Entlastung für die Angehörigen

Freiwilligenprojekt „Auszeit“ betreut an Demenz erkrankte Menschen

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Das Team der Ehrenamtlichen, das sich im Projekt „Auszeit“ um Demenzkranke kümmert. Stadtrat Felix Schwenke (hinten, 2. von rechts) und Ehrenamtsbeauftragter Reinhard Knecht (hinten links) würdigten zum zehnjährigen Bestehen das Engagement.

Offenbach - Seit zehn Jahren gibt es in Offenbach eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke, die sich als Entlastung für pflegende Angehörige begreift. Das Freiwilligenprojekt „Auszeit“ ist wichtiger Baustein eines ambulanten Versorgungspakets. Von Harald H. Richter 

Der sanfte und auf die Zuhörer fast träumerisch wirkende Klang, den Talib Richard Vogel mit Stücken von Francisco Tárrega und Heitor Villa-Lobos in einfühlsam-zärtlichem Spiel seiner Gitarre entlockt, verleihen der Feier einen stimmungsvollen Rahmen. Und Einfühlsamkeit ist auch die Stichwortgabe für das, was seit 2006 in beständigem Turnus Freiwillige in Offenbach für Menschen aufbringen, denen eine schleichende Krankheit ihr Ich raubt. Das vom Freiwilligenzentrum Offenbach betriebene Projekt „Auszeit“ versteht sich als niedrigschwelliges Angebot, um Angehörige von demenziell Erkrankten zwei Mal pro Woche stundenweise zu entlasten und ihnen eine Pause zu gönnen. Die Nahestehenden wissen sie in dieser Zeit fürsorglich betreut und in guter Gesellschaft.

„Oftmals geraten Partner oder verwandte Bezugspersonen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, denn eine demenzielle Hauspflege erfordert eine Menge Kraft und vor allem viel Zeit“, hebt Stadtrat Dr. Felix Schwenke bei der Feierstunde zum Zehnjährigen im Café Frieda hervor. „Umso schöner ist es daher, wenn ihnen zwei Mal in der Woche die Möglichkeit gegeben wird, ganz auf sich konzentriert zu sein, Zerstreuung zu finden oder einfach nur auszuspannen.“ Das Freiwilligenzentrum mit seinem Team aus Ehrenamtlichen schaffe dafür die Voraussetzung. Die kommunale Fachstelle für ältere und Menschen mit Behinderung, die Arbeiterwohlfahrt und die Betreuungsgesellschaft Tempelsee im Emil-Renk-Haus trügen wesentlich zum Gelingen der Projektinhalte bei.

Sigrid Jacob, Leiterin des Freiwilligenzentrums, schildert anschaulich, wie die Zusammenkünfte dienstags beziehungsweise donnerstags für die Menschen mit Demenz ablaufen. „Durch einen Fahrdienst von daheim abgeholt, werden unsere Gäste meist mit einer Tasse Tee oder einer Erfrischung willkommen geheißen. Man spricht über das, was ich seit der vorigen Begegnung ereignet hat, es wird gemeinsam gesungen, mitunter ein jahreszeitliches Thema diskutiert.“ Auch nutze man die Möglichkeit, gemeinsam beim Bäcker in der Nähe den Kuchen für die Kaffeestunde zu besorgen. Spiele, Bewegung auf Musik und gelegentlich eine wohltuende Massage gehörten zum Programm.

Nicht nur Betroffene und ihre Familien wüssten den Wert einer Auszeit zu schätzen. „Das Projekt tut mir gut. Jedes Mal, wenn ich nach Hause gehe, fühle ich mich innerlich befriedigt“, zitiert Jacob die Einschätzung eines Teammitglieds. „Das Leben wird für einen Nachmittag entschleunigt.“ Mit solchen und weiteren Aussagen ist eine bebilderte Info-Tafel plakatiert, die auch die Ehrenamtlichen abbildet. „Wer einmal im Team ist, bleibt es für lange Zeit“, sagt Jacob und richtet ebenso wie Stadtrat Schwenke ihren Dank „an alle, die voller Zugewandtheit und Empathie die Nachmittage mit unseren Gästen gestalten“. Dass sie die Menschen mit Demenz liebevoll annähmen und sich für ein Engagement entschieden hätten, was nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit darstelle, sei anerkennenswert.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Das bekräftigt auch Ehrenamtsbeauftragter Reinhard Knecht, der nicht nur einen Scheck überreicht, sondern besonders verdiente Freiwillige mit süßen Spezialitäten beschenkt. „Ihr Eintreten für Andere ist Ausdruck eines gelebten Miteinanders in unserer Stadt“, betont er. Knecht nutzt die Gelegenheit, Wolfgang Limberger die Ehrenamts-Card zu überreichen. Dieses Exemplar ist die 580. ausgegebene Karte, mit der freiwilliges Engagement belohnt wird. Sie bietet dem Inhaber etliche Vergünstigungen, etwa beim Besuch von Veranstaltungen.

Aus dem „Auszeit“-Projekt ist inzwischen ein weiteres Betreuungsangebot hervorgegangen, das sich an Menschen mit Demenz und deren Partner wendet. „Wir haben mit dem KaffeeKranz im Mehrgenerationenhaus an der Weikertsblochstraße einen Ort geschaffen, an dem beide Parteien Qualitätszeit miteinander verbringen können“, so Sigrid Jacob. Dort trifft man sich mittwochs, Ansprechpartnerin ist Eva Kamm. Zum 21. Juni wird ein Sommerfest für Gäste und Angehörige vorbereitet, bei dem nochmals an das zehnjährige Bestehen des „Auszeit“-Projekts erinnert wird.

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