Sicherheitsdienst, Nato-Draht und Co.

Festung für Plastik und Glas in Offenbach 

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Wachhund im Metallkäfig, dazu Kameras und Nato-Draht: Wie hier an der Sprendlinger Landstraße greifen Getränkehändler nicht nur in Offenbach tief in die Tasche, um ihr im Freien gelagertes Leergut vor Diebstahl zu schützen. Die Rechnung scheint aufzugehen: Die Zahl der Fälle ist seit 2013 rückläufig.

Offenbach - Sicherheitsdienst, Kameras, Bewegungsmelder, Nato-Draht. Wer glaubt, dass damit teurer Schmuck oder hochpreisige Limousinen vor Diebstahl geschützt werden sollen, der irrt. Von Jenny Bieniek 

Tatsächlich sind es Offenbacher Getränkehändler, die im Kampf gegen Leergut-Diebe keine Kosten und Mühen mehr scheuen. Ob in Bieber, Bürgel oder Lauterborn - wo Kisten und Flaschen im Freien lagern, sind sie potenzielles Ziel von Gaunern, die schnelle Beute wittern. „Zwischen 2006 und Mitte 2012 sind mir mehr als 18.000 Euro Schaden entstanden - allein durch geklautes Leergut“, hat Martin Fertig nachgerechnet, der die Trinkgut-Filiale an der Sprendlinger Landstraße betreibt. Hinzu kamen rund 6000 Euro Reparaturkosten für aufgeschnittene Zäune, eine aufgehebelte Tür und ein aufgebrochenes Schloss. Als sich die Vorfälle im Jahr 2012 übermäßig häuften, zog Fertig Konsequenzen und rüstete auf. Als besonders effektiv haben sich dabei die beiden Hunde erwiesen, die seither über Kisten und Flaschen wachen.

Dass Leergutdiebstahl im Jahr 2012 Hochsaison hatte, bestätigt Polizeisprecher Henry Faltin. Seine Statistik listet 27 vollendete Einbrüche auf, die in Zusammenhang mit Leergut standen. Wobei darunter sogenannter einfacher Diebstahl fällt, etwa, wenn „im Vorbeigehen“ zwei Kisten vorm Markt mitgenommen werden. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es sieben Delikte, für 2013 stehen 18 Vorfälle im Register. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand. Die Gauner haben es vor allem auf leicht zu transportierendes Plastik abgesehen. Ursula Nerlich von Getränke Zilch kann davon ein Lied singen. Ihre Filiale in Bieber ist das letzte Grundstück vor Feldern und Kleingärten - und damit besonders gefährdet. „Deshalb haben wir ringsherum einen 1,90 Meter hohen Zaun mit Draht sowie Dauerbeleuchtung im Hof installiert.“ Auch dort sind Hunde mittlerweile angeschafft, um potenzielle Einbrecher abzuschrecken.

In ihrer Bürgeler Filiale haben Unbekannte zuletzt eine schwere Tür aufgehebelt und damit „mehr Schaden verursacht, als sie an Beutewert mitgenommen haben“, bedauert die Geschäftsfrau. Für sie besonders ärgerlich: „Der Schaden ist nicht immens, pro Fall meist weniger als 200 Euro.“ Zurück bleibe aber das Gefühl, dass Fremde aufs Grundstück eindringen. „Und die meist jugendlichen Täter bekommen von der Richterin dann ein ‘Dudu’ und das war’s.“ Auch bei K&K Getränke verzeichnet man regelmäßig Einbrüche. „Das ist ein wiederkehrendes Branchenproblem. Mal ist wochenlang nichts, dann passiert’s innerhalb von drei Wochen fünfmal“, sagt Logistikleiter Dennis Müller. Seine Chefs reagierten mit Kameras, Bewegungsmeldern und einem Sicherheitsdienst. „Früher wurden oft die schweren Alu-Bierfässer geklaut“, weiß Müller. Weil diese inzwischen aber schwer loszukriegen seien, klauten die Diebe säckeweise 25-Cent-PET-Flaschen. „Die können ein paar Meter weiter anonym am nächsten Automaten abgegeben werden.“

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Ähnlich sieht das die Polizei. In der Regel handele es sich bei Leergutdiebstahl nicht um professionelle Banden, wenngleich es Fälle gebe, in denen die Kriminellen mit einem Transporter vorfahren und im großen Stil das Lager räumten. „Meistens sind es aber ortsnahe Täter, die ihre Beute schnell wieder loswerden wollen“, weiß Henry Faltin. Auch Hans Peter Kampfmann hat seine Leergutfläche abgeriegelt. Für rund 50.000 Euro hat er Nato-Draht gespannt, einen 2,60 Meter hohen Stahlmattenzaun montiert und die Fenster mit Sicherheitsfolie präpariert. „Seitdem ist Ruhe.“ Immer wieder waren in der Vergangenheit Diebe über die Friedhofsmauer auf sein Grundstück gelangt - trotz Stacheldraht und mit teils abenteuerlichen Methoden. Die jüngsten Versuche aber scheiterten. Dass die meisten Verfahren gegen geschnappte Täter wieder eingestellt werden, versteht Kampfmann nicht: „Das ist doch kein Kavaliersdelikt.“

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