Erst im dritten Anlauf wird hartnäckige Seniorin erhört

Geld und Papiere gestohlen: Bei Polizei zweimal abgeblitzt

Offenbach - Geld weg, Papiere weg – wahrscheinlich von Trickdieben aus der Tasche gefischt: Nun gleich zur Polizei und eine Verlustanzeige aufgeben, dachte sich Claudia K. Doch beim 1. Revier traf die Seniorin nicht auf Freunde und Helfer. Von Matthias Dahmer 

Es ist ein Mittwochnachmittag Anfang September als Claudia K. den Verlust bemerkt. Beim Einkaufen in der Innenstadt oder im Bus nach Bieber müssen ihr Geld und Papiere gestohlen worden sein, mutmaßt sie. Zuhause lässt sie sofort die Konten sperren. Noch immer völlig aufgelöst klingelt sie gegen 17 Uhr beim 1. Revier am Mathildenplatz und wird sogleich an der Tür abgewiesen. Frau K. habe ihren Fall nicht als Diebstahl, sondern als möglichen Verlust geschildert, was erstmal nicht in unsere Zuständigkeit fällt, wird Revierleiter Michael Schmidt später erklären. K. betont jedoch, sie habe gesagt, sie sei sich zu 80 Prozent sicher, dass ihr die Dinge gestohlen worden seien. Erhört wird sie damit zunächst nicht. K., die selbst 35 Jahre in der Polizeiverwaltung tätig war, schildert ihr Erlebnis kurz darauf am Telefon einem ehemaligen Kollegen, der ihr kopfschüttelnd rät, nochmal zum Revier zu fahren. Zumal sie für eine demnächst anstehende Reise dringend ihr Ausweispapiere benötigt

Gegen 19.30 Uhr wird sie beim 1. Revier immerhin eingelassen. Doch das Ergebnis gleicht dem des ersten Besuchs: „Ich nehme keine Anzeige auf, wissen Sie, was das für eine Arbeit ist?“, zitiert Claudia K. den diensthabenden Beamten. „Ich wurde behandelt wie ein Schulmädchen“, empört sie sich noch immer über den Ton des Polizisten. Am Tag darauf erkundigt sich Frau K. ohne Erfolg im Fundbüro, bekommt aber den Hinweis, sie benötige eine Bescheinigung, dass sie eine Anzeige aufgegeben habe. Zufällig sind zwei Polizisten anwesend, die die Geschichte von Frau K. mitbekommen. Auch ihr Tipp lautet: „Sofort zum 1. Revier.“

Im dritten Anlauf nimmt man sich dort ihrer Sache endlich an. Frau K. habe erst zu diesem Zeitpunkt nachvollziehbar geschildert, dass ihr Geld und Papiere höchstwahrscheinlich gestohlen wurden, erklärt Revierleiter Schmidt den Sinneswandel der Ordnungshüter. Grundsätzlich verweise man bei Verlustmeldungen zunächst ans dafür zuständige Bürgerbüro. Erst wenn sich abzeichne, dass es sich um einen Diebstahl handele, nehme man eine Anzeige auf, so Schmidt. Zugleich räumt der Revierleiter aber ein, dass es sinnvoll sein könne, auch nur verloren gegangene Papiere oder Scheckkarten zu Sachfahndung auszuschreiben. Schließlich könne auch ein Finder sie missbräuchlich verwenden. Er verweist auf die mittlerweile bestehende Möglichkeit, Strafanzeige online zu stellen (onlinewache.polizei.hessen.de). Bei einem Dokumenten-Diebstahl sei eine Online-Anzeige nur bedingt geeignet. Die Betroffenen müssten nach wie vor befragt werden.

Die Diebesbeute eines Langfingers

Allein im August, berichtet Michael Schmidt nach einem Blick in die Statistik, wurden von seinem Revier insgesamt 322 Strafanzeigen aufgenommen. Pro Monat könne man damit rechnen, 20 bis 30 Trickdiebstähle gemeldet zu bekommen. Claudia K. dürften diese Zahlen kaum besänftigen. „Bei der Bank, im Bürgerbüro und bei der Krankenkasse – überall, wo ich den Verlust melden musste, wurde ich zuvorkommend behandelt. Nur bei meinen Ex-Kollegen nicht“, sagt sie.

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