Ausstellungsprojekt an verschiedenen Orten erzählt Hintergrundgeschichten

Der Blick aufs Verborgene

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Auch das ist eine Kunst: Jochem Hendricks will auf dem Wilhelmsplatz einen alten Opel Corsa mit Bier befüllen. Momentan hapert’s allerdings noch an der Dichtigkeit. Weitere Akteure sind Marc Aschenbrenner, Julia Bünnagel, Luka Fineisen, Geheimagentur, Katie Holten, Gereon Krebber, Jana Müller, Fabrizio Prevedello, Thomas Rentmeister, Elsa Tomkowiak, Michael Zheng.

Offenbach - Der grüne Dreieichpark, der belebte Wilhelmsplatz, der Alte Friedhof, der Spielplatz an der Ecke Hermann-/Christian-Pleß-Straße, die Haltestelle „Stadtgrenze“: Das Ausstellungsprojekt „Hidden View“, der verborgene Anblick, widmet sich Geschichten hinter diesen Orten.

Offenbacher kennen diese Stellen, passieren sie regelmäßig, erledigen dort Alltägliches oder flanieren durch die Grünanlagen hindurch. Doch die prächtigen alten Baumbestände, Denkmäler und Parkanlagen mit Wasserspielen haben noch mindestens eine verborgene Geschichte, die erst bei genauerer Betrachtung sichtbar wird und noch erzählt werden muss. In diesem Sinne zeigt „Hidden View“ Installationen, Skulpturen und Performances von zwölf renommierten internationaler Künstlern, die speziell für die sechs ausgewählten Lokalitäten und ihre Hintergrundgeschichten konzipiert wurden. Die Kunstwerke beleben öffentlich zugängliche Orte in der gesamten Innenstadt. Für die Betrachter kostenlos. Der „Verborgene (An-)Blick“ ist ein Projekt des Amts für Kultur- und Sportmanagement und zeigt vom 19. August bis 16. Oktober die ortspezifischen Arbeiten. Sie lenken den Blick bewusst auf die heimlichen und unauffälligen Seiten des Stadtraums Offenbach. Die Kunst im Öffentlichen Raum, so formulieren es die Macher, „reflektiert hier den transitorischen Wandel im Urbanen und schärft den Blick für die leisen Besonderheiten der Stadt“. „Hidden View“ bietet auch ein Rahmenprogramm für Jung und Alt, zum Beispiel zwei der beliebten Like-Offenbach-Touren, das Format der Offenbacher Kurkonzerte, Pedelec-Touren, einen Kinder-Theater-Workshop des Rohbau-Kollektivs im August und den Workshop „Auf Spuren- und Geschichten-Suche“ der Jugendkunstschule.

Zu entdecken ist die einer Farbexplosion gleichende, schwimmende Skulptur der französischen Künstlerin Elsa Tomkowiak auf dem Weiher im Dreieichpark. Gelauscht werden kann der Klanginstallation des aus San Francisco stammenden Künstlers Michael Zheng, die unter dem Kopfsteinpflaster des Wilhelmsplatzes murmelt und auf dessen verborgene Historie als Friedhof verweist. In der „Agentur für Zeitverschwendung“ des Künstler- und Performancekollektivs Geheimagentur lässt sich schön trödeln. An anderer Stelle, beispielsweise auf dem Alten Friedhof, stellen der Bildhauerei-Professor aus Braunschweig, Thomas Rentmeister, der italienische Bildhauer Fabrizio Prevedello und das Multitalent Julia Bünnagel aus. Ein kostenloser und aufwändig gestalteter Faltplan mit Straßenkarte und Informationen zu den einzelnen Kunstwerken liegt in zahlreichen Cafés und Restaurants, im Deutsches Ledermuseum, im OF-Infocenter in der Salzgasse und an vielen anderen Plätzen in der Innenstadt aus.

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Er wird durch eine Ausstellung führen, die es möglich macht, den städtischen Raum, mit all seinen zeitlichen, sozio-ökonomischen, aber auch optischen Veränderungen einmal ganz neu zu erfassen. Die Kuratorinnen Britt Baumann und Nadia Ismail wollen mit „Hidden View“ neue Wege eröffnen, die eigene Stadt(geschichte) zu begreifen und Lust machen, auf die vertraute Sicht zu verzichten, um zu entdecken, was im Verborgenen liegt. Unsere Zeitung wird in ihren kommenden Ausgaben die einzelnen Orte und die dortigen künstlerischen Interventionen detailliert vorstellen. Die Ausstellung wird am Freitag, den 19. August vor dem Markthaus am Wilhelmsplatz feierlich eröffnet und ist ab diesem Zeitpunkt für drei Monate ein Teil des Stadtbilds. pso/tk

Weitere Informationen und das Programm gibt es auf www.hiddenview.de.

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