Abiturient verliert knapp 630 Euro

Briefe mit Bankkarte und PIN-Nummer gestohlen

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Ein Einzelfall, keine neue Masche, versichert die Postbank. Für Tim in Brasilien ist das kein Trost. 

Offenbach - Es ist ein Gedanke, der wahrscheinlich bei jedem aufblitzt, der in seinem Briefkasten ein Schreiben seiner Bank mit einer neuen Bankkarte vorfindet. Von Veronika Schade

Was, wenn diese in die falschen Hände gelangt wäre? Hätte dann ein Fremder einfachen Zugriff aufs eigene Konto? So etwas passiert zwar äußerst selten – aber ausgeschlossen ist es nicht. Wie ein Fall aus Offenbach beweist. Solch eine böse Überraschung erlebte der Offenbacher Abiturient Tim de Sousa Brandt, der zurzeit seinen Jugendfreiwilligendienst in Brasilien absolviert. Zum 18. Geburtstag im Juli vergangenen Jahres und zum Abitur hatte ihm seine Familie 630 Euro überwiesen. Das Geld sollte ihm helfen, dort seinen Führerschein zu machen. Als er jedoch kurz darauf seinen Kontoauszug einsah, waren gerade mal acht Euro übrig.

„Die einzige Erklärung dafür ist, dass jemand die Briefe der Postbank mit seiner neuen Bankkarte und mit der PIN an Tims Offenbacher Adresse gestohlen hat“, schlussfolgert seine Mutter Ulrike Brandt. Weil sie befürchtet, es könnte weitere Betroffene geben, wendet sie sich an unsere Zeitung. „Einen Tag nach Tims Volljährigkeit begannen die Abbuchungen in der Filiale am Aliceplatz“, erzählt sie kopfschüttelnd. Brandt informiert sofort die Postbank und die Polizei. Beide Instanzen sprechen von einem Einzelfall. Bankkarten per Brief zu versenden, ist heutzutage eine übliche Vorgehensweise. „Aus Sicherheitsgründen verschicken wir die Karte und die PIN-Nummer mit getrennter Post und zeitlich versetzt“, sagt Postbank-Sprecherin Iris Laduch-Reichelt. „Dieses Verfahren ist grundsätzlich sicher.“ Dies zeige die geringe Zahl der Schadensfälle.

Sie vermutet, dass die Diebstähle „individuellen Gegebenheiten“ geschuldet seien: „Auf Standort und Beschaffenheit eines Briefkastens hat die Postbank leider keinen Einfluss.“ So könne ein potenzieller Dieb spontan seine Chance gewittert und zugeschlagen haben. Die Polizei gelangte bei ihren Ermittlungen zu keinem konkreten Ergebnis. „Wir haben keinen Tatverdächtigen“, sagt Polizeisprecher Rudi Neu. Es sei davon auszugehen, dass jemand die Briefe abgefangen habe. Eine Spur gebe es nicht. „Sensible Dinge wie Bankkarten oder Geld in einem Brief zu verschicken ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden“, gibt er zu bedenken.

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Die Postbank hat nach Eingang der Schadensunterlagen und der polizeilichen Anzeige den Schaden vollständig erstattet und den Betrag auf das Sparkonto des Abiturienten überwiesen. „Es war zu diesem Zeitpunkt gesperrt, das Guthaben somit vor unberechtigten Zugriffen geschützt“, sagt Laduch-Reichelt. Das Institut bedaure die Geschehnisse. Trotzdem hat die Familie Konsequenzen gezogen und alle Konten bei der Postbank aufgelöst. „Auch der Post kann ich nicht mehr trauen“, klagt Ulrike Brandt. „Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, werfe ich nichts in einen gelben Briefkasten. Wer weiß, ob die Diebe nicht im Postverteilzentrum waren.“

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