An mehreren Orten entstehen kleine Gärten zum Selberernten

Essbares Offenbach

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Die drei Aktiven Janina Albrecht, Lucia Gerharz und Marcus Wöll bearbeiten den Schäfergarten.

Offenbach - Marcus Wöll ist zufrieden. An einem Sonntag haben wieder acht Leute mit angepackt und die beiden Beete auf dem Spielplatz an der Schäferstraße von Unkraut befreit und mit neuen Pflanzen bestückt. Von Anna Kirschner 

Die Aktion lief im Zuge des von ihm angestoßenen Projekts „Essbare Stadt Offenbach“. Nach dem preisgekrönten Vorbild der „Essbaren Stadt Andernach“ sollen auch in Offenbach öffentliche Gärten entstehen. Dabei gilt: Jeder kann mitmachen, und ernten darf auch, wer nicht gepflanzt hat. Den Anfang machten in Offenbach drei Pflanzenkübel vor dem Stadtteilbüro am Mathildenplatz, wo Anwohner schon Salat und Kohlrabi ernten konnten. Weiter ging es auf dem Spielplatz Schäferstraße. Dort wurden bereits am Freiwilligentag im Juni die zwei Beete angelegt und mit Tomaten, Erdbeeren, Kürbissen und Kräutern bepflanzt. Das Projekt startet in kleinen Schritten, aber Wöll ist optimistisch: „Alles braucht so seine Zeit, bis es gewachsen ist, aber wenn es wächst, dann wächst es“. Organisiert wird die Essbare Stadt derzeit von Marcus Wöll und Janina Albrecht in Kooperation mit dem städtischen Quartiersmanagement und der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach.

Bald kommen Projektgelder vom Hessischen Amt für Soziales und Integration hinzu. Dieses Geld wird für Gemeinwesenarbeit ausgeschüttet und sollen unter anderem die Integration Einzelner in den Arbeitsmarkt fördern. Das kann laut Nihad Moufadir vom Quartiersmanagement zum Beispiel durch niedrigschwellige Qualifikation in solchen Pflanzaktionen geschehen. Das gemeinsame Gärtnern lockte auch schon neue Helfer an. Einige der spielenden Kinder stiegen direkt ein und legten aus Steinen eine hübsche Beetbegrenzung. Genau das ist die Idee der Essbaren Stadt: Anwohne jeden Alters und jeder Herkunft sollen in ihren Nachbarschaften aktiv werden, um gemeinsam Zeit und Grün zu gestalten. So können Integration und Inklusion mit Gartenschaufel und Pflanzenhacke gelingen und es entstehen neue Netzwerke in den Vierteln.

Mit diesem Ziel kam auch der grüne Stadtverordnete Edmund Flößer-Zilz zum Schäfergarten. Er wollte Gleichgesinnte treffen und lud seine Mitstreiter gleich zum Zwetschgenpflücken im eigenen Garten ein. „Mir gefällt an der Aktion auch, dass die Bürger hier nicht nur direkt einbezogen sind, sondern dass das von den Bürgern selbst kommt. Es macht Sinn, seine Umgebung so zu gestalten, wie man sie sich wünscht, anstatt nur über Parkplätze zu reden. Was man in der Stadt genauso braucht sind Grünflächen und Orte, wo Menschen sich erholen können“.

Verborgene Plätze bei Julia Bauer aus Offenbach

Auch für Wöll ergibt es „einfach nur Sinn“, vorhandene Grünflächen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen: „Andernach zeigt, dass es Geld spart, wenn Bürger Grünflächen selbst bestellen, anstatt noch mehr Geld in die Pflege dieser Flächen zu investieren“. Mit der Essbaren Stadt hofft er, das Bewusstsein der Anwohner für ihr Konsumverhalten zu schärfen und Selbstversorgung im städtischen Raum wieder möglich zu machen. Vandalismus sei dabei übrigens weder in Andernach noch Offenbach bisher ein Problem gewesen.

Wer Interesse an der Essbaren Stadt Offenbach hat, kann sich direkt an Marcus Wöll unter Tel.: 0163/4717096 oder woell@smc-rhein-sieg.de wenden. Außerdem informieren er und Janina Albrecht über die Facebookseite „Essbare Stadt Offenbach“ über alle Termine. Die nächste Aktion wird am kommenden Sonntag, 4. September, von 14 bis 18 Uhr wieder auf dem Spielplatz Schäferstraße stattfinden. Dann sollen Hochbeete gebaut, bemalt und bepflanzt werden. Danach ist Mitte September die Gestaltung des Nordend-Gartens am Goetheplatz an der Reihe.

Bilder: Blumenmeer in Offenbach bei Jasmin Priskornik

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