Örtliche Verkehrsexperten können GDV-Zahlen nicht bestätigen

Sind Offenbachs Autofahrer tatsächlich unfähig?

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War dieser Unfall Anfang Juni auf der Waldstraße typisch für Offenbach? Laut einer Statistik produzieren Fahrer mit OF-Kennzeichen deutschlandweit die meisten und teuersten Unfälle. Örtliche Versicherer können dies nicht bestätigen und verzeichnen keinen Anstieg bei Anzahl und Höhe der Schadensmeldungen.

Offenbach - Findet Offenbach bundesweite Aufmerksamkeit, sind es meist keine guten Schlagzeilen für die Stadt. Zuletzt war es der Bericht des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der besagt, dass Offenbacher Autofahrer die schlechteste Schadensbilanz haben. Doch sind Offenbachs Autofahrer tatsächlich so unfähig?  Von Steffen Müller

Die örtlichen Versicherer zumindest zeigen sich von dieser Statistik überrascht. Im Büro der Allianz-Versicherung von Dr. Eberhard Theobald an der Ludwigstraße wurde der Bericht des GDV aufmerksam gelesen. Aber auch mit Staunen. „Wir führen eine bundesweite Statistik. Im Vergleich zu anderen Städten mit ähnlicher Größe wie Offenbach gibt es bei uns weder Ausreißer nach oben oder nach unten“, sagt Theobald. Bei der Allianz ist die Schadensbilanz von Offenbach etwa mit der von Würzburg vergleichbar.

Dabei besagt der Bericht des GDV doch, dass Fahrer mit einem OF-Kennzeichen im Durchschnitt die meisten und teuersten Unfälle in Deutschland bauen. Die Folge: Der Versicherungsbeitrag steigt. Zumindest für die Autofahrer aus dem Stadtgebiet. Wer sein Fahrzeug im Landkreis Offenbach angemeldet hat, ist nicht betroffen. Hier sinken die Beiträge sogar. Eine Konsequenz, die Vero Schumacher von der Gothaer Versicherung „leid tut, denn wir müssen die höheren Beiträge an unsere Kunden weitergeben“. Dabei kann Schumacher, der sein Büro im Buchrainweg hat, nicht bestätigen, dass in den vergangenen Jahren die Schadenshöhe bei Autounfällen stark angestiegen sei. „Wir haben weder mehr Meldungen noch werden die Unfälle teurer. Über den GDV-Bericht waren wir schon etwas überrascht.“

Auch die Verkehrsstatistik der Polizei bescheinigt keinen größeren Anstieg an Unfällen. Im Gegenteil, die Anzahl sinkt. 2010 wurden in Offenbach noch 2370 Unfälle gemeldet. 2015 waren es 2045. Auch die Zahl der Verletzten ging von 682 auf 550 zurück. Trotz dieser positiven Entwicklung und den Berichten der örtlichen Versicherer wird sich an der Gebührenerhöhung für Offenbacher Autofahrer nichts ändern.

Einziger Lichtblick für Offenbach: Die Pressestelle des GDV beschwichtigt, dass sich aus der Statistik nicht zwangsläufig schließen lässt, dass Offenbacher schlechter Autofahrer sind. „Darauf gibt es keinen Hinweis“, sagt Simon Frost. Konkrete Gründe, warum ausgerechnet viele Offenbacher in Unfälle verwickelt sind, kann er aber nicht nennen. „Es scheint einen lokalen Unfallschwerpunkt zu geben. Das trifft aber tendenziell auf Ballungszentren zu.“

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Eine mögliche Erklärung kann Ulrich Urban liefern. Seit 1974 ist er Leiter der gleichnamigen Fahrschule und darüberhinaus Bezirksvorsitzender des Landesverbands Hessischer Fahrlehrer. Kaum einer kennt Offenbachs Straßen so gut wie er. Angesprochen auf die Unfallstatistik bestätigt Urban Frosts These. „Durch das Ballungszentrum Rhein-Main-Gebiet geht viel Pendelverkehr durch Offenbach. Das erhöht zwangsläufig die Gefahr von Verkehrsunfällen.“

Urban hält Offenbacher aber nicht generell für schlechte Autofahrer. Als Erklärung sieht er das enge Straßennetz. „Es gibt immer mehr Autos, aber nicht mehr Raum. Je weniger Raum zur Verfügung steht, umso mehr fühlen sich Autofahrer eingeschränkt.“ Als Begleiterscheinung würde deshalb auf den Straßen immer mehr Egoismus herrschen. „Einige sind nicht bereit, sich an Regeln zu halten und legen es manchmal sogar darauf an“, berichtet Urban aus seiner 42 Jahre langen Erfahrung als Fahrlehrer. „Diese Verhaltensweisen gab es aber schon immer. Vielleicht fallen sie jetzt einfach nur mehr auf, weil der Verkehrsraum enger wird.“ Sorgen bereitet Urban jedoch, dass rote Ampeln zunehmend missachtet werden. „Das ist erschreckend. Bei Gelb geben viele noch mal Gas, dabei bedeutet es, abzustoppen und anzuhalten.“

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