Im Dschungel zurechtfinden

Messe hilft bei Suche nach Ausbildungsstelle und Studium

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Holger Reiß vom Anlagenbauer Zeppelin in Rödermark informiert Jugendliche auf der Vocatium Rhein-Main in der Messe Offenbach über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in seinem Unternehmen.

Offenbach - Hunderte Schüler aus dem Rhein-Main-Gebiet strömen zur Ausbildungsmesse Vocatium nach Offenbach. Sie können sich bei 93 Ausstellern informieren. Von Marc Kuhn 

Die Firma Zeppelin aus Rödermark hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Mit einer Brille können Jugendliche computergesteuert das Schweißen ausprobieren. Holger Reiß zeigt so ein Berufsbild des Anlagenbauers. Vier Lehren und zwei duale Studiengänge bietet das Unternehmen pro Jahr an, wie Ausbildungsleiter Ralph Kirchmaier sagte. Seine Firma sucht wie 92 weitere Aussteller auf der Vocatium Rhein-Main junge Leute, die sich für eine Ausbildung oder ein Studium interessieren. Unter ihnen sind Betriebe, Hoch- und Fachschulen sowie Beratungseinrichtungen - dazu gehören beispielsweise Verwaltungen, Lidl, Banken, die Bundeswehr und Firmen wie Görz. Gestern startete die Messe, heute findet sie erneut von 8.30 bis 14.45 Uhr statt. Auch nicht angemeldete Schüler können sie besuchen.

Die Vocatium wird vom Institut für Talententwicklung (IT) veranstaltet. Die neunte Fachmesse ist nach den Worten von IT-Geschäftsführer Roderich Stintzing erfolgreich. Die Zahl der beteiligten Schüler sei auf etwa 4 500 gestiegen. Rund 100 Messen organisiert das Institut jährlich in Deutschland. Es unterhält 67 Standorte. Jetzt soll nach den Worten von Stintzing ein Büro in Offenbach eröffnet werden. Für die Vocatium Rhein-Main haben Mitarbeiter etwa 60 Schulen unter anderem auch in Offenbach und Hanau, aber auch in Bad Homburg und Hofheim besucht, um die jungen Leute vorzubereiten und Termine mit den Firmen zu vereinbaren. „Dieses Konzept ist einzigartig“, lobte Horst Stein von der Deutschen Bank und hob die große Verbindlichkeit für die Jugendlichen hervor.

Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider sagte: „Ich freue mich, dass wir die Schirmherrschaft haben.“ Die Jugendlichen würden eine Orientierung bekommen, die ganz wichtig sei, erläuterte Schneider. Wegen des großen Angebots an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten seien sie oft orientierungslos, sagte Marga Klohoker von der Marienschule. Von 9 000 Studienfachrichtungen und fast 400 Ausbildungsgängen in Deutschland sprach Birgit Günther von der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach. „In dem Dschungel müssen sich die jungen Leute zurechtfinden.“

Auf die Ausbildungsmöglichkeiten auch für Frauen in der Metallindustrie machte Hans-Joachim Jungbluth, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Hessenmetall Offenbach und Osthessen, aufmerksam. Von vielen vereinbarten Gesprächsterminen am Stand der Polizei berichtete Klaus Bastian.

Im Anschluss an die Messe findet heute die Vocatium plus statt. Dabei können sich Flüchtlinge, die noch nicht oder nicht mehr im Schulbetrieb integriert sind, informieren. 16 Aussteller wollen mehr als 100 Flüchtlingen Möglichkeiten für Praktika, Ausbildung und Studium aufzeigen. „Das ist eine Besonderheit in diesem Jahr“, sagte Günther. Die Flüchtlinge würden weder das Schulsystem noch das duale Ausbildungssystem kennen. Günther berichtete aber von einem großen Interesse an dem Angebot der Ausbildungsmesse bei den jungen Flüchtlingen.

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