Auf dem Fernwärme-Markt fehlt Kontrolle

Kommentar: Regionaler Dialog gefragt

Was auf den anderen Energiemärkten längst selbstverständlich ist, fehlt auf dem Fernwärme-Markt: nämlich Kontrolle und Konkurrenz. Deshalb ist es zu begrüßen, dass nun die Preisgestaltung der Anbieter vor Gericht genauer unter die Lupe genommen wird. Von Achim Lederle

Getroffen hat es die EVO und die EVD, aber auch jeder andere Fernwärme-Anbieter hätte vor den Kadi gezerrt werden können. Das Problem ist nämlich kein regionales, sondern ein bundesweites. „Der Fernwärme-Markt ist einer der letzten unregulierten Monopolmärkte“, sagt Verbraucherzentralen-Chef Klaus Müller. Verbraucherschützer fordern seit Langem eine gesetzliche Pflicht für Anbieter, ihre Preise detailliert offenzulegen, sowie mehr Wettbewerb und verständlichere Rechnungen.

Schließlich heizt jeder siebte Haushalt in Deutschland mit Fernwärme, und nach Berechnungen der Verbraucherschützer heizen diese Kunden am teuersten: Seit 2010 seien die Preise überdurchschnittlich um etwa 20 Prozent gestiegen.

Die Wut unter den Fernwärme-Kunden ist groß, wie auch die Gründung der Interessengemeinschaft Gravenbruch bewiesen hat. Jetzt haben die Kunden in der Dachorganisation der Verbraucherverbände einen prominenten Unterstützer. Mit dem Gang vor Gericht könnte Bewegung in den Streit kommen.

Wer allerdings schnelle Ergebnisse erwartet, dürfte enttäuscht werden. Die Gerichts-Mühlen mahlen bekanntlich langsam, und Experten sehen bereits voraus, dass der „Fall Fernwärme“ erst vom Bundesgerichtshof entschieden werden könnte. Umso wichtiger ist, dass Anbieter und Kunden jetzt aufeinander zugehen. Die EVO hat gestern angekündigt, die Fernwärme-Preise zum 1. Oktober zu senken und durch die Vermittlung des Neu-Isenburger Bürgermeisters Herbert Hunkel eine weitere Zusammenarbeit mit der IG Gravenbruch vereinbart zu haben. Beim Warten auf das Gerichtsurteil ist sicher der regionale Dialog ein probater Weg, um den Streit zu schlichten.

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