Keine Veränderungen in Region geplant

Dematic an Kion-Gruppe verkauft

Wiesbaden/Offenbach - Die Firma Dematic hat nicht nur in Offenbach eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Jetzt ist der Logistikkonzern mal wieder verkauft worden. Von Marc Kuhn 

Der Automatisierungs- und Lieferkettenspezialist Dematic mit Standorten in Offenbach und Heusenstamm bekommt einen neuen Besitzer. Das Unternehmen wird vom Gabelstapler-Hersteller Kion gekauft, wie die Firma gestern mitteilte. Die Übernahme habe keine Auswirkungen auf die Standorte in Offenbach und Heusenstamm, sagte eine Dematic-Sprecherin unserer Zeitung. Weder der Betriebsrat noch die Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat von Dematic sind über die Verkaufspläne unterrichtet worden, wie die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber, erklärte. Die Mitarbeiter würden heute informiert, berichtete der Vorsitzende des Betriebsrats, Martin Fahrendorf. In der Produktion in Waldhof sind etwa 60 Angestellte beschäftigt, in der Zentrale in Heusenstamm rund 360. Sie ist bei Dematic für etwa 600 Angestellte in Zentral-Europa zuständig.

Verkäufer von Dematic sind die Finanzinvestoren AEA Investors und Ontario Teachers’ Pension Plan. Dematic gehörte mehr als zwei Jahrzehnte zum Mannesmann-Konzern, der seine Tochter im Jahr 2000 an Siemens verkaufte. 2006 wurde Dematic von dem Finanzinvestor Triton übernommen, der das Unternehmen 2012 an den US-Investor AEA Investors and Teacher’s Private Capital, den auf Private Equity spezialisierten Teil des kanadischen Pensionsfonds Ontario Teachers’ Pension Plan, weiterreichte. Nun heißt der Besitzer Kion. An dem Unternehmen hält die chinesische Firma Weichai Power fast 40 Prozent.

Dematic hat auch in der Region eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Mehrfach wurden die Geschäftsführer ausgetauscht. Im Sommer 2008 trat Dematic in Offenbach aus der Tarifbindung aus. Die Begründung des damaligen Chefs: „Wir brauchen wettbewerbsfähige Lohn- und Gehaltsstrukturen.“ Es folgten Konflikte mit den Mitarbeitern und der IG Metall, die zu Warnstreiks führten. Ende 2008 kehrte Dematic in die Tarifbindung zurück.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Die Kion-Gruppe will laut dpa mit dem milliardenschweren Zukauf ihr Geschäft vor allem in den USA deutlich ausbauen. Kion werde für Dematic abzüglich bestimmter Verbindlichkeiten voraussichtlich einen Kaufpreis von etwa 2,1 Milliarden US-Dollar (1,85 Mrd. Euro) zahlen, teilte die im MDax notierte Gesellschaft gestern in Wiesbaden mit. Dabei geht Kion von einem Unternehmenswert von 3,25 Milliarden Dollar aus. Dematic kam mit knapp 6 000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Dollar, wovon 166 Millionen Dollar als bereinigter operativer Gewinn übrig blieben. Der Firmensitz ist in Atlanta in den USA. Kion setzte 2015 mit etwa 23.500 Mitarbeitern rund 5,1 Milliarden Euro um.

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