„Meine Ausbildung – Du führst Regie“

Filmpreis für August-Bebel-Schüler

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Zwölftklässler der August-Bebel-Schule haben mit Lehrer Uwe Winter (Zweiter von rechts) den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis des Filmwettbewerbs „Meine Ausbildung – Du führst Regie“ gewonnen. Dr. Frank Schillinger vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen überreichte den Preis

Offenbach - Der Video-Kunstkurs der August-Bebel-Schule in Offenbach hat sich beim Filmwettbewerb „Meine Ausbildung – Du führst Regie“ gegen fast 70 Konkurrenten aus ganz Hessen behauptet und den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis gewonnen. Von Harald H. Richter

Beim Hessischen Rundfunk fand gestern die live im Internet übertragene Preisverleihung statt. In fünf von sechs Kategorien stehen die Sieger fest – für die beste Story sowie schauspielerische Leistung, für Innovation, Inklusion und als Newcomer. Jedes Mal aber ist der Name ihrer Schule nicht aufgerufen worden. „Eine Chance haben wir noch“, hoffen Marie Finmanns und Kirsten Kuss nach wie vor daumendrückend. Aber in ihren Gesichtern macht sich Skepsis breit.

Wie die beiden Mädchen sind auch die Mitschüler Mirco Max Lilge, Pia Ewald, Jessica Fischer sowie Sarah Jacob und Fachlehrer Uwe Winter merklich angespannt. Als jedoch die Radiomoderatoren Andrea Losleben und Johannes Sassenroth verkünden: „Der Preis für den besten Film geht an die August-Bebel-Schule Offenbach“, ist der Jubel groß. Freudestrahlend wird abgeklatscht und einander umarmt. Schon bittet man die glorreichen Sieben auf die Bühne, damit sie die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung entgegennehmen können.

Zum achten Mal hat der Hessische Rundfunk den Wettbewerb „Meine Ausbildung – Du führst Regie“ in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium und weiteren Unterstützern veranstaltet. Er geht auf eine Initiative von TV-Redakteur Joachim Meißner zurück.

Fast 70 Schulen aus ganz Hessen haben sich der Herausforderung gestellt, die Ausbildungssituation junger Menschen filmisch aufzubereiten. 18 Teams sind nach Vorselektion einer Jugendjury bis in die Endauswahl gekommen. Darunter ist auch der Video-Kunstkurs der beruflichen August-Bebel-Schule des Kreises in Offenbach. Einem siebenköpfigen Expertengremium oblag es, die Besten in sechs Kategorien zu bestimmen.

Zweimal räumen Schulen aus Frankfurt ab, je einmal Teams aus Rüsselsheim, Seeheim-Jugenheim, Trebur und eben die Offenbacher Berufsschüler mit ihrem Beitrag in der Kategorie „Bester Film“.

Alle Finalisten füllen gestern Mittag den Sendesaal des Hessischen Rundfunks. Per Livestream wird die Preisverleihung im Internet übertragen, so dass auch Altersgenossen, die daheim die Schulbank drücken, etwas vom Glanz dieses Ereignisses mitbekommen. Sie verfolgen, wie Dr. Frank Schillinger vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen den Jugendlichen der Offenbacher Berufsschule die Filmdose überreicht. Darin ist aber nicht der auf den vierstelligen Betrag ausgestellte Scheck enthalten, der wird separat zugestellt, sondern Dutzende schokoladene Euro-Münzen, von denen im Anschluss an die Feier genascht werden darf. Zuvor sehen die fast 200 Gäste, unter ihnen Hessens Kultusminister Professor Alexander Lorz, den prämierten Film „Mach, was in dir steckt!“

Bilder: Abiball der August-Bebel-Schule

Kurz und knackig wird in zwei Minuten auf den Punkt gebracht, worum es den filmbegeisterten Zwölftklässlern geht. Gezeigt wird ein Karrieremensch, dem sein Job als Manager alles andere als behagt und der viel lieber Bäcker geworden wäre. Man sieht ihn in seinem Büro vor der Skyline Frankfurts am Schreibtisch Brotteig kneten. „Die Jugendlichen wollen dazu ermuntern, dem Herzen zu folgen und sich für einen Job zu entscheiden, der ausfüllt und zufrieden stellt“, begründet Lehrer Uwe Winter, warum seine Schützlinge das Thema so und nicht anders umgesetzt haben. Gedreht wurde in einem Konferenzraum der 18. Büroetage des Messetowers.

Die 16 bis 18 Jahre alten Jugendlichen – sie sind in Offenbach, Bad Vilbel, Gelnhausen, Linsengericht und Seligenstadt verortet – haben ihre Idee erst in diesem Unterrichtshalbjahr umgesetzt. „Zuvor stand eine interaktive Kunstinstallation auf dem Lehrplan.“ Und das notwendige Werkzeug, sprich die Filmausrüstung, stand durch die Schule bereits in der Jahrgangsstufe 11 zur Verfügung.

Für das Sextett ist es die erste Teilnahme an einem so ambitionierten Filmprojekt. Dass sie auf Anhieb den Hauptpreis gewinnen, erfüllt die Jugendlichen mit besonderem Stolz, und die Jury-Begründung geht ihnen runter wie Öl. „Euer Film hat uns begeistert aufgrund seiner inhaltlichen Reife, visuellen Perfektion und seiner kreativen Prägnanz – und das alles in nur zwei Minuten.“ Mirco Max Lilge wird fast ein bisschen rot, als er das hört. Denn er hat die Kamera geführt und ist für den Schnitt verantwortlich gewesen. Klare Sache, dass er nach Ende seiner Zeit an der August-Bebel-Schule einen Beruf in der Medienbranche anstrebt. Und er nutzt die Gelegenheit, beim Smalltalk nach der Zeremonie erste Kontakte zu knüpfen. Schließlich ist man ja nicht oft bei einem Fernsehsender zu Gast.

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