Offenbacher Staustufe ist eine von vielen, die den Main konstant schiffbar macht

Früher Sumpf, heute Schleuse

+
Maximal 11,45 Meter darf ein Schiff breit sein, das durch die zwölf und 13 Meter breiten Schleusen an der Offenbacher Staustufe fahren möchte.

Offenbach - Dass der Main überhaupt durchgängig und regelmäßig schiffbar ist, liegt an insgesamt 34 Staustufen. Die Tage der Industriekultur geben einen Einblick in die Arbeit in der Offenbacher Schleuse. Von Christian Wachter

So viel sich in den letzten Jahrhunderten auch geändert haben mag, erzählt Bernd Konze, eines sei gleich geblieben: Ein großer Teil der Massengüter, die wir zum täglichen Leben brauchen, werde immer noch über den Wasserweg transportiert. Ob Getreide, Stahl oder Kraftstoffe. Konze muss es wissen. Der gelernte Wasserbauer ist Schichtleiter an der Staustufe in Offenbach, für die das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg zuständig ist. Auf 185 Kilometern regelt es den Schiffsverkehr von der Mainmündung in den Rhein bis Rothenfels im Spessart. Die Offenbacher kümmern sich um die Strecke von Frankfurt bis Hanau. Bei einer Führung der „Tage der Industriekultur Rhein-Main“ berichtet Konze seinem Publikum zwei Stunden lang ganz ohne Notizen, was es mit den drei Schleusenkammern und den vier Wehrpfeilern unweit der Kaiserleibrücke auf sich hat. Die Hauptaufgabe von ihm und seinen Kollegen will Konze nicht missverstanden wissen: „Wir sind nicht der Hochwasserschutz, sondern sorgen dafür, dass der Main schiffbar und immer genügend Wasser vorhanden ist.“

Zwischen den Wehrpfeilern in der Mitte ist eine sogenannte Fischbauchklappe angebracht. Außen befinden sich die Stauwalzen. Der Aufbau dient der Wasserstandsregulierung.

Würde man den Wasserstand nicht mit den zwei Stauwalzen und einer sogenannten Fischbauchklappe regulieren, würde er wohl nur ungefähr 40 Zentimeter betragen, erklärt Konze. So könne man sicherstellen, dass die Fahrrinnentiefe immer mindestens 2,90 Meter beträgt. Er erläutert auch die Funktionsweise der Schleusen: Bei einer „Schleusung zu Tal“, das heißt, wenn ein Schiff von Offenbach Richtung Frankfurt fährt, wird der Wasserspiegel abgesenkt, sobald das Schiff in eine Schleusenkammer gefahren ist. Bei der „Schleusung zu Berg“ verhält es sich andersherum, und die Kammer wird mit Wasser befüllt.

Das Schiff schläft nie: Feiern auf einer Full Metal Cruise

Rund 50 Schiffe passieren so täglich die Schleuse. Dafür, dass es nicht zu Staus kommt und niemand lange warten muss, sorgen Konze und seine Kollegen in der Leitzentrale am Ufer und sind dabei auch für die Schleuse in Mühlheim zuständig, die sie - wie die in Offenbach - genau auf ihren Monitoren beobachten können. Gearbeitet wird rund um die Uhr in drei Schichten. Per Funk wird der Kontakt zu den Waren- und Passagierschiffen hergestellt und mitgeteilt, wann sie in die Schleuse fahren können. Für Sportschiffe gibt es eine gesonderte Schleuse, bei der man ohne Funkkontakt auskommt.

Himmel, Meer und Hologramme: Was die "Mein Schiff 5" bietet

Gewappnet wäre man auch bei einem Stromausfall: Wie die meisten Staustufen, hat auch die in Offenbach ein Wasserkraftwerk. Dass die Staustufe auf der Höhe des Frankfurter Osthafens steht, ist keinesfalls nur pragmatischen Gründen geschuldet. Denn eigentlich, so Konze, hätte man sie besser ein Stück flussaufwärts errichten sollen, weil dort ein großer Felsen im Main vieles einfacher gemacht hätte, als der ursprünglich matschige Untergrund an der jetzigen Stelle. Die Schleuse sei aber historisch gewachsen, betont er, und verdeutlicht das an einem Bild, das Frankfurt um 1630 zeigt.

Die Metropole endete damals an der heutigen Ignatz-Bubis-Brücke, und der Main Richtung Offenbach war eine breite Marschlandschaft ohne konstante Flussführung und mit vielen Inseln. Am Ufer standen Mühlen, für die Dämme errichtet wurden. „Und was braucht man für eine Schleuse? Richtig, Dämme“, erklärt Konze. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde dort ein aus Holzplanken bestehendes sogenanntes Nadelwehr errichtet und ab 1949 zur heutigen Staustufe umgebaut. Diese ist – von einigen Erweiterungen und Erneuerungen abgesehen – noch in ihrem ursprünglichen Zustand.

Schiff der Superlative: Die "Harmony of the Seas" legt ab

Kommentare