Fußgängerüberweg an der Mühlheimer Straße soll sicherer werden

Angst auf dem Schulweg

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Dominik und sein Vater Adam warten an der Mühlheimer Straße auf grünes Licht: Dominik und viele andere Kinder müssen jeden Tag die vierspurige Fahrbahn überqueren.  (c)Foto: Neder Für ihren täglichen Schulweg (rot eingezeichnet) müssen Kinder aus dem Neubauviertel An den Eichen die vierspurige und stark befahrene Mühlheimer Straße überqueren. Dort wurde Dominik vor einem halben Jahr angefahren. Nun pochen die Eltern darauf, dass die Stadt handelt und den Übergang sicherer macht. 

Offenbach - Das Wohngebiet An den Eichen wächst. Es zieht vor allem junge Familien an. Somit wohnen auch immer mehr Kinder im Neubauviertel, die über die vierspurige Mühlheimer Straße zur Friedrich-Ebert-Schule laufen müssen. Von Sarah Neder

Besonders fußgängerfreundlich ist die Strecke nicht. Bisher.
Dominik weint. Das alles wird ihm gerade zu viel. Die Autos, die knapp vor sein en Füßen vorbeisausen. Die Fragen der Zeitungsfrau. Die Anspannung der Eltern. Er will weg. Von dort, wo er vor einem halben Jahr fast ums Leben gekommen wäre: Am 14. Dezember 2015 wird der Zehnjährige auf dem Schulweg an der Mühlheimer Straße angefahren. Es ist etwa 8 Uhr morgens und noch dunkel. Wie gewöhnlich läuft Dominik von seinem Zuhause im Neubauviertel An den Eichen über die Ulmenstraße zur Friedrich-Ebert-Schule. Nur diesmal kommt er nicht an. Am Fußgängerüberweg wird Dominik von einem schwarzen Kleinwagen gerammt. Er hatte Grün, die Fahrerin nicht mehr. Sie erfasst mit 60 km/h den kleinen Körper. Er wird sofort ins Krankenhaus gebracht. Beckenbruch, Polytrauma, künstliches Koma.

„Es war ein riesiger Schock“, sagt Dominiks Vater, Adam G. über den Moment, als er von dem Unglück erfuhr. Die vergangenen sechs Monate verbrachte Dominik im Krankenhaus und in der Reha. Der Junge erholte sich überraschend schnell, kann trotz der üblen Verletzungen wieder gehen, reden, rechnen, schreiben. Jetzt ist sein erster Schultag nach dem Unfall gewesen. Dominiks Vater und seine Mutter Natalia bringen ihn zu Fuß dorthin. Zunächst entlang der Ulmenstraße, dann queren sie die beiden Fußgängerampeln an der Mühlheimer. Und bemerken dabei entsetzt: Seit dem verhängnisvollen Tag hat sich dort nichts getan. „Keine Schilder, kein Blitzer, nichts“, sagt Adam G.

Tatsächlich weist an der Bundesstraße 43 wenig auf die nahe Grundschule hin. In Richtung Offenbach sind zwei Warndreiecke und Kindersymbole auf den Fahrbahnen markiert. Das war’s. Auch nach aufmerksamer Suche finden sich keine Schilder, die Autofahrer auf den Schulweg aufmerksam machen.

Wie Dominiks Eltern demonstrieren, sind außerdem die Grünphasen für die Fußgänger extrem knapp berechnet. Mutter Natalia geht mit Dominik an der Hand über die erste Ampel auf die kleine Verkehrsinsel in der Mitte der vier Fahrbahnen und schildert: „Morgens stauen sich die Kinder hier und stehen nah am Fahrbahnrand.“ Die nächste Gefahrenquelle zeigt sich gleich: Die Grünphase der zweiten Ampel, zwischen Insel und Schule ist so kurz, dass man es nur sehr zügigen Schrittes auf die andere Seite schafft, bevor sie auf Rot springt. „Für Kinder, die sich auch mal beim Gehen unterhalten oder trödeln, ist das kaum zu schaffen“, sagt Dominiks Mutter nachdrücklich.

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Die Eltern sprechen nicht nur für ihren Sohn, sondern auch für die vielen anderen Kinder, die im Neubaugebiet Waldheim-Süd wohnen und auf dem Schulweg die Hauptverkehrsader kreuzen müssen. Seit dem Unfall, sagt Natalia, haben auch die anderen Eltern in der Nachbarschaft Angst, ihre Kinder allein laufen zu lassen. Adam fordert deshalb: „Die Stadt muss etwas tun!“

Wir haben bei Rainer Buck von der Straßenverkehrsbehörde nachgefragt, warum es an der Mühlheimer Straße keine Hinweise auf die benachbarte Grundschule gibt. Buck überprüft’s und gesteht: „Dort hingen früher Schilder, aber die wurden offensichtlich geklaut.“ Es komme leider immer wieder vor, dass Leute Straßen- oder Verkehrsschilder abmontierten, bedauert Buck. Er habe umgehend den Stadtdienstleister ESO benachrichtigt, dass neue Vorsicht-Kinder-Exemplare an der Mühlheimer Straße angebracht werden sollen.

Rolf Schmidt vom Stadtplanungsamt erinnert sich noch an den Unfall von Dominik G. Kurz nach dem Crash hat er gemeinsam mit dem Elternbeirat der Friedrich-Ebert-Schule den Unglücksort begutachtet, über mögliche Sicherheitsmaßnahmen gesprochen. Das Versprechen: Der brenzlige Übergang soll noch dieses Jahr entschärft werden. „Zum einen wollen wir die Verkehrsinsel verbreitern und zum anderen ein intelligentes Signalprogramm einrichten“, sagt Schmidt. Bedeutet: Kinder können Knöpfchen drücken, Autofahrer müssen warten. Außerdem werde über einen Blitzer in Richtung Offenbach diskutiert. Rolf Schmidt und Rainer Buck glauben, dass all diese Maßnahmen Dominiks Unfall jedoch nicht verhindert hätten. „Wenn jemand über Rot fährt, helfen auch keine Schilder“, sagt Buck.

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