Dritter Prozesstag am Landgericht Darmstadt

Fall Mark Herbert: Zeuge belastet Angeklagten schwer

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Der Angeklagte Sven R. während des Prozessauftaktes.

Offenbach/Darmstadt - Vor dem Darmstädter Landgericht entsteht immer mehr das Bild eines brutalen Schlägers. Der Angeklagte soll nach einer perfiden Masche gehandelt und regelmäßig auf wehrlose Betrunkene eingeprügelt haben. So schildert es ein Zeuge am dritten Verhandlungstag.

Tobias L., blonder Zopf, Brille, Bart, braunes Hemd, sitzt mit rundem Rücken im Zeugenstand. Er wirkt schüchtern, spricht mit leiser Stimme. L. sagt heute gegen seinen ehemaligen Kumpel Sven R. aus, der im August 2012 einen Mann in den Rollstuhl geprügelt haben soll. Der Geschädigte heißt Mark Herbert. Viele Menschen wissen um sein Schicksal. Laut Tobias L. soll es aber weitere Opfer von Sven R. geben, deren Namen niemand kennt. Vor etwa acht Jahren stößt Tobias L. zum Freundeskreis von Sven R. Alle gehören einer etwas radikaleren Fanszene der Offenbacher Kickers an. Man trifft sich regelmäßig zu Spielen und in der Kneipe, trinkt, manche nehmen auch Drogen. „Zuerst habe ich Sven als sehr freundlich, nett und offen wahrgenommen“, sagt L., betont dann aber: „Als ich ihn kennengelernt habe, habe ich gemerkt, dass er sehr aggressiv und ein menschenfeindlicher Kerl ist.“

Das Schöffengericht um Vorsitzende Dr. Sonja Feiden (Zweite v.l.) hat gestern Zeugen zum Fall Mark Herbert gehört. 

R. habe sich regelmäßig in Kneipen geprügelt, berichtet der Zeuge. Stets sei der Ärger von ihm ausgegangen, immer nach ein und derselben Masche: R. habe sich einen Betrunkenen ausgesucht, ihm eine Frage gestellt, draufgehauen. „So lange, bis sich sein Gegenüber nicht mehr wehren konnte“, beschreibt L. Teilweise sollen die Opfer derart betrunken gewesen sein, dass sie nicht mehr gerade laufen konnten. „Zunächst fand ich es cool, dass alle Angst vor ihm haben“, sagt L. Später habe er Mitleid für die Opfer empfunden. Im Sommer 2010 kappt er den Kontakt zu R., der mit einer Tracht Prügel rächt. Zwei Jahre später hört Tobias L. von dem Vorfall am Aussichtsturm, sieht das Phantombild. Und erkennt die Masche seines ehemaligen Freundes wieder. „Ich war war an dem Tag nicht dort, aber ich weiß, wer es war, das alles hat auf R. gepasst“, erinnert sich der 30-Jährige. Im April 2013 sagt er bei der Polizei gegen Sven R. aus.

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Am dritten Prozesstag werden weitere Bekannte des Angeklagten vernommen. Etwa Martin D. und Melina S., die zusammen mit R. am Tatort, dem Aussichtsturmfest in Bieber, waren. Die Erinnerungen von S. sind lückenhaft. Sie betont, dass der Vorfall schon so lange her sei. Genaue Schilderungen sind schwierig. Mark Herbert habe sie und ihre Freundin angepöbelt. „Sven hat ihn höflich gebeten, zu gehen“, sagt sie.

Martin D., der R. „vom Fußball“ kenne, könne sich an keine Beleidigungen erinnern. Er habe damals mitbekommen, dass R. mit einem Fremden vom Turm gegangen sei. Später habe er den Krankenwagen gesehen. Die Tat selbst habe er nicht erlebt. „Wir haben danach nicht mehr über das Ganze geredet“, stellt D. klar.

Bilder: Prozess gegen Schläger von Mark Herbert 

Auch Andreas K. war am 25. August vor vier Jahren auf dem Aussichtsturmfest. Er kenne R. vom Fußball, früher sei der Kontakt enger gewesen, sie hätten sich in Kneipen getroffen, gemeinsam geboxt. Er habe R. damals nicht auf dem Fest gesehen, sagt K. Das Opfer hingegen schon: „Ich habe gedacht, der hätte eine abgekriegt und macht ’ne Show“, erinnert sich K.

Ein anderer Zeuge, der am zweiten Prozesstag ausgesagt hatte, berichtete, dass K.s damals vier Jahre alter Sohn gewusst habe, wer der Täter sei. Das streitet K. gestern jedoch ab. Richterin Dr. Sonja Feiden bohrt nach und zitiert aus einer vorherigen richterlichen Anhörung, bei der K.s Sohn den Namen Sven erwähnt haben soll. Drauf erwidert K.: „Es gibt viele Svens in unserem Freundeskreis.“

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