Gerüst für Haus in Hermann-Steinhäuser-Straße 17

Baufaufsicht greift durch und erzwingt Brandschutz

Offenbach - Das Haus in der Hermann-Steinhäuser-Straße 17 gilt schon lange als Paradebeispiel für Gebäude, die dank des Desinteresses ihrer Eigentümer die Entwicklung von Stadtvierteln bremsen. Zustand und fragwürdige Belegung eines Teils der 96 Wohnungen sind einer sozialen Verbesserung in der östlichen Innenstadt kaum zuträglich. Jetzt greift die Bauaufsicht durch, um den Brandschutz sicher zu stellen. Von Thomas Kirstein

Der Wohnblock Hermann-Steinhäuser-Straße 17 ist eingerüstet, damit es einen zweiten Fluchtweg gibt. Die Stadt will sich das Geld von den Wohnungseigentümern zurückholen.

An der rückwärtigen Fassade des achtstöckigen Gebäude steht seit Anfang August ein Baugerüst. Aber nicht etwa, um eine Sanierung anzugehen. Vielmehr dient es als zweiter Fluchtweg für die hinteren Wohnungen. Nicht die Eigentümergemeinschaft ließ es errichten, sondern die Stadt, „um Gefahr für Leib und Leben abzuwenden“. Es handelt sich um eine sogenannte Ersatzvornahme. Weil die eigentlich Verantwortlichen bislang nicht zu bewegen waren, den Brandschutz wie vorgeschrieben zu gewährleisten, hat die Bauaufsicht gehandelt. Die Stadt streckt dafür bis zu 40.000 Euro vor, die das Kassen- und Steueramt zurückholen soll. Im April dieses Jahres war die Wohnungseigentümergemeinschaft vom Veraltungsgerichtshof letztinstanzlich aufgefordert worden, einen fehlenden zweiten Rettungsweg herzustellen. Wie Offenbachs Feuerwehrchef Uwe Sauer erläutert, sei ein solcher notwendig, weil die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter etliche Wohnungen nicht erreichen könne: Über ein Nachbargrundstück dorthin zu gelangen, verbietet sich, weil die Tragfähigkeit einer Tiefgaragendecke nicht statisch belegt ist und die Zufahrt für das schwere Gerät sowohl zu steil als auch zu verwinkelt ist.

Lesen Sie dazu auch:

Missstände trüben Fortschritt im Mathildenviertel

Die Eigner beziehungsweise die dominierenden Besitzer mehrerer Einheiten ließen auch eine Nachfrist verstreichen. Sie verträten, so ist einer Magistratsvorlage zu entnehmen, der Meinung, ein Gefahrenzustand liege nicht vor. Kontakt mit der Bauaufsicht sei „trotz eindringlicher Bitte“ nicht aufgenommen worden. Der Hermann-Steinhäuser-Straße 17 wird nachgesagt, dass dort manche Wohnungen als Gemeinschaftsunterkünfte für Arbeitssuchende aus Südosteuropa vermietet werden. Das Ordnungsamt registrierte vor Jahren „schwer überprüfbare, weil ständig wechselnde Bewohner“. Äußerlich auffallend sind Unmengen von Satellitenschüsseln und teils mit Bretterverschlägen versehene und mit Gerümpel vollgestellte Balkone. Diese wahren Brandfallen gelten als zusätzlicher Ansporn, um auf Erfüllung der Brandschutzauflagen zu pochen.

Einer der Eigentümer-Vertreter in der Steinhäuser 17 ist indes begeistert über den Vorstoß der Bauaufsicht. „Dass so Flagge gezeigt wird, ist im Interesse der Leute, die dort wohnen“, sagt Winfried Männche, Chef der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach. Seine GBO hat vier Appartements erworben, „picobello saniert“ und an Studenten vermietet. Es habe sich um strategische Käufe für wenig Geld gehandelt, betont Männche.

Jeder Fünfte in Deutschland von Armut betroffen

Das städtische Unternehmen will dadurch Einfluss auf die Entwicklung bekommen, so wie es auch an anderen Stellen im Mathildenviertel bereits eingegriffen hat. Männche weiß aber auch, wie schwer es ist, sich gegen zwei oder drei große Vermieter durchzusetzen, die ihre Mehrheit ausspielen. Er hofft auf weitere Eingriffe der Behörde: Beispielsweise zweifelt er an der Genehmigungsfähigkeit einer Plexiglasabdeckung, die Teile des Daches ersetzt.

Jürgen Lehmann, Vize-Chef der Bauaufsicht, legt hingegen Wert auf die Feststellung, dass es bei der „Ersatzvornahme“ allein um den Brandschutz und keine weiteren strategischen Ziele gegangen sei. Noch setzt das Amt darauf, dass eine dauerhafte Lösung – das Gerüst soll nur vorübergehend stehen – erarbeitet werden kann. Scheitert das, werden einige Eigentümer kein Geld mehr mit ihren Wohnungen machen können: Dann erwägt das Amt „Nutzungsuntersagungen“ für jene Einheiten, die nicht von der Drehleiter angefahren werden können.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Rubriklistenbild: © Kirstein

Kommentare