Sanierung würde 11,5 Millionen Euro kosten

Bahnhofspläne auf Abstellgleis

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Seit Jahren Tristesse: Für das Empfangsgebäude hat die Bahn keine Verwendung mehr, es soll verkauft werden. Barrierefreie Zugänge zu den Gleisen und weitere Modernisierungen wären nur möglich, wenn sich die Stadt mit vier Millionen Euro beteiligt, heißt es.

Offenbach - Insgesamt 1,8 Milliarden Euro will die Bahn bis 2019 in ihre Infrastruktur stecken. Was das Unternehmen am Montag stolz verkündete, muss in Offenbach einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Von Matthias Dahmer

Ausgerechnet der marodeste Großstadt-Bahnhof von allen, wo es weder Aufzüge noch Rolltreppen gibt, wo von einem Serviceangebot seit Jahren keine Rede mehr sein kann, soll kein Stück vom Sanierungskuchen abbekommen. Offenbach wird nach der Logik der Bahn dafür bestraft, dass es pleite ist. Denn modernisiert wird nur, wo die Kommune eigenes Geld beisteuert. Oberbürgermeister Horst Schneider, der gestern in einer ersten Reaktion die Bahn-Verantwortlichen angesichts der Forderung als „Witzbolde“ bezeichnet, rechnet vor: Die Gesamtkosten einer Sanierung des Hauptbahnhofs werden von der Bahn mit zirka 11,5 Millionen Euro beziffert. Die Stadt hätte davon 4,26 Millionen zu tragen, 6,44 Millionen würde das Land übernehmen, 800.000 Euro der Rhein-Main-Verkehrsverbund.

„Das können wir nicht leisten. Wo soll das Geld herkommen? Wir wissen nicht einmal, wie wir unsere Kitas und Schulen bezahlen sollen“, winkt Schneider ab. Für ihn ist die Bahnhofsmodernisierung ein Thema, das strategisch im Zuge von Planungen für eine Regional-Tangente Süd und einer Aufwertung des gesamten Umfelds angegangen werden könnte und frühestens im nächsten Jahrzehnt auf der Tagesordnung stehe.

Ein Entgegenkommen ist von der Bahn derzeit wohl nicht zu erwarten. Man sei an Vorgaben gebunden, Kommunen müssten bei den Modernisierungen Komplementärmittel aufbringen, teilt die Pressestelle gestern mit. Und natürlich: Für Gespräche sei man jederzeit offen. Die Bedeutung, die mancher Offenbacher seinem Hauptbahnhof beimisst, hat der Halt für die Bahn offenbar nicht. „Offenbach hat inklusive S-Bahn-Stationen fünf Bahnhöfe. Den Hauptbahnhof nutzen nur sechs Prozent der Reisenden“, sagt die Sprecherin.

Bereits Ende vergangenen Jahres hat die Bahn der Stadt auf deren Anfrage bezüglich der Anbindung und der Aufwertung des Hauptbahnhofs mit einem vierseitigen Schreiben geantwortet. Darin heißt es zunächst, dass aufgrund der Nähe zum Knotenbahnhof Frankfurt und der guten Nahverkehrsanbindungen auch künftig weder ICE- noch IC-Züge in Offenbach halten werden.

Was die Aufwertung des Bahnhofs angeht, listen die Bahner aber schon mal auf, was theoretisch für die genannten 11,5 Millionen Euro möglich wäre: Dazu gehört ein Neubau der drei Bahnsteige ebenso wie deren barrierefreier Zugang mittels Aufzügen sowie neue Bahnsteigüberdachungen, neue Beleuchtung und Beschallung. Eindeutig äußert sich die Bahn zur Zukunft des Empfangsgebäudes: Dafür sehe man keine sinnvolle Verwendung, heißt es. Mittelfristiges Ziel sei die Veräußerung.

Entsetzt angesichts dieser Perspektiven zeigt sich die Vorsitzende der Senioren-Union, Eleonore Glaesner. „Der Hauptbahnhof befindet sich seit Jahren in einem desolaten Zustand und ist mittlerweile einer stetig wachsenden Großstadt unwürdig“, schreibt die ehrenamtliche CDU-Politikerin. Ältere, Behinderte, aber auch Reisende mit Kindern oder schwerem Gepäck könnten die Gleise nur unter schwierigsten Bedingungen erreichen. Da müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.

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