AWO will auf ihrem Gelände nach Gießener Vorbild bauen

Bald inklusive Schule im Hainbachtal?

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Bald ein grüner Pausenhof? Im Hainbachtal könnte eine inklusive Grundschule entstehen. Die AWO prüft im Moment Finanzen und Expertise. Die Bildungseinrichtung soll sich am Modell der Sophie-Scholl-Schulen in Gießen und Hanau orientieren.

Offenbach - Bislang ist es nur eine Ideenknospe: Die Arbeiterwohlfahrt will auf ihrem Gelände im Hainbachtal eine inklusive Schule errichten. Bis dort behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden, gilt es noch einige Hürden zu überwinden. Von Sarah Neder

AWO-Geschäftsführer Thomas Ruff wählt vorsichtige Worte. Ja, es sei was dran an der Information. Ja, der Sozialverband erwäge, eine eigene Schule zu bauen. Ja, eine inklusive Grundschule, um genauer zu sein. Aber hinter all dem prange noch ein großes Fragezeichen. „Wir stehen ganz am Anfang unserer Überlegungen“, betont Ruff, „und analysieren im Moment, ob wir das machen können. Finanziell und fachlich.“ Geklärt werden müsse also nicht nur, welche Kosten auf den Träger zukämen, sondern auch, welchen personellen Aufwand man in ein solches Projekt stecken müsse. „Wir sind bisher noch in der Machbarkeitsstudie.“ Möglicher Ort und Unterrichtsmodell stehen jedoch schon fest, falls das Vorhaben klappt. Das Gebäude soll auf dem Gelände der AWO im Hainbachtal entstehen.

Beim Unterrichtsmodell will man sich an dem der Sophie-Scholl-Schulen in Gießen und Hanau orientieren. Die Einrichtung in Gießen wird vom Verein Lebenshilfe, die Hanau vom Behinderten-Werk Main-Kinzig (BWMK) getragen. Das pädagogische Prinzip fußt auf drei Säulen: Inklusion, jahrgangsübergreifender Unterricht, Ganztagsschule. So lernen zum Beispiel die erste und die zweite Klasse und die dritte und die vierte Klasse gemeinsam. „Zwei Jahrgangsstufen bilden jeweils einen Verbund“, erläutert Ruff. Die inklusive Schule, so der Geschäftsführer weiter, wäre „eine sinnvolle Ergänzung“ fürs Angebot der AWO. Bisher gibt es eine Kindertagesstätte und eine Krabbelstube im Hainbachtal. Außerdem will man damit dem Bedarf inklusiven Ganztagsunterrichts nachgehen. „Viele Kinder aus dem Kreis Offenbach besuchen die Sophie-Scholl-Schule in Hanau“, weiß Ruff. Deshalb sei eine Alternative in der Nähe vonnöten.

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Die Stadt Offenbach steht den Plänen der AWO nicht im Weg. „Es ist begrüßenswert, wenn jemand sein Spezialwissen einbringt“, findet Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß. Solche „Ersatzschulen“ seien eine Ergänzung des staatlichen Systems. Eine Konkurrenz zum geplanten Neubau der Fröbelschule („...mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und Abteilung für körperlich-motorische Entwicklung“) stellten die Pläne des Sozialverbands nicht dar, so der Stadtrat. „Das wird die Planung der Fröbelschule nicht wesentlich tangieren“, sagt Weiß. Jedoch wünsche er sich eine Absprache mit dem privaten Träger, um das städtische Angebot planen zu können. Der Bedarf an inklusivem Unterricht sei groß.

Zur Zeit nehmen in Offenbach 116 Kinder mit Lernschwäche, geistigen oder körperlichen Behinderungen am Regelunterricht teil. Dorothea Terpitz vom Netzwerk Inklusion freut sich über die Idee, eine weitere Grundschule in Offenbach zu errichten. „Der Bedarf ist riesig, die Hafenschule ist noch nicht ganz fertig und schon überfüllt, die Goetheschule platzt aus allen Nähten“, schildert sie. Die Arbeiterwohlfahrt ist Teil des Netzwerks Inklusion, dass die Umsetzung inklusiver Bildung vorantreiben will.

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