Digitale Aufbruchstimmung

Maincubes baut auf EVO-Gelände Hochleistungs-Rechenzentrum

+
Erst die Hälfte steht: Das Hochleistungs-Rechenzentrum, in dem unter anderem 50 Kilometer Kabel verlegt werden, entsteht auf dem EVO-Gelände am Goethering. Im Herbst 2017 will es Maincubes in Betrieb nehmen.

Offenbach - Das Frankfurter Unternehmen Maincubes baut auf dem Gelände der EVO ein Hochleistungs-Rechenzentrum. Das Datencenter soll im Herbst 2017 in Betrieb gehen. Mehrere hundert Gäste beklatschten gestern die Grundsteinlegung. Von Matthias Dahmer

Oliver Menzels Versprechen klingt nicht nach Bescheidenheit: Offenbach werde zum technischen Hotspot für digitale Dienstleistungen, sagt der Maincubes-Geschäftsführer in seiner Begrüßungsrede. Die ist naturgemäß garniert mit jeder Menge Werbung für seine aufstrebende Firma, die bislang Standorte in Frankfurt und Amsterdam hat. Ziel sei, ein europaweiter Rechenzentrums-Dienstleister zu werden, so Menzel. Das neue Gebäude entsteht auf einem knapp 5600 Quadratmeter großen Grundstück am Goethering und damit nur etwa 800 Meter entfernt von einem der größten Internet-Knotenpunkte (DE-CIX) in Deutschland, der sich in Fechenheim befindet. Das Datencenter soll ohne störende Säulen oder Wände auskommen und eine deutlich höhere Effizienz als klassische Rechenzentren erreichen. Innovative Kühlsysteme erlauben eine individuelle Klimatisierung, eine mehrfach gesicherte Stromversorgung und ein mehrstufiges Sicherheitssystem schützen vor Ausfällen.

Schwerstarbeit bei der Grundsteinlegung (von rechts): EVO-Technik-Vorstand Günther Weiß und Oberbürgermeister Horst Schneider heben an, Investor Markus Wiedenmann dirigiert.

Für den Standort spreche die „Dreieinigkeit von Lage, gesicherter Stromversorgung durch die EVO und hervorragender Telekommunikationsanbindung“, betont Albrecht Kraas, Technischer Direktor von Maincubes. Das Rechenzentrum werde rund um die Uhr in Betrieb sein, in dem Gebäude selbst seien künftig etwa 50 Leute tätig, so Kraas. Ein solches Rechenzentrum, beantwortet der Technik-Chef, stelle die Arbeitsumgebung für die IT von Unternehmen zur Verfügung. Weil mit der Bereistellung von Rechnerkapazitäten zunehmend Geld zu verdienen ist, tummeln sich laut Kraas allein in Frankfurt bis zu zehn namhafte Provider internationaler Unternehmen, europaweit seien es um die 20. Maincubes will da als deutsches Unternehmen mitmischen.

Wortkarg gibt sich Kraas, dessen Visitenkarte die wohl unvermeidliche englische Bezeichnung CTO (Chief Technology Officer) ziert, bei der Frage nach der Gesamtmitarbeiterzahl von Maincubes und nach den Kunden. Das könne er mit Blick auf die angepeilte Expansion und die gebotene Diskretion nicht sagen, so Kraas. Ebenfalls kein Thema bei der gestrigen Grundsteinlegung war eine bereits im März von Maincubes verbreitete Mitteilung, wonach der in Singapur ansässige Immobilien-Trust Keppel CD REIT mit der Maincubes One Immobilien GmbH & Co. KG einen Vertrag geschlossen hat, um das Offenbacher Rechenzentrum zu kaufen und an Maincubes zurückzuvermieten. Als Kaufsumme werden 84 Millionen Euro genant. Wie das Online-Magazin Data Center Insider berichtet, werden zehn Prozent der Kaufsumme vor Fertigstellung gezahlt. Vereinbart seien zudem jährliche Mietverträge, die dreimal auf je fünf Jahre verlängert werden können, also ein Bezug für 15 Jahre.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Offenbach (Teil 2)

Günther Weiß, Technik-Vorstand der EVO, nutzt die Gelegenheit, um auf die Entwicklung des regionalen Stromversorgers hinzuweisen. Das Hochleistungs-Rechenzentrum sei sichtbares Zeichen für den Wandel. Die letzte Investition auf dem EVO-Gelände, die deutlich im zweistelligen Millionenbereich gelegen habe, sei vor 30 Jahren getätigt worden, als der damalige grüne Umweltminister Joschka Fischer das EVO-Kraftwerk eingeweiht habe.

Weiß zählt auf: Seit 2010 betreibt der IT-Dienstleister Wusys ein Rechenzentrum auf dem EVO-Areal, seit 2012 testet VDE am Goethering in unmittelbarer Nachbarschaft zu Maincubes auf 2500 Quadratmetern Batterien, die Kantine der EVO sei mittlerweile eine Anlaufstelle für hungrige Beschäftigte aus dem ganzen Kaiserlei und die Alte Schlosserei etabliere sich als Veranstaltungsort.

Kommentare