Viele Besucher auf dem Ostendplatz

Bieberer Kerb: Erhaltenswerte Tradition

+
Fünf Tage lang herrschte rund um den Ostenplatz die Bieberer Kerb. Dort begegneten sich Neubürger und Alteingesessene. Zahlreiche Buden und Fahrgeschäfte lockten. Dabei ist der Ursprung der Kerb ein besinnlicher: Es wird der Kirchweihe von St. Nikolaus gedacht. 

Offenbach - Der Duft von gebrannten Mandeln, Zuckerwatte und Gegrilltem kündigt schon von weitem rund um den Ostendplatz an, dass die Bieberer Kerb wieder einmal Einzug gehalten hat. Wie in jedem Jahr am dritten Wochenende im August standen fünf Tage lang Feiern und Spaß im Herzen von Bieber im Mittelpunkt. Von Jan Schuba

Los ging es am Freitag Abend mit dem traditionellen Zug der Vertreter der Interessengemeinschaft der Bieberer Ortsvereine (IGBOV): Treffpunkt war die katholische Kirche, von wo sich die Prozession, begleitet vom Musikzug Eintracht, von der Pfarrgasse über Oberhofstraße und Wikingerstraße zum Kerbplatz begab. Schon zu dieser feierlichen Eröffnung der Kerb war der Ostendplatz gut besucht. Der Umzug geht auf den tieferen Ursprung der Kerb zurück, der inmitten der sich drehenden Karussells und Losbuden in den Hintergrund gerät: Mit der Kerb wird der lange zurückliegenden Weihe der alten katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus gedacht, die zwischen 1701 und 1708 erbaut und um 1936 für den Neubau der heutigen Kirche abgerissen wurde. Entsprechend wurde am Kerbsonntag ein Festgottesdienst in St. Nikolaus abgehalten.

Der eher besinnliche Hintergrund der Kerb stand aber einer ausgelassenen Feier nicht im Wege: Neben dem „Flugexpress“ vergnügten sich die Kleinsten auf dem Kinderkarussell und wagten sich auch neben den Großen einmal hinters Steuer – auf dem Autoscooter. Sein Glück an der Losbude oder seine Zielsicherheit an der Schießbude auszuprobieren, gehörten für eingefleischte Kerbgänger ebenso zum Pflichtprogramm wie Lebkuchenherzen oder Crêpes. Am finalen Kerbdienstag lockten die Schausteller noch einmal mit einem „Familientag“, an dem es Tickets für die Fahrgeschäfte zum halben Preis und viele Sonderangebote an den Buden gab.

Geselliger Treffpunkt der Kerb war der Biergarten: Dort trafen sich die alteingesessenen, aber auch zugezogene Bieberer. Um die Stimmung so richtig in Gang zu bringen, stand an allen fünf Tagen ein reichhaltiges Musikprogramm auf dem Plan: Bekannte Künstler aus der Umgebung waren auf die Bühne des Festplatzes geladen worden, um den Kerbgästen mit Schlager, Pop und Oldies einzuheizen. Moderiert wurde das Programm von Hucky Reinhardt, der am Samstag Abend mit den Lokalmatadoren seiner Band Mainhattan Diesel mit Rock und Oldies die Bühne zum Beben brachte.

Kerb in Offenbach-Bieber: Bilder

Nur das Wetter wollte sich der Stimmung nicht so recht anpassen. Doch auch wenn sich ab und zu ein kleiner Regenschauer über dem Festplatz ergoss, zeigte sich Budenbetreiber Peter Stein erfreut über den Zuspruch, den die Bieberer Kerb auch 2016 für sich verbuchen konnte. Ebenso froh ist er darüber, dass sich Veränderungen im Zeitgeist nur wenig auf die Tradition der Kerb auswirken: „Wir haben Gäste, die unter der Obhut der Vereine immer mitfeiern.“ Für Kinder sei die Kerb ohnehin eine Herzensangelegenheit. Lediglich bei Heranwachsenden sieht Stein eine Veränderung. „Die gehen mittlerweile lieber auf Pokémon-Jagd“, bemerkt er schmunzelnd, fügt aber hinzu: „Wenn die dann eigene Kinder haben, dann kommen sie wieder zurück.“ Über die erhaltenswerte Tradition schienen sich auch die Gäste einig, wie ein Besucher an der Theke lehnend seufzte: „Das Schönste: Hier ist alles wie immer!“

Kommentare