitens der Deutschen Bahn erkennen mag, sieht sie immerhin Gesprächswillen bei der DB im Bemühen um eine Attraktivitätssteigerung.

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Erste Akzente hingegen werden demnächst für die Kaiserstraße gesetzt. „Zur städtebaulichen Umgestaltung, die derzeit in einem weiteren Bauabschnitt erfolgt, gehören die Verbreiterung der Fußwege und das Setzen neuer Alleebäume“, kündigt die Koordinatorin sichtbare Verbesserungen der Aufenthaltsqualität an. Für den Bereich nördlich der Großen Marktstraße könne der Umbau aus finanziellen Gründen voraussichtlich aber nicht vor 2020 angepackt werden, weshalb noch keine konkreten Planungen erarbeitet seien. Das aber eröffne der Bevölkerung die Möglichkeit zur Mitsprache. Und so dient die bis zum 10. September montags bis samstags von 12 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnete Schau der Verwaltung als Meinungsbarometer, um aus der Bürgerschaft Anregungen und konkrete Vorschläge zur funktionalen, verkehrlichen und gestalterischen Nutzung entgegenzunehmen.

„Die Bevölkerung kann anhand unterschiedlicher Planungsziele Ansprüche formulieren und ihr Votum etwa zu Parkplätzen, Fußwegen oder zu einer besseren Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs abgeben“, ermuntert Rüber-Steins zur Teilnahme am Abstimmungsverfahren. „Welchen Charakter soll die Kaiserstraße nach ihrer vollständigen Umgestaltung aufweisen?“ So lautet eine der Fragen, auf die als Antwortoptionen fünf Kurzbeschreibungen unter Abwägung der jeweiligen Chancen und Risiken angeführt werden. Die Ausstellung sei daher eine Gelegenheit für die Besucher, die lange Geschichte der Kaiserstraße mit ihrer Gegenwart und Zukunft zu verknüpfen, ist auch Amtsleiter El Cheikh überzeugt.

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  • Begehungen der Kaiserstraße mit Stadtführerin Monika Krämer gibt es am 27. August um 14.30 Uhr, 2. September um 15 Uhr und 8. September um 14.30 Uhr. Uwe Kauss erläutert die Exposition im Anschluss an die Führungen am 27. August und 8. September, jeweils um 16 Uhr, Treffpunkt Eingang Haus Kaiserstraße 73. Anmeldungen: Tel.: 069/895754 oder kraemer@ofinfocenter.de

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