Leon K. - Schrecken der Bahnsteige

Eklatanter Anstieg von Automaten-Aufbrüchen

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Details eines Snack- und eines Kaltgetränkeautomaten der Firma Hofmann: Beide haben Aufbrechern nicht widerstanden. Die Geräte selbst melden Attacken übrigens umgehend an die Zentrale.

Offenbach - Er knackt und knackt und knackt. Leon K. ist 18 und der Schrecken von Automaten-Hofmann. Von Thomas Kirstein 

Teils allein, teils mit Kumpels bricht er regelmäßig Geräte der Offenbacher Firma auf, die quasi als Monopolist sämtliche Bahnhöfe und -steige der Region mit ihren Süßigkeiten- und Getränkespendern bestückt. Der junge Mann fiel der für die Bahnanlagen zuständigen Bundespolizei schon öfter in die Hände, weshalb der seit gut einem Jahr in häufigen Pressemeldungen auftauchende Automatenmarder kein namenloses Phantom ist. Automaten-Hofmann kann den Erziehungsberechtigten des Leon K. entstandene Schäden in Rechnung stellen. Aber wo halt nichts zu holen ist...

Frank Hoppe ist Technik-Chef bei Hofmann und weiß, was der unbelehrbare Ganove seine Firma kostet. Seit Juli 2014 summiert sich der Schaden, den er Leon K. zuordnet, auf fast 70.000 Euro. Die Reparatur eines jeden Geräts – und Hofmann ist vertraglich zu umgehender Instandsetzung verpflichtet – schlägt mit durchschnittlich 700 Euro zu Buche; wenn’s denn kein Totalschaden ist. „Manchmal sind in einer Nacht zwölf Automaten geknackt worden“, weiß Hoppe. Für die Wochen von Anfang Oktober bis Ende November legt er Listen mit 63 registrierten Aufbrüchen vor. Tatorte sind in Frankfurt Hauptbahnhof, Galluswarte, Lokalbahnhof, Höchst, Konstablerwache, Südbahnhof, Rödelheim, Hattersheim, in Offenbach Ledermuseum, Marktplatz, Bieber und Kaiserlei, auf der Rodgau-Strecke Obertshausen.

Mit brachialer Methode ans Geld kommen

Leon K. ist sicher nicht für alles verantwortlich, was Hofmann-Geräten zugefügt wird, wohl aber für die eklatante Steigerung der Fälle seit Mitte vergangenen Jahres. „Wir hatten immer Vandalismus, aber nie eine solche Massierung wegen einer Handvoll jugendlicher Täter“, berichtet Frank Hoppe. Oft hat Leon K. noch einen 12- und einen 16-Jährigen im Schlepptau, wie Festnahmeprotokolle der Bundespolizei belegen. Wird das Trio nicht auf oder kurz nach frischer Tat erwischt, verrät es sich durch die brachiale Methode und die Wahl der Modelle. Denn Leon K. und seine Komplizen haben es nicht auf Flüssiges oder Süßes abgesehen, sondern auf Geld; meist beträgt die Beute nicht mehr als 40 Euro.

Die geringfügigen Beträge hält Hofmann-Techniker Hoppe für einen Grund, dass er über mangelnde Hilfe des Staats klagen muss. Für die Justiz sei der tatsächliche Schaden wohl nicht ersichtlich, meint er, weswegen Leon K. immer wieder laufen gelassen werde. Festnahmen haben bei dem 18-Jährigen offensichtlich keinen pädagogischen Effekt. Er macht immer weiter; er ist inzwischen so geschickt, dass er die Geräte in Sekundenschnelle aufgehebelt und damit Zugriff auf die Geldkassette hat. „Ich zweifle am Justizsystem, der Junge weiß doch, dass ihm nichts passiert“, sagt Hoppe. Denn aus dem Verkehr zu ziehen ist der gerade volljährig gewordene Leon K. nicht. Bei der Landespolizei, zu der ihn die Bundespolizei überstellt, gilt der Offenbacher auch als „tragische Gestalt“, wie ein Sprecher meint. So eindeutig, wie die betroffene Firma das schildere, „spiegelt das unser Computer nicht wider“. Der junge Mann sei drogenabhängig, brauche Geld zur Beschaffung, sei schon öfter von seinen Eltern als vermisst gemeldet worden.

Zehn kuriose Kriminalfälle 2014 in Hessen

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Die Bundespolizei in Frankfurt führt in Sachen Automatenaufbruch sieben besonders Tatverdächtige, zu denen auch Leon K. „in vielen Fällen“ gehöre. Wird er geschnappt, geht der Fall an die Staatsanwaltschaft Offenbach. Dort bestätigt der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Axel Kreutz, dass eine Anklage wegen Einbruchsdiebstahls in Vorbereitung sei. Im Frühjahr könne es zur Verhandlung kommen. Gegen Jugendliche Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr zu erlassen, sei eher unüblich, sagt Kreutz. Wenn man jemanden einsperren wolle, seien „Verhältnismäßigkeitsgründe“ und die zu erwartende Strafe zu berücksichtigen. Möglicherweise käme bei einer Verhandlung nur ein Jugendarrest und nicht einmal eine Jugendstrafe heraus, die ja eine „schädliche Neigung“ voraussetze.

Kurz vor Weihnachten hat Frank Hoppe über weitere Automatenaufbrüche berichtet, die ins Schema passen. Leon K. knackt und knackt und knackt...

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