140 Mal zum Mahl gebeten

Durch Aktion wurden Flüchtlinge zu Gästen in der Familie

+
Zum vorläufigen Abschluss der Flüchtlingshilfe trafen sich Gastgeber der Aktion Gastmahl für Flüchtlinge und andere in der Flüchtlingshilfe Aktive zu einem gemeinsamen Essen in der Pfarrei St. Peter.

Offenbach - Zum vorläufig letzten Mal trafen sich die „Aktion Gastmahl“. Das Land schließt die bisherige Erstaufnahmeeinrichtung in der Kaiserleistraße 19; das ehemalige Honeywell-Gebäude in der Kaiserleistraße 39 wird für späteren Bedarf vorgehalten. Von Peter Klein 

Viele Menschen haben sich in Offenbach für Flüchtlinge engagiert. Am Samstag wurden die letzten Menschen aus dem Erstaufnahmelager in Offenbach nach Hanau verlegt. Zum Abschluss trafen sich die Gastgeber der „Aktion Gastmahl“ im Gemeindesaal der Pfarrei St. Peter in Offenbach. Auch Vertreter anderer Aktionen und viele Flüchtlinge waren dabei. Neben der Hilfe sind in den letzten Monaten auch Netzwerke und Beziehungen entstanden. „I’ll miss you“, sagt Samsoon, als er sich neben Gabriele Türmer an den Tisch setzt. Der 22-Jährige Pakistani lebt jetzt in Bruchköbel. Wie viele Gastgeber haben auch die Türmers ihre Gäste zum letzten Mahl eingeladen oder mitgebracht. Sie kommen aus Kelkheim, Büdingen, Dillenburg, aber auch aus der näheren Umgebung wie Sprendlingen oder Frankfurt-Mühlberg. Aus Gästen sind Freunde geworden. Rund 140 Gastmahle hat es wohl in den letzten Monaten gegeben, schätzt Gabriele Türmer, die diese Aktion ins Leben gerufen hat. Sie sei auf der Suche gewesen nach etwas, das auch für Berufstätige machbar und ins Familienlegen integrierbar sei. Dazu beigetragen habe ihr christlicher Hintergrund, denn in der Bibel sei sehr oft die Rede vom Gastmahl.

Der Anfang aber war spontan. Als in der Messe in St. Peter ein junger Mann, offensichtlich ein Flüchtling, traurig in der letzten Reihe sitzt, denkt sich Gabriele Türmer, den kannst du doch jetzt nicht einfach nur wieder zurück in die Unterkunft schicken. Spontan lädt sie ihn zum Sonntagsessen bei der Schwiegermutter ein. Nachbarn helfen beim Dolmetschen. Richtig los geht es aber mit der Aktion Gastmahl, als sie über die Facebookgruppe Flüchtlingshilfe Offenbach beworben wird und unsere Zeitung darüber berichtet. Evelyn Weiß, die Koordinatorin der Flüchtlingshilfe in der Offenbacher Einrichtung, zeigt sich zufrieden: „Die Menschen haben für Momente ihre Sorgen und Nöte vergessen und kamen mit glücklich glänzenden Augen zurück.“

Ziel der Flüchtlingshilfe sei es gewesen, die Menschen nicht nur willkommen zu heißen, sondern ihnen auch aktiv, durch Aktionen und Projekte zu begegnen. Das sei erreicht worden, aber ohne die engagierte Unterstützung vieler Offenbacher wäre das so vielfältig nicht möglich gewesen. Evelyn Weiß wird jetzt erst einmal Überstunden abbauen und dann in einer Frankfurter Einrichtung weiterarbeiten. Unumwunden gibt die Soziologin, die früher bei der GOAB in der beruflichen Bildung gearbeitet hat, zu, dass der Beginn der Flüchtlingshilfe etwas holprig war. „Aber auch wenn es in der Bürokratie manchmal etwas gehakt hat, um so schöner war die Arbeit mit den Menschen“, sagt Evelyn Weiß.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Während Rainer M. Türmer am Grill steht, lässt seine Frau im Pfarrsaal eine Sammelbüchse herumgehen. Das Geld ist für Malham. Dem jungen Mann aus Syrien ist es sichtlich peinlich. Er hat in seiner Heimat Architektur studiert und lebt jetzt in Langenselbold. Die Türmers haben ihm ein Praktikum in einem Offenbacher Architekturbüro vermittelt. Mit dem Geld soll seine RMV-Karte bezahlt werden.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion