Hit-Akkorde aus Offenbach

EM-Lied wird zum Überraschungserfolg im Netz

+
Klingt spanisch, ist aber eine Jubelhymne auf die deutsche Nationalmannschaft: Die Band Cuba Libre will mit ihrem Ohrwurm „Arriba Deutschland“ zu einem gemeinsamen friedlichen Fußballfest aufrufen.

Offenbach - Zu jeder EM gehört auch das passende Lied. Dass ihr „Arriba Deutschland“ zum Internet-Hit wird, der sogar im Radio läuft, hätte die Band Cuba Libre nicht gedacht. An der Gitarre steht der Offenbacher Michael Nießner. Von Julia Radgen 

Vor dem Erfolg im Netz stand spontanes Musizieren beim Grillfest. „Es ist absolut überraschend für uns, das hatten wir nicht im Traum erwartet“, sagt Michael Nießner rückblickend. Die Studienfreunde Alberto Garcia, Peter Scholz, Martin Brinkmann und Nießner wollten vor ein paar Wochen gemütlich mit Freunden und Familien grillen. Bevor die Steaks brutzelten, wurde musiziert. Seit 18 Jahren gibt es ihre Band Cuba Libre, in letzter Zeit war es ruhig geworden um die Musiker, die lateinamerikanische Rhythmen mit Rock und Pop verbinden.

Sänger Garcia, der ursprünglich aus Gran Canaria kommt, hatte Melodie und textliche Rohfassung für ein EM-Lied dabei. Gemeinsam feilten sie spontan daran, bis eine erste Version saß. „Dann forderten alle auf der Terrasse, wir sollten unser Lied spielen“, erinnert sich der Rumpenheimer. Die Nichte von Bassist Peter Scholz filmt das spontane Konzert auf der heimischen Terrasse, wenig später landet es im Internet. Nachdem das Grillgut verputzt ist, sind die vier neugierig. „Wir haben ein paar Stunden später nachgesehen, ob sich schon jemand das Lied angehört hat.“ 1000 Aufrufe zählten die Schulfreunde zu diesem Zeitpunkt. „Wir waren total aufgeregt und dachten ‘das gibt’s ja gar nicht’“, so der 44-Jährige. Heute, wenige Wochen später, wurde ihr „Arriba Deutschland“ eine Million Mal geklickt. „Klasse, dass es solche Kreise zieht.“

Ihr Lied wurde als Überraschungs-EM-Hit in Hessen gefeiert, Radiostationen luden die Band ein, sogar die Tagesthemen berichteten über die Koproduktion aus Offenbach, Fulda und Kassel. Denn Sänger Garcia lebt in Kassel, Bassist Scholz in Fulda, Percussionist Brinkmann mittlerweile in Bremen. Ein Termin jagte den nächsten. Auch ein Musikvideo haben sie gedreht. Wie haben sie das neben  ihren Jobs geschafft? „Keine Ahnung“, lacht Nießner, der an der Seligenstädter Einhardschule als Lehrer arbeitet. Auch Brinkmann ist Lehrer, Scholz besitzt eine Produktionsfirma und Garcia ist Freiberufler. „Meine Schüler waren begeistert“, sagt der Deutsch- und Musiklehrer. „Sie sind ja jetzt total bekannt, Herr Nießner“, befanden die internetaffinen Jugendlichen. Inzwischen bitten begeisterte Fans die Band um Erinnerungsfotos. „Das hätte ich nie gedacht“.

Gitarrist der Gruppe ist der Rumpenheimer Michael Nießner, der vom Erfolg im Internet überrascht wurde.

Der Erfolg freut Nießner zwar, aber er sagt klar: „Es ist und bleibt unser Hobby.“ Das Lied solle vor allem Lust machen, die Nationalmannschaft anzufeuern. Manch einen wundern die spanischen Versatzstücke im Text, der mediterrane Klang, der spanischstämmige Sänger. Darin soll die Botschaft des fröhlichen Jubel-Lieds liegen. „Wir wollen, dass alle sich beim Fußball friedlich zusammen freuen und es egal ist, wie jemand aussieht oder woher er kommt.“ Ihr Freund Garcia lebt seit mehr als 20 Jahren hier. „Warum soll er nicht dem deutschen Team die Daumen drücken?“ Und darüber singen. „Das Lied passt super zum multikulturellen Offenbach“, so Nießner. Hier kommen wohl mehr Fans verschiedener Nationen zusammen als irgendwo sonst.

Dabei hat das Lied Zeilen wie „Arriba Deutschland, du bist der Stolz unserer Nation“ – Worte mit Konnotation. „Wir haben lange am Text gefeilt, wir wollen solche Worte von ihrem Sockel herunterstoßen.“ Viele Deutschen hätten ein gestörtes Verhältnis zum Nationalstolz. Da käme ihre lockere „inoffizielle Hymne“ gerade recht. Arriba Deutschland gehe sofort ins Ohr. „Es ist ein Lied aus vier Akkorden mit einer eingängen Melodie“, erklärt er. Zu seiner Freude erzielt der Internet-Hit sogar pädagogische Effekt: Er behandelte im Musikunterricht solche Lieder aus vier Akkorden, Fachbegriff „Four Chord Songs“. „Wenn ihr einen Hit landen wollt, ist das das Ohrwurm-Rezept“, erklärte er seinen Schülern. Dass der Lehrer selbst einen gelandet hat, imponiert ihnen – und sollte die Lern-Motivation steigern.

Mehr zum Thema

Kommentare