Goethes Drama poppig inszeniert: Die Rockoper aus dem Harz zu Besuch in Offenbach

Live-Show: Dichterfürstlich abgerockt

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Goethes Worte sind auch heute noch unterhaltsam: „Faust – Die Rockoper“ gastierte in Offenbach. Auf dem Foto: Henrike Baumgart als Erdgeist (Mitte).

Offenbach - Goethezitate zum Mitsingen: Bei „Faust – Die Rockoper“ begeisterten sich am Wochenende hunderte Besucher im Offenbacher Capitol für die mitreißende musikalische Variante des Klassikers. Von Sebastian Krämer

Man habe einem „weniger bekannten Dichter“ und einem „selten gespielten Stück“ eine Chance geben wollen, sagte Ralph Ziegler, Leiter des Offenbacher Amts für Kulturmanagement, am Freitagabend. Dass es sich um einen der vielen Slapsticks dieses Abends handelte, war den Zuschauern im gut gefüllten Capitol wohl klar. Schließlich stand mit Goethes Faust eines der bekanntesten und bedeutendsten Werke der Literatur auf dem Programm.

Seit der Einführung der zentralen Abitur-Abschlussprüfungen in Hessen ist das Werk ein obligatorischer Bestandteil der Reifeprüfung. Kein Wunder, dass das Drama im Gewand einer Rockoper gleich zweimal an einem Tag aufgeführt wurde. In der Vorstellung am Vormittag hatten etwa 800 Abiturienten den Klängen des 23-köpfigen Ensembles gelauscht. Um dem Urteil der Studienräte gerecht zu werden, wurde auf den originalen Goethetext zurückgegriffen, wichtige Zitate wurden besonders in den Mittelpunkt gerückt.

So etwa bei dem Zitat „Hier bin ich zuhause, hier darf ich sein“: Das Publikum sollte den Satz ergänzen. Während diese altbekannten Zitate meist gesprochen wurden, kleideten Sänger und Band den restlichen Teil des Werks, wie zum Beispiel Fausts bekannten Anfangsmonolog, in rockige Arrangements. Insbesondere im ersten Teil der Show, die aus der Gelehrtentragödie bestand, herrschten schnelle Rocknummern vor, die von Manfred Hecht (Bass), Felix Bodner (Gitarre), Lucas Schneider (Drums) und Daniel Tutschek (Keyboard) souverän und mit einer ordentlichen Portion Groove vorgetragen wurden.

Anders als bei klassischen Inszenierungen, wo die Musiker meist in einem Orchestergraben vor dem Publikum verborgen musizieren, waren sie hier fester Bestandteil der Bühnenchoreographie. Nicht nur am Schluss des Stückes, wo Hecht und Bodner mit freiem Oberkörper und mit axtförmigen Gitarren sowie Henkermützen Gretchens Schicksal besiegelten.

Ärger bei Show-Einlage von Rockoper: Bilder

Stimmlich ragte an diesem Abend insbesondere Manuela Markewitz heraus, die als Grete erst nach der Pause in der sogenannten „Gretchentragödie“ ihren Auftritt hatte. Passend zu ihrer klaren und sehr gut ausgebildeten Stimme wurden die Arrangements der zweiten Hälfte wesentlich ruhiger und balladenhafter. In wunderschönen Duos zeigte sie zusammen mit Gesangspartner Tomasz Dziecielski (Faust) ihr Können. Zum echten Publikumsliebling avancierten Falko Illing (Mephisto) und Henrike Baumgart (Hexe und andere Rollen), die für ihre Auftritte vom Publikum lautstark gefeiert wurden.

Etwas ärgerlich an der sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Vorstellung waren die nicht immer glücklichen Kürzungen des Originaltextes. Trotzdem wusste die Inszenierung der Manthey Event GmbH aus dem Harz mit einer effektgeladenen Vorstellung zu gefallen, die mit einer großen Zugabe abgerundet wurde. Schließlich zeigte der zufriedene Applaus, dass auch Offenbacher dem Werk eines Frankfurters Tribut zollen können.

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