Vor allem Offenbacher Kinder gewinnen

Entenrennen: Eine Schnabellänge voraus

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Welche Ente hat am Ende den Schnabel vorne? Die Zuschauer beobachten das jedes Jahr gespannt und mit langem Atem.

Offenbach - Als ein familientaugliches Vergnügen für einen guten Zweck erwies sich das mittlerweile sechste Entenrennen auf dem Main. Der Lions Club Offenbach Lederstadt verband das am Samstag mit einem bunten Programm. Und punktete doppelt. Von Harald H. Richter 

Ein Bad in der roten Menge nehmen möchte Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider nicht, mag es für den Sozialdemokraten auch noch so verlockend klingen. Wohl aber entleert er aus luftiger Höhe über der am linksseitigen Mainufer angelegten Sperrfläche den Inhalt eines Sacks mit den letzten Plastikenten, wodurch das wabernde Starterfeld auf nahezu 6500 anwächst. Und pünktlich zur 17. Stunde des Samstags feuert der Verwaltungschef aus dem Förderkorb der Feuerwehr-Drehleiter den Startschuss ab für das 6. Duck Race des Lions Clubs Offenbach Lederstadt. Unten wird die Leine beiseite gezogen, der Entenwahnsinn nimmt seinen Lauf.

Rasch schiebt sich eine Gruppe aus überwiegend mit 2000er-Nummern gekennzeichneten Wasservögeln vor die übrige Konkurrenz und gibt den herausgeschwommenen Vorsprung bis zum Ziel nicht mehr her. Alt und Jung verfolgen den großen Spaß entlang der Strecke mit gezückten Smartphones, um die Höhepunkte des spannenden Spektakels festzuhalten. „Schwimm, Ducki, schwimm!“ ruft lachend ein Dreikäsehoch seinem Vinyl-Federvieh hinterher, vermag seinen Favoriten aber inmitten des einheitsroten Feldes nicht auszumachen. Am Ende hat denn auch ein Erpel aus der 2000er-Gruppe den Schnabel vorn und wird auf dem Ponton im Zieleinlauf von Lions-Mitglied Marcel Schator zum Sieger erklärt. Der Rechtsanwalt und Notar lässt akkurat auch die Startnummern von weiteren 49 Ankömmlingen in eine Liste eintragen, schließlich sind insgesamt 50 Gewinne ausgelobt und die wollen gleich im Anschluss ans Rennen verteilt sein.

In vorderster Reihe wartet blitzblank poliert ein schmucker Kleinwagen darauf, in Besitz genommen zu werden. Doch nicht nur die Aussicht auf diesen flotten Flitzer ist die vier Euro für den Kauf einer Startkarte wert, zumal mit dem Erlös aus der Veranstaltung mancherlei Gutes bewirkt werden soll. „Wir machen Offenbacher Kinder stark“ lautet diesmal das Motto des veranstaltenden Lions-Clubs mit Präsident Christian Plachta an der Spitze. „Begünstigen wollen wir Projekte der Erich-Kästner-, Mathilden- und Wilhelmschule sowie die Jugendarbeit der Diakonie im Mathildenviertel“, kündigt der Clubchef an. Mit der Sportgemeinschaft Wiking um Vorsitzenden Detlef Reißmann haben die Lions einmal mehr einen wasseraffinen Partner im Boot, der allerdings am Tag darauf das Drachenboot-Rennen abblasen muss. Nicht nur für den Fall der Fälle zur Stelle sind auch Arbeiter-Samariter-Bund, DLRG, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk.

Entenrennen auf dem Main 2016: Fotos

Im Beisein ihres Stadtjugendfeuerwehrwarts Sebastian Irgel werben Nachwuchsbrandschützer, wie die zwölfjährige Melissa und der ein Jahr jüngere Ilyas, an einem Stand fürs Mitmachen in ihren Reihen und führen Teile der Ausrüstung vor. Unterdessen sind die erwachsenen Kameraden Benjamin Flach und Peter Kunz bemüht, sämtlichen vor der Drehleiter der Berufsfeuerwehr geduldig Wartenden ein Mitnahmeversprechen zu geben. Schließlich bekommt man das Mainvorgelände unweit der Carl-Ulrich-Brücke nicht alle Tage von oben zu sehen. „Wir fahren die Leiter aber nicht gänzlich aus“, erklärt Kunz, „20 Meter sollten genügen, um auch den Jüngsten unter den Mutigen ein tolles Erlebnis zu schenken.“

Bodenständig wird derweil in der Hüpfburg gehopst und gepurzelt, an den Imbiss- und Getränkeständen herrscht Betrieb, und die Lions-Frauen bestücken ihr Kuchenbüffet immer wieder neu mit leckerem Gebäck. Auf der EVO-Bühne lösen zunächst die Jazz- & Soul-Musiker der Gruppe „Second Swing“ die Band der Mathildenschule bei der musikalischen Programmgestaltung ab.

Alle Gewinnernummer im Überblick: PDF-Datei

Und Planet-Radio-Moderatorin Anna-Lena Pfaff sorgt wortgewandt für die passende Überleitung hin zur Lena Liebkind, einer Comedienne der neuen Generation. Sie hat ein Heimspiel, weil in und um Offenbach aufgewachsen. Inzwischen bespaßt das Gossip Girl beim ARD-Spartensender Eins Festival die Fernsehzuschauer mit dem wöchentlichen Magazin „Shuffle“. Vom flussabwärtigen Spektakel eher unbeeindruckt zeigen sich ein paar Exemplare jener zugewanderten Gattung Federvieh, das von den Ufern des Nils kommend inzwischen auch in Offenbach Ausbreitung gefunden hat. Sie recken nur gelegentlich ihre Hälse und schnäbeln miteinander, ohne einen Schnatterlaut von sich zu geben. Das haben sie mit den mittlerweile von Helfern wieder eingesammelten roten Plastikenten gemeinsam.

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