Vielfältiges Schnäppchen-Angebot

Fundsachen-Versteigerung lockt die Massen an

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Wer bietet mehr? Stefan Sommer leitet souverän die Fundsachen-Versteigerung vor dem Stadthaus.

Offenbach - Einen fahrtüchtigen Drahtesel für zwölf und eine brauchbare Digitalkamera für 42 Euro - wo gibt’s denn sowas? Bei der Fundsachenversteigerung des Offenbacher Ordnungsamts. Von Harald H. Richter 

Manch lukratives Angebot ist darunter, daher verwundert es nicht, dass sich am Samstagvormittag Schnäppchenjäger vor dem Stadthaus an der Berliner Straße drängen. Brigitte Brosch wickelt mit ihren Kolleginnen Birgit Rossberg und Katja Röhr die Verkäufe ab und ordnet Geldschein um Geldschein in die Kassenfächer. „Die Einnahmen fließen in den Haushalt der Stadt“, erklärt Brosch. „An einem solchen Auktionstag kommen schon mal an die 5000 Euro zusammen.“

Vor den drei Frauen von der Stadt sind etliche Listen ausgebreitet, auf denen penibel vermerkt ist, was heute zu welchem Preis über den Tisch gehen soll. Ist ein Gegenstand mindestens sechs Monate aufbewahrt, wird aber nicht abgeholt, hat nach dem Gesetz der Finder Anspruch darauf. Nimmt er das Recht nicht wahr, kommt"s in die Versteigerung. Das gilt auch für nicht abgeholte Fundsachen, die in öffentlichen Gebäuden oder Verkehrsmitteln liegen geblieben sind.

Auktionator Stefan Sommer ruft das erste Angebot auf. Daniel Neumann ersteigert ein Cityrad zum Schnäppchenpreis von zwölf Euro. Vor zwei Wochen hat man dem Berufstätigen seinen bisherigen fahrbaren Untersatz geklaut. „Das Rad war am S-Bahn-Halt beim Rathaus angekettet, und als ich abends von der Arbeit zurückkam, war es weg.“

Der Ärger darüber ist spätestens jetzt verflogen, da der 34-Jährige zwar kein neues ersteht, aber eins, das seine Wegstrecke von daheim zur Arbeitsstelle beschleunigt zurückzulegen hilft. Fast 50 Fahrräder kommen bis Mittag unter den Hammer, ebenso Handys und Smartphones in kaum geringerer Stückzahl, Regenschirmpakete, Sonnenbrillen und weitere Sehhilfen. Selbst ein komplett bestückter Werkzeugkoffer und Schmuck in Tüten wird aufgerufen. „Den Wert des Geschmeides haben wir zuvor exakt bestimmen lassen, und zwar auf Euro und Cent“, erläutert Sommer. „Das Startgebot für dieses Schmuckpaket, bestehend aus Ringen, Ketten und Anhängern, sind 184,99 Euro – wer bietet mehr?“ fragt er und blickt suchend in die Runde. Finger schnellen in die Höhe: „190 – 200 – 210 …“, ruft Sommer und macht weitere Bieter in der Menschenmenge ausfindig. Für 290 Euro ersteigert ein Käufer mittleren Alters schließlich die Auktionsware. Vielleicht als Überraschungsgeschenk zum Muttertag? „Kriegst du viel Brille, Mann“, scherzt gleich darauf ein Passant in Abwandlung eines Werbeslogans, als ein anderer den Zuschlag für einen Sehhilfe-Fünferpack erhält. Nicht einmal 20 Euro kostet die Zusammenstellung, wobei allerdings offen bleibt, welche Sehstärken die Gläser aufweisen. „Die kann ich ja austauschen lassen“, meint der Käufer, „für mich entscheidend sind die Gestelle.“

Stefan Sommer bewahrt in beinahe jeder Situation der Versteigerung die Übersicht – nur einmal nicht, als er wiederum ein Brillenpaket unter die Leute bringt. Nachdem er die auf dem Pult vor sich ausgebreiteten Einzelstücke dem Publikum gezeigt hat und wieder in die Tüte packt, sortiert er die eigene Sehhilfe mit hinein, bemerkt das Versehen aber noch rechtzeitig.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Als nächstes wird es sportlich: ein Tennisschläger für vier Euro sorgt beim jugendlichen Empfänger für zufriedene Miene. Gleich darauf nimmt ein Bub einen günstig erstandenen Tretroller an der Ausgabestelle entgegen. Nach und nach leert sich dort der „Fuhrpark“ aus Fahrrädern, Elektro- und Mountainbikes. Sogar ein Motorroller bekommt einen neuen Besitzer. Jedes der Objekte ist mit einer Kontrollnummer versehen, über die am nächsten Werktag im Fundbüro des Ordnungsamts ein Eigentumsnachweis ausgestellt werden kann. „Es muss schließlich alles seine Richtigkeit und der neue Besitzer die Gewissheit haben, dass er das gute Stück rechtmäßig erworben hat“, stellt Brigitte Brosch klar. Das gilt auch für diverse Unterhaltungselektronik, wie Smartphones, Autoradio mit Kassetteneinschub oder Kopfhörer aus einer als „Glückpaket“ feilgebotenen Überraschungskiste mit diversem Inhalt.

Nach knapp drei Stunden ist die Versteigerung Geschichte. Bepackt strebt das Bietervolk heimwärts – hoffentlich ohne etwas an der nächsten Haltestelle oder im Bus liegen zu lassen.

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