Hessengeld für den Umbau

Doppel-Kreuzung soll im Kaiserleigebiet Verkehr flüssiger machen

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Mit einem Durchmesser von rund 250 Metern sei der Kaiserleikreisel das größte Rund Europas, verpassten Zeitungen dem Bauwerk zur Eröffnung im Dezember 1964 einen Superlativ. Längst ist der Kreisel zum Dauerärgernis geworden, da sich regelmäßig Staus bilden. Zwei Kreuzungen sollen ihn ersetzen.

Offenbach - So darf sich Minister Tarek Al-Wazir ruhig öfter in seiner Heimatstadt sehen lassen. Gestern hatte er reichlich Hessengeld dabei! Das Land unterstützt mit 15,6 Millionen Euro den Umbau des Kaiserleikreisels in eine Doppel-Kreuzung. Von Martin Kuhn 

Als nächstes stehen die Vergabeverfahren an. Baubeginn: frühestens Ende September. Danach brauchen Autofahrer vor allem eines: Geduld. Der Kaiserleikreisel ist ein Dauerthema beziehungsweise -ärgernis an der Nahtstelle zwischen den beiden Mainstädten. Dass er ersetzt werden soll, steht lange fest. Jetzt steht die Umsetzung des Konzeptes (siehe Kasten) an. Den Zuwendungsbescheid überreichte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gestern direkt an dem viel befahrenen Kreisel. Der Ort ist passend gewählt, schließlich zeugt die rege Bautätigkeit an der neuen Mercedes-Benz-Filiale genau davon, was den Politikern vorschwebt: Die Entwicklung des Kaiserleigebiets zu einem hochwertigen Gewerbestandort im Rhein-Main-Gebiet. Das ist mit ein Grund, warum das Land ein rein kommunales Straßenbauprojekt mit „diesem exorbitanten Betrag fördert“, so Al-Wazir. Wiesbaden hat ein „regionales Interesse“ und für das nächste Jahrzehnt „erhebliche Wachstumspotenziale“ im Kaiserlei erkannt. Ebenfalls im (Finanzierungs-) Boot ist der Bund, allerdings steht da noch die Zuwendung aus. So bleiben von den kalkulierten 37,3 Millionen Euro Baukosten am Ende etwa 1,6 Millionen an der Stadt hängen.

Dass in Offenbach ein Kreisel verschwindet, obwohl allerorts ein Rund nach dem anderen entsteht, ist für den Minister kein Widerspruch. „Wir Deutsche haben uns an Kreisel gewöhnt... aber nicht an einen Zweispurigen“, findet er. Alle bisherigen Untersuchungen und Erfahrungen zeigen, dass der Kreisel in seiner heutigen Form längst „die Leistungsfähigkeit erreicht hat“. Davon zeugen diverse bauliche Veränderungen und getrennte Abbiegespuren, die - auch das ist ein Aspekt - den Unfallschwerpunkt nicht wesentlich entschärft haben.

Alles zum Umbau am Kaiserlei auf der Themenseite

Der Umbau soll den Verkehr flüssiger machen, indem er den Verkehr zwischen den Städten Frankfurt und Offenbach einerseits und den Autobahnzubringerverkehr andererseits trennt – mit zwei separaten Kreuzungen. „Der Umbau macht den Verkehrsknoten leistungsfähiger und vor allem für Radfahrer und Fußgänger komfortabler“, so der Minister. Jetzt warnen aber bereits einige, dass das lange geplante Konzept nicht ausreicht, auch die Verkehrsströme einer möglichen Multifunktionshalle im Kaiserlei aufzunehmen. Da muss der Wirtschaftsminister doch lächeln. „Stand heute: Frankfurt hat ein Interessenbekundungsverfahren. Mehr nicht.“ Das sei bei weitem kein Signal, das Verfahren zu ändern.

„Zudem ist die verkehrliche Erschließung schriftlich vom Ministerium anerkannt“, sagt Horst Schneider. „Aber planrechtlich noch nicht festgestellt“, korrigiert Al-Wazir den Oberbürgermeister. Feinheiten, die kaum ein Außenstehender auseinander halten kann. Bleibt abzuwarten, wie die Hallenpläne auf der anderen Mainseite vorangetrieben werden.

Archivbilder

Verkehrschaos am Kaiserlei

Fest steht hingegen, dass die Stadt Offenbach bisher mit viel Lobbyarbeit ein gutes Geschäft gemacht hat – von einem rein kommunal zu finanzierenden Kreiselumbau zum Bauwerk von regionaler Bedeutung und überregionaler Finanzierung. Das Beste daran: Ist der Kaiserleikreisel dereinst Geschichte, darf die Wirtschaftsförderung gut 1,8 Hektar städtischen Grund vermarkten – spätestens. Diese Fläche zwischen A 661 und Quergebäude Strahlenbergerstraße gilt zumindest dort als 1b-Lage mitsamt einer dann verbesserten Anbindung. Das würde in das Gesamtkonzept passen.  Horst Schneider will unter dem Begriff „Stadtraum ohne Grenzen“ mit der Nachbarmetropole im Kaiserlei neue Unternehmen und Arbeitsplätze ansiedeln. Dabei setzt man nicht allein aufs Auto. Eine wichtige Weichenstellung zur Anbindung des Stadtteils ist bereits im Mai 1995 erfolgt mit der Eröffnung des Offenbacher S-Bahn-Tunnels.

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