Deutscher Wetterdienst feiert 50 Jahre Satellitenempfang

Neues Zeitalter der Meteorologie

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Acht Bildschirme überwacht dieser Wetterdienst-Mitarbeiter. Sie zeigen unterschiedliche Satellitendaten, die der Meteorologe auswertet. Alle 15 Minuten empfängt die Zentrale an der Frankfurter Straße neue Bilder aus dem All.

Offenbach - Am 3. März 1966 betrachten Offenbacher Meteorologen zum ersten Mal das Wetter aus dem All. Blasse Wolken-Kreisel auf Foto-Papier. Längen- und Breitengrade nachträglich von Hand eingezeichnet. Mit Kurvenlineal und Tusche. Von Sarah Neder 

Diese ersten Satellitenbilder verändern die Arbeit des Deutschen Wetterdienstes (DWD) grundlegend. Bis heute. Jörg Asmus, Satellitenexperte beim DWD, hält ein quadratisches Papier in der Hand. Verblichene braune und weiße Flecken – auf den ersten Blick. Auf den zweiten: eine Aufnahme der Atmosphäre aus dem Kosmos. Der erste Satellitenbildempfang vor 50 Jahren ist für die Meteorologen gestern Anlass, in die Vergangenheit und in die Zukunft zu blicken. Denn das Jubiläum steht für eine ganzes Zeitalter technischer Innovationen.

„Das war für uns ein Riesenfortschritt“, sagt Asmus bei der gestrigen Pressekonferenz und blickt in die Vergangenheit: 1960 haben die Amerikaner den ersten Satelliten ins Universum geschickt. Das Signal war jedoch zu schlecht, um es verlässlich auszuwerten. 1965 kam Essa 2 in die Erdumlaufbahn. Um mit dem Gerät Kontakt aufnehmen zu können, wurde in Offenbach eine Antennenanlage aufgebaut, am 3. März 1966 ging sie in Betrieb. Asmus schildert: „Mit den Signalen des Satellits wurde damals Fotopapier belichtet.“ Am Tag haben die Wetterfachleute so zwei Aufnahmen aus dem All erhalten, die dann zusammengeklebt wurden. Eine Revolution für die Arbeit der Meteorologen. Zum ersten Mal konnten sie große Gebiete der Erdatmosphäre sehen.

So wird das Wetter

Seit den 1980er-Jahren funktioniert die Übertragung digital. Damals wurden die Bilder allerdings noch auf Karten gedruckt. Heute werten Mitarbeiter die Daten direkt am Bildschirm aus, die ihnen mehrere Dutzend Satelliten aus dem Kosmos schicken. Waren es vor 50 Jahren umgerechnet nur etwa 100 Kilobyte Daten, laufen heute mehrere Terabyte bei den Meteorologen ein, schätzt Jörg Asmus. Und das täglich.

DWD-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Koppert betont: „Mit dieser Technik können wir das Wetter etwa sieben bis zehn Tage voraussagen.“ Denn umso umfassender die Informationen, desto besser die Analysen. Alle zehn Jahre, so die Regel, gewinne man einen zusätzlichen Tag, sagt Koppert. Denn die Technik entwickele sich immer weiter.

Früher: Die Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes werten Satellitensignale aus. Damals noch analog.

Auch Dr. Kenneth Holmlund, Wissenschaftlicher Leiter der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT) mit Sitz in Darmstadt, ist Teilnehmer der Gesprächsrunde. Er berichtet von der Zukunft der Wetterinformation aus dem All: 2020 soll eine neue Generation Satelliten an den Start gehen. Zwölf Geräte, jedes so groß wie ein Linienbus, sollen bis 2040 nacheinander in die Umlaufbahn geschossen werden. Einige umkreisen die Erde entlang der Pole (Metop), andere entlang des Äquators (Meteosat). Die modernen Messgeräte werden nicht nur mehr Fläche abdecken, sondern zusätzlich Informationen noch schneller aus dem Orbit auf die Welt schicken können. „Wir bekommen dann zwei Bilder in fünf Minuten“, sagt Koppert vorfreudig. Derzeit dauert es noch 15 Minuten.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst: Bilder

Ein Fortschritt, den sich die 30 Mitgliedsstaaten von EUMETSAT viel Geld kosten lassen: Das Projekt ist insgesamt sechs Milliarden Euro teuer. Gezahlt wird nach Datennutzung – Deutschland ist mit 20 Prozent und 1,2 Milliarden Euro Beteiligung der größte Geldgeber des Vorhabens.

Irdische Messapparate, wie Wetterballons oder -stationen sind heute nach wie vor unverzichtbar. Trotz aller kosmischen Technik. Zwar werden nur noch rund zehn Prozent der Informationen durch althergebrachte Methoden ermittelt. „Für die Eichung der Satelliten beispielsweise sind sie aber noch wichtig“, sagt Holmlund.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst

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