Nach Wegfall von Geschäften

Off City-Center: Publikumsmagneten fehlen

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Außen hui, innen... naja: Die schicke Glasfassade kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Off City-Center an der Berliner Straße einiges im Argen liegt.

Offenbach - Mit dem Wegfall von Bowlingbahn und Pizza-Hut hat das Off City-Center stark an Attraktivität eingebüßt. Die verbliebenen Mieter fühlen sich vom Eigentümer im Stich gelassen, sie hoffen auf mehr Engagement. Von Jenny Bieniek 

Ob Haupt- oder Seiteneingang spielt keine Rolle. Der erste Eindruck, der sich Besuchern des Off City-Centers bietet, ist hier wie dort schlecht. Von der Berliner Straße kommend dominieren gesprungenes Glas in den Türen und ein leeres Ladenlokal, von der Ludwigstraßen aus fallen zuerst eine mit Spanplatten abgedeckte Fassadenfläche und ein sich im Umbau befindliches Lokal ins Auge.

„Die Glastür ist seit mehr als einem Jahr kaputt, aber niemand fühlt sich verantwortlich“, klagt Mieter Ali Zenouzi, der unter der Treppe zum Obergeschoss seit 13 Jahren einen kleinen Schlüssel- und Schuhreparaturdienst betreibt. Von dort aus beobachtet er das tägliche Treiben im Center. „Es kommen immer weniger Leute. Nicht nur ich bin sehr enttäuscht über die Situation.“ Tatsächlich hat der „Cinemaxx-Komplex“, wie ihn viele Offenbacher nennen, schon bessere Tage gesehen. Was 1999 als 85 Millionen Mark teurer „Einkaufs- und Unterhaltungstempel“ (damaliger OP-Bericht) auf dem ehemaligen Glockenbrot-Areal eröffnet wurde, verkommt immer mehr zu einem ungeliebten Schmuddelcenter. Zwar war die Fluktuationsrate an der Berliner Straße schon immer hoch. Mieter wechselten, Schriftzüge änderten sich. Selten waren alle Flächen belegt.

Tendenz ist weiter rückläufig

„Die Zustände werden von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt Ali Zenouzi, der seit 13 Jahren im Off City-Center arbeitet.

Doch seit im Juni vergangenen Jahres erst die Bowlingbahn mit Sportsbar im Obergeschoss dicht machte und im Dezember die Pizza-Hut-Filiale folgte, ist die Tendenz weiter rückläufig. Im Treppenhaus zur Parkgarage des Centers stinkt es stark nach Urin, Obdachlose bezögen dort manchmal Quartier, so Ali Zenouzi. Manchmal funktioniere die Rolltreppe tagelang nicht, täglich fragten ihn etliche Kunden nach der Toilette, weil diese schlecht ausgeschildert sei. Die aktuellen Eigentümer des Centers, dem Vernehmen nach zwei Banken, halten sich bewusst im Hintergrund, waren zu keiner Stellungnahme bereit. Michael Scholz wurde von ihnen als Verwalter eingesetzt. Mit Informationen über mögliche Zukunftspläne hält sich Scholz zurück. Nur soviel: „Es gibt bewusst kein Center-Management.“ Auch die städtische Wirtschaftsförderung weiß nichts über die Pläne der neuen Besitzer. „Wir halten keinen Kontakt zu den Eigentümern, haben nur gehört, dass das Gebäude jüngst verkauft wurde“, sagt Amtsleiter Jürgen Amberger.

Dem Vernehmen nach strebt Lidl eine Vergrößerung an, doch bislang scheiterte das Vorhaben. Zusammen mit der Drogerie Rossmann und der Sparkasse lockt der Discounter noch die meisten Kunden ins Center. Fahrschule und Nagelstudio haben ebenso wenig Zugkraft wie das Bäckerei-Café. Lion’s Pub und Vanilla Club im Obergeschoss öffnen nur am Wochenende, sodass werktags oben nur die Spielhalle Einlass gewährt.

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Die fehlende Laufkundschaft war es auch, die den Franchise-Partner der Pizza-Hut-Filiale zum Umzug nach Frankfurt bewegte. Er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, erhebt aber schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen: „Was fehlte, war ein richtiger Businessplan. Das gesamte Zentrum wird vom Publikum nicht angenommen“, so sein Fazit der vergangenen Jahre. „Wenn Lidl und Rossmann sonntags geschlossen sind, bekam man es mit der Angst zu tun, so ausgestorben war es.“ Weil seine Filiale zuletzt nicht mehr profitabel genug gewesen sei, habe er auf eine Vertragsverlängerung verzichtet.

Selbst Cinemaxx-Leiter Andreas Kretzler, dessen Kino dank des separaten Eingangs von all dem nur bedingt betroffen ist, bemerkt die Veränderungen: „Es ist schwierig derzeit. Der Zustand des Centers hat sich in den jüngsten Wochen gefühlt enorm verschlechtert.“ Immer wieder gebe es massive Beschwerden über den Zustand des Parkhauses.

Mieter Zenouzi hofft unterdessen auf längeres kostenloses Parken für Besucher und mehr Engagement der Eigentümer: „Wir brauchen keine Disco und keine Spielhalle, sondern richtige Geschäfte, die die Leute locken.“

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