Sie sollen als Fluchtweg dienen und sorgen bei Mietern für Unmut

Provisorische Gerüste eine Einladung für Einbrecher?

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Mieter in der Jacques-Offenbach-Straße befürchten, dass die Gerüsttürme Einbrecher anlocken könnten.

Offenbach - Für Mieter an der Jacques-Offenbach-Straße werden Gerüste zum Ärgernis. Sie befürchten, dass sie sich eher als Einsteigehilfe für Einbrecher eignen, denn als Fluchtweg. Von Christian Wachter

„Die einen verbrennen und bei den anderen wird eingebrochen“, befürchtet Simone Metzmeier. Sie blickt aus der Eineinhalb-Zimmer-Wohnung ihrer 85-jährigen Mutter Sieglinde Hettmann im vierten Stock auf einen Gerüstturm, der dort vor einigen Wochen aufgebaut wurde. Er soll im Fall des Falles zum Lebensretter für ihre Mutter werden und ihr bei einem Brand den Weg nach unten auf die Grünanlage des Wohnkomplexes in der Jacques-Offenbach-Straße ermöglichen. Das Problem: Um auf das Gerüst zu kommen, müsste die Seniorin auf die Fensterbank klettern. Das, sagt Sieglinde Hettmann selbst, würde sie wohl kaum schaffen. Der Turm bereitet ihr aber noch aus einem anderen Grund Unbehagen. Schließlich könne man ohne weiteres von unten zu den Wohnungen hinaufsteigen, weil der Zugang nicht abgesichert sei. „Seit das Gerüst hier steht, will ich mein Fenster gar nicht mehr aufmachen, weil ich Angst habe, dass jemand einbricht.“

Ebenfalls wenig erfreut ist Günter Bargel, der in einer der unteren Wohnungen lebt. Vor seinem Balkon steht kein Gerüst, allerdings nehme ihm das nebenan zur Mittagszeit die Sonne. An die habe er sich in den 47 Jahren, in denen er hier wohne, doch so gewöhnt. „Weshalb vor den Vier-Zimmer-Wohnungen wie meiner keine Gerüste aufgebaut wurden, vor den Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen aber schon, verstehe ich auch nicht“, sagt der 75-Jährige. Ohnehin „wohnen viele ältere Menschen hier, die würden es im Ernstfall wohl nicht schaffen, zuerst ihre Fensterbank freizuräumen und dann auch noch nach unten zu kommen.“ Bargel vermutet, die Gerüste sind eine Reaktion des Vermieters auf einen Brand im fünften Stock zu Beginn des Jahres.

Eine Nachfrage beim Vermieter, der Nassauischen Heimstätte, bestätigt die Vermutung Bargels. „Vom Bauaufsichtsamt gab es die Brandschutzauflage, für einen zweiten Rettungsweg zu sorgen“, sagt Pressesprecher Jens Duffner. Kurzfristig sei das nur durch die Gerüste möglich gewesen. Er betont aber auch: „Hier handelt es sich um eine provisorische Lösung.“ Dass die Türme nur vor den kleinen Wohnungen stehen, liege daran, dass die größeren Fenster zur Straße haben und für die Feuerwehr erreichbar sind. Man arbeite aber daran, so Duffner, aus der vorübergehenden Lösung eine feste zu machen. Ob es eine Treppe oder ein zweiter Zufahrtsweg über die Grünanlage wird, soll bei einem Vor-Ort-Termin mit der Feuerwehr besprochen werden. „Wenn sich die Fachleute einig sind, werden wir das so schnell wie möglich in Angriff nehmen“, so Duffner.

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