Einbahnstraße Elektropop

DSDS-Finalisten vor kreischenden Teenies im Capitol

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DSDS-Sieger Prince Damien

Offenbach -  Statt Gewitterwarnung mal wieder akuter Kreisch-Alarm in Offenbach. Die „Superstars“ sind da. Genauer: Ein tatsächlich gekürter, und fünf fröhliche Finalisten, die es auch fast geworden wären. Von Peter H. Müller

Wenn sie denn im Endspiel der DSDS-Castingshow die Juroren um Dieter Bohlen und die RTL-Telefon-Kommission so nachhaltig überzeugt hätten wie Sieger Prince Damien. Egal: An diesem letzten Tournee-Abend sind schließlich alle Gewinner, irgendwie. Es soll ja immer noch kritische Geister geben, denen die „erfolgreichste Musikshow der Welt“ (so das Off-Sprecher-Mantra der Recalls) noch akute Kopf-, Bauch- und zuweilen auch Augenschmerzen bereitet. Vor allem, wenn sie eher feingeistige Unterhaltung bevorzugen. Im Kloster Eberbach etwa, wo sonst Schubert, Bruckner oder Haydn beim Rheingau Musik Festival gespielt werden, hatte im April eine Finalshow der DSDS-Karawane fast zu einer Glaubenskrise geführt.

Am Ende immerhin war nicht nur klar, dass sich keiner der Äbte im Grab umgedreht hatte, sondern auch, wer von den DSDS-Kandidaten mit auf die 13 Stationen fassende Tour durfte. Da laufen sie also nun auch im Capitol ein, gemeinsam, zum Bohlen-Song „Wir heben ab“: das niederländische Stimmwunder Laura van der Elzen, das hübsche Nesthäkchen Anita Wiegand, „Was geht ab, Offenbach?“-Igor „Prank Man“ Barbosa, Quoten-Romantiker Mark Hoffmann, Rastafari Thomas Katrozan und Prince Damien, der hibbelige Schlaks mit dem Irokesen und Klebe-Nieten an der Augenbraue.

Die DSDS-Gemeinde ist bereits jetzt hin und weg: Selfie-Sticks gehen nach oben, selbstgemalte Plakate recken sich gen Himmel, es wird geschrien, was die Stimme hergibt – fast muss man Ohnmachtsanfälle befürchten, aber im Capitol ist reichlich Luft zwischen den Reihen.

Alle aus dem Sextett haben, wenn sie nicht gerade mit Duetten beschäftigt sind, natürlich auch ihren Solo-Auftritt – vorgestellt per Video-Einspieler. Zuerst darf Mark Hoffmann ran und „Nur noch kurz die Welt retten“ oder mit Philipp Poisel fragen: „Wie soll ein Mensch das ertragen?“. Dann die süße Anita mit „Addicted To You“ und dem Eric-Carmen-Oldie „All By Myself“. Igor mit „Want To Want Me“ (Jason Derulo). Man kennt das aus den Finalshows. Wenigstens sorgt „Methusalem“ Thomas Katrozan nach dem unvermeidlichen Reggae („No Woman, No Cry“) mit Westernhagens „Sexy“ für Abwechslung.

Country-Fan Laura singt dann noch Dolly Partons „Jolene“ und reißt ein ekstatisches „Proud Mary“ herunter – bevor schließlich Prince Damien, wieder in die Elektropop-Einbahnstraße biegt, „Glücksmomente“ erlebt und ein „Süßes Ding“ besingt.

Und schwupps ist es wieder da, dieses sinistre Gespenst, das uns fragt, was wohl werden wird mit diesen netten, mehr oder weniger talentierten Teenagern, wenn der RTL-Moment rum ist? Oder wenn die 14. Staffel beginnt? Oder wenn Bohlen einfach keine Lust mehr hat? Der Superstar in diesem ganzen Gemenge ist nämlich weder die Musik, noch sind es die Talente: Es war schon immer die Show selbst, Dieter inklusive.

Bilder: DSDS im Kloster Eberbach

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