Risiko durch schlüssellose Startsysteme

Autoklau per Funk-Trick klappt fast immer

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Offenbach - Ohne Schlüssel – ohne Auto: Ein moderner Wagen mit einem sogenannten Keyless-Go-System ist zwar bequem, aber auch gefährlich. Diebesbanden knacken die elektronischen Systeme in wenigen Sekunden. Die Autoindustrie hat noch keine Lösung. Von Ralf Enders 

Die Diebe kommen nachts. Keine Scheibe geht zu Bruch. Nur kurz ist das Aufheulen des Motors zu hören, dann ist der teure Wagen weg. Schlüssellose Keyless-Go-Systeme hochpreisiger Autos sind ein Einfallstor für professionelle Banden. Mit sogenannten Funkreichweitenverlängerern, wie sie auch Geheimdienste benutzen, zapfen sie den im Haus liegenden Schlüssel an, übertragen das Signal zum Auto, das sich dann bequem starten lässt. Mit Keyless Go muss der Schlüssel lediglich in der Hosentasche sein, um den Wagen zu öffnen und zu starten. Die Technik der Gauner ist simpel, es muss kein offizieller Reichweitenverstärker für 35.000 Euro sein, wie die Zeitschrift „Auto Bild“ berichtet. Mit etwas Know-how ließen sich die Geräte für weniger als 100 Euro nachbauen.

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Das Fachblatt hat zehn Modelle verschiedener Hersteller auf ihre Diebstahlsanfälligkeit durch schlüssellose Systeme getestet. Der Verstärker befand sich versteckt in zwei Taschen: Eine wurde in der Nähe des Schlüssels platziert und verlängerte das Signal, die zweite stand neben dem Auto und fing es auf. Das Ergebnis des Tests ist verheerend: Neun Autos ließen sich in wenigen Sekunden öffnen und starten. Nur ein Mercedes C 300 Coupé widerstand der Attacke, weil der Startknopf samt Empfänger abnehmbar ist und der Wagen auf einer eher seltenen Frequenz sendet und empfängt. Außerdem ist das Modell nur mit Keyless-Start ausgerüstet, die Tür öffnet sich per Knopfdruck auf den Schlüssel.

In der Region gab es im vergangenen Juli eine Welle solcher Diebstähle wie von Geisterhand. Fast 50 Wagen waren verschwunden. Die Täter lieben schnelle Fluchtwege über Autobahnen und vierspurige Bundesstraßen, und die gibt es im Rhein-Main-Gebiet zuhauf. Der Offenbacher Polizeisprecher Ingbert Zacharias verweist jedoch darauf, dass nicht jeder Autodiebstahl eindeutig ist: „Wenn die Wagen weg sind, wissen wir natürlich nicht, wie sie gestohlen wurden. Aber der Verdacht liegt oft sehr nahe.“

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Die Industrie steht der Masche weiterhin ziemlich ratlos gegenüber. „Sie wird diese Lücke in naher Zukunft nicht schließen“, schreibt das Auto-Fachblatt. Bereits im Sommer 2015 hatte eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie auf Anfrage unserer Zeitung nur gesagt, die Hersteller stünden im „engen Dialog“ mit der Polizei.

Und was können Autobesitzer tun? Auto-Fach--Redakteur Claudius Maintz: „Am besten ist es, Keyless Go zurzeit gar nicht erst zu bestellen.“ Ebenso analog und bestechend einfach ist der Tipp, den Autoschlüssel in eine signalabweisende Keksdose aus Metall oder den Kühlschrank zu legen. Für unterwegs eignet sich auch Alufolie.

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