Martin und Mohammed

Das erwartet die 4000 Gäste beim Jugendkirchentag

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Bereit für Selfies mit den Gästen: Hier noch mittels Bildbearbeitung vergrößert und eingefügt, steht am Jugendkirchentag ein circa 1,70 Meter großer Martin Luther von Playmobil auf dem Stadthof. Er ist einer von 250 Höhepunkten an den vier Tagen vom 26. bis zum 29. Mai.

Offenbach - Die Stadt wird bald für vier Tage um 4000 Jugendliche reicher sein: Vom 26. bis zum 29. Mai kommt der Jugendkirchentag nach Offenbach. Für die Gäste und Bürger gibt es ein großes Programm mit 250 Veranstaltungen. Von Christian Wachter

„Der Jugendkirchentag ist einmalig in Deutschland“, schwärmt Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Diese sei die einzige Landeskirche, die eine solche Veranstaltung stemme. Für Jung gibt es kaum eine bessere Gelegenheit, Kinder und Jugendliche für Glaubensfragen zu begeistern: „Man lernt andere kennen, sieht wie man sich einbringen kann und dass Kirche durch Zusammenwirken gemacht wird.“ Dem Kirchenpräsidenten ist dabei wichtig, dass sich die Kirche nicht auf Glaubensangelegenheiten zurückzieht. Deshalb sei gerade Offenbach ein idealer Ort. Schließlich müsse man sich auch mit Fragen der Migration und der kulturellen und religiösen Vielfalt beschäftigen. Hier treffen sich also sozusagen die Anhänger des Reformators Martin Luther mit denen des Propheten Mohammed. „Die Einladung gilt natürlich für alle, auch für jene, die der christlichen Kirche kritisch gegenüberstehen“, betont er.

Gernot Bach-Leucht, Eva Reiß, Horst Schneider, Dr. Volker Jung, Karen Emmermann und Hans-Joachim Adolph ließen sich karikieren. Die Gäste am Jugendkirchentag können es ihnen gleichtun.

Dass der Katalog zum „JUKT“ – so die offizielle Abkürzung – fast 100 Seiten dick ist und 250 Veranstaltungen wie Jugendgottesdienste, Hochseilgarten, Tauchtruck und Konzerte beinhaltet, wäre nicht möglich gewesen ohne das Organisationsteam: Das sind Laura Gleichmann (Presse), Karen Emmermann (Geschäftsführung) und Hans-Joachim Adolph (Projektleiter). Als Ende 2013 die Entscheidung fiel, dass der JUKT in Offenbach stattfindet, bezogen sie ein Büro in der Stadt und fingen mit der Planung an. Zu dritt, sagt Emmerman schmunzelnd, hätten sie aber wohl nur ein Grillfest organisieren können. „Wir brauchten viele kreative Köpfe und Helfer, haben alleine 20 Programmverantwortliche für die einzelnen Themenparks, hinzu kommen 300 ehrenamtliche Helfer und natürlich die städtischen Ämter, die Feuerwehr oder die Polizei.“ Adolph ergänzt: „Mit dem Programm wollen wir die Kirche jung und erfahrbar machen, ohne einzuengen und eine Richtung vorzugeben.“ Die Stadt, so lobt Emmermann, sei ihnen bei allen Fragen und Herausforderungen zur Seite gestanden: „Wir haben eine Stadt kennengelernt, in der es keine geschlossenen Türen gibt.“

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Diesen Ball nimmt Oberbürgermeister Horst Schneider gerne auf. Er sei selbst in einem sozialdemokratischen Haushalt mit evangelischer Sozialisation aufgewachsen. Das habe ihm geholfen, seine Grundüberzeugungen zu finden. „Deshalb finde ich es schön, dass sich der Kirchentag nicht abschottet und zum Beispiel auch eine Moschee und die Synagoge besucht werden“, so Schneider. Und er pflichtet dem EKHN-Präsidenten Jung bei: „Politik und Glaube, das müssen wirklich keine Gegensätze sein. Ich bin stolz, dass Offenbach eine Stadt ist, in der zahlreiche Kulturen und Religionen friedlich zusammenleben“

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Dass der Zeitpunkt kaum hätte besser sein können, weiß Dekanin Eva Reiß. So stehe eine Fusion mit dem evangelischen Dekanat in Frankfurt bevor und dieses Jahr sei damit wohl letzte Gelegenheit für Offenbach, alleiniger Veranstaltungsort zu sein. Man sehe, sagt sie stolz, „dass auch ein kleines Dekanat viele Menschen beeinflussen kann.“ Den Versuch, den „JUKT“ inzwei Sätzen zu erklären, übernimmt der Landesjugendpfarrer Gernot Bach-Leucht: „Das ist ein ganz besonderes Erlebnis davon, wie Gemeinde sein kann. Das ist bei mir zuhause meine Kirchengemeinde, das ist die Dekanatsjugend...und das können auch 3999 Jugendliche und ich sein.“

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