Messerdrohung und Dartpfeile auf Foto der Tochter geworfen

Brandopfer erhebt schwere Vorwürfe: „Ich hatte Angst um mein Leben“

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Symbolbild

Offenbach - Wie geht man damit um, wenn der Ex-Freund die Wohnung anzündet und schwere Drohungen ausspricht? Nach dem Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Neusalzer Straße meldet sich das Opfer zu Wort, spricht über ihren „Albtraum“ und erhebt Vorwürfe gegen die Justiz. Von Steffen Müller

Die 35-jährige Frau möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie hat Angst, dass ihr oder ihrer Tochter etwas zustoßen könnte. Dennoch ist das aus Polen stammende Opfer fest entschlossen, sich zu äußern. Was war passiert? Der Brand in der Neusalzer Straße am 27. Juli, bei der die Wohnung der Frau vollständig ausbrannte und sieben Bewohner des Mehrfamilienhauses verletzt wurden, soll mit Vorsatz gelegt worden sein. Der mutmaßliche Täter soll der Ex-Freund der 35-Jährigen sein. Er wurde am Wochenende festgenommen. Sein Motiv war anscheinend Rache.

Jetzt erhebt das Opfer Vorwürfe gegen die Justiz. Denn bereits einen Tag vor dem Brand zeigte die Frau ihren ehemaligen Lebensgefährten bei der Polizei an. Ihr Ex soll sie mit einem Messer bedroht und Dartpfeile auf ein Foto mit ihrer Tochter geworfen haben. „Ich hatte Angst um mein Leben und musste mich verstecken“, berichtet die Polin. Zwar nahm die Polizei dem späteren mutmaßlichen Brandstifter die Schlüssel zur gemeinsamen Wohnung ab und sprach eine „Wegweisungsverfügung“ aus, der Mann blieb aber nicht länger in Polizeigewahrsam. Dies ist ein in der deutschen Justiz üblicher Vorgang. „Wir können nicht jeden wegen häuslicher Gewalt festnehmen“, heißt es auf Anfrage bei der Polizei. Bei solchen Delikten ermittelt in Offenbach das Fachkommissariat K12, verhört Täter und Opfer. Von Fall zu Fall wird dann bewertet, ob er nur der Wohnung verwiesen wird oder weitere Maßnahmen wie ein gerichtlicher Mindestabstand veranlasst werden. Kontrollen, ob diese Regelungen eingehalten werden, gibt es nicht. Personenschutz für das Opfer wird nicht angefordert.

Für die 35-Jährige ist nicht nachvollziehbar, dass sich ihr Ex-Freund weiter auf freiem Fuß bewegen konnte. „Er hat gedroht, dass das erst der Anfang ist. Das habe ich der Polizei auch erzählt. Die Polizisten haben aber gesagt, dass sie nichts machen können.“ Dennoch macht die Frau den Beamten keine Vorwürfe. „Sie müssen sich an das Gesetz halten. Das Gesetz ist schuld.“

Archivbilder:

Bilder: Brand in Offenbach

Einen Tag nach dem häuslichen Übergriff verstieß der Ex-Freund gegen die Verfügung und verschaffte sich Zugang zu der Wohnung, obwohl er keinen Schlüssel mehr hatte. Dort soll er im Schlafzimmer Kleidung aufgeschichtet und angezündet haben. Die 35-Jährige war zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Die Wohnung ist seit dem Brand nicht mehr bewohnbar, die Polin lebt mit ihrer Tochter derzeit bei Freunden. Auf Dauer sei das aber kein Zustand, sagt sie. Unterkriegen lassen will sie sich von dem „unschönen Vorfall“ aber nicht. „Ich bin eine Kämpferin und möchte mein Leben weiterleben.“

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